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| 17:27 Uhr

Reit- und Springturnier der Kurstadt
Heiße und stürmische Reitertage in Dobra

Julia Schadock auf Kolett 4 vom PSV Wehnsdorf meistert ein Hindernis.
Julia Schadock auf Kolett 4 vom PSV Wehnsdorf meistert ein Hindernis. FOTO: Veit Rösler
Dobra. 230 Reiter mit 350 Pferden aus Brandenburg, Berlin, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hamburg trotzen bei dem Turnier der Hitze. An beiden Wettkampftagen sehen die Zuschauer insgesamt 643 Starts. Von Veit Rösler

Stürmische Zeiten hatten am Wochenende Veranstalter, Reitsportler und Pferde beim 15. Reit- und Springturnier der Kurstadt Bad Liebenwerda in Dobra zu bewältigen. Eigentlich hatte der organisierende Reit- und Fahrverein Dobra im Vorfeld wegen der langanhaltenden Hitzewelle mit einer nur mäßigen Resonanz beim diesjährigen Wettkampf gerechnet. Trotz umfangreicher Hitze-Gegenmaßnahmen! „Wir hatten solche Extremhitze wie in den vorherigen Tagen bei einer Veranstaltung in der Vergangenheit schon einmal. Die Erfahrung zeigt, dass deshalb weitaus weniger Reiter mit ihren Pferden zum Wettkampf erscheinen. Die Verantwortung für die Tiere ist einfach zu groß“, erinnerte Marie Luis Lenk von den Dobraer Reitern an eine ähnliche Wetterlage in der Vergangenheit. Durch die moderate Abkühlung der letzten Tage waren dann allerdings doch 230 Reiter mit 350 Pferden aus Brandenburg, Berlin, Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt und Hamburg angereist, die an beiden Wettkampftagen 643 Starts zeigten. Das sei Durchschnitt aller Veranstaltungen, rechnete Marie Luis Lenk im Meldebüro vor. „Nach den Hitzewellen ärgert der Wind uns ein wenig“, brachte es nur wenige Meter weiter Moderator Peter Freitag aus Sonnewalde auf den Punkt.

Nachdem Petrus die Hitzeschraube zurück gedreht hatte, wollte er wohl mit etwas Wind für Abkühlung sorgen. Die dann zeitweise über die Wettkampfstätte rasenden Windböen sorgten allerdings für Probleme. Blumentöpfe an den Reithindernissen und sogar die Computerbildschirme der Kampfrichter kippten um. Wie von Geisterhand fielen die Stangen aus den Hindernissen herunter, ohne das ein Pferd darüber sprang, und ein Pavillon versuchte sich sogar in Richtung Himmel zu verabschieden.

Das alles sorgte vor allem bei den jungen Pferden während der Wettkämpfe für Verwirrung. Eine Reiterin weigerte sich sogar, den Wettkampf zu beginnen, bevor der vom Wind zerzauste und noch immer flatternde Pavillon nicht abgebaut war, was dann auch geschah.

Für ein weiteres Problem sorgte die vom Sturm in großer Höhe beflügelte und damit zerrissene Wolkendecke. Im Wolkenschatten moderat grau erscheinende Hindernisstangen erschienen den Pferdeaugen bei plötzlicher Sonneneinstrahlung durch die aufgerissene Wolkendecke als strahlend weiß. Folglich verweigerten viele Pferde unmittelbar vor dem Sprung, sodass die Reiter mehrfach Anlauf nehmen mussten.

Dabei hatte sich der Veranstalter in den vergangenen Wochen allergrößte Mühe gegeben und keine Kosten und Mühen gescheut, die Wettkampfstätte optimal zu präparieren und trotz Hitze für angenehme Rahmenbedingungen zu sorgen. So war nicht nur für jeden Zuschauer ein schattiges Plätzchen eingerichtet worden. An den Wettkampftagen stand am Fahrerlager ein riesiger Wassertank für die Tiere und regelmäßig wurde mit einem Tankerfahrzeug zur Wässerung über die trockenen Sandpisten gefahren, um den bei jedem Hufschlag aufwirbelnden Staub in den Griff zu bekommen.

Die allergrößte Fürsorge hat seit sechs Wochen der Rasen des Wettkampfreiterplatzes erhalten. Mit schwerer Landwirtschaftstechnik wurde der Rasen an manchen Tagen mit bis zu 200 000 Liter Wasser gewässert, obwohl die Wasserentnahme aus der Elster und den umliegenden Gräben verboten ist. „Wir haben vor Jahren einen eigenen Brunnen gebohrt, um das Wasserproblem in den Griff zu bekommen“, beschrieb Marie Luis Lenk die Szenerie hinter den Kulissen. Der Rasen der Wettkampfstätte ist nach den unzähligen Kontakten mit den Pferdehufen am Ende. Er bleibt dann zur Erholung ein ganzes Jahr brach liegen.

20 Helfer aus Dobra und Umgebung haben an der Vorbereitung des 15. Reit- und Springturniers der Kurstadt mitgewirkt. Ein mittlerweile eingespieltes Team. „Ist das Turnier vorüber, beginnen wir mit den Vorbereitungen auf den nächsten Wettkampf. Zunächst schreiben wir auf, was nicht so gut gelaufen ist und wie wir das Problem bewältigen können. So werden wir immer besser“, beschreibt Marie Luis Lenk die Strategie. Auf dieser „Schwarzen Liste“ dürften zeitnah die Wörter „Wind“ und „Sturm“ auftauchen.