ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 19:06 Uhr

Serie: Ich kaufe regional in Elbe-Elster
Schaufenster sind so etwas wie ein Spiegel für eine Innenstadt

Geschäftsinhaberin Ramona Napieralski (r.) und ihre langjährige Mitarbeiterin Martina Hönschker erfreuen Passanten und  Kunden täglich mit Veränderungen in den Schaufenstern von „Mode und mehr“ in der Langen Straße von Finsterwalde.
Geschäftsinhaberin Ramona Napieralski (r.) und ihre langjährige Mitarbeiterin Martina Hönschker erfreuen Passanten und  Kunden täglich mit Veränderungen in den Schaufenstern von „Mode und mehr“ in der Langen Straße von Finsterwalde. FOTO: LR / Gabi Böttcher
Beobachtungen in Herzberg, Finsterwalde, Bad Liebenwerda und Elsterwerda. Die Besucher spüren sehr schnell die Unterschiede und bemerken die „kleinen Details“. Von Birgit Rudow, Gabriela Böttcher und Frank Claus

Schaufensterbummel in Herzberg lohnt sich nicht? Weit gefehlt. Zugegeben, stundenlang wird der in der Innenstadt nicht ausfallen. So viele Geschäfte hat Herzbergs Einzelhandel nicht, und einige Läden nebst Schaufenstern stehen auch leer. Aber dort, wo engagierte Händler ihre Waren durch die Scheibe von außen anpreisen, lohnt sich ein genauerer Blick, auch wenn die Sonne in diesen Tagen etwas blenden sollte. Die Schaufenstergestaltung ist für die Einzelhändler von großer Bedeutung.

Denn es gibt sie, die Schaufensterkäufer. „Oft kommen Kunden, die zum Beispiel beim Wochenendspaziergang ein bestimmtes Stück im Schaufenster gesehen haben und genau dieses haben möchten“, sagt Simone Reimann, Inhaberin der Boutique BL-Moden in der Torgauer Straße. Ihr Schaufenster ziert gerade Lässiges bis Festliches für warme Sommertage und -abende, alles bestens aufeinander abgestimmt. Dazu ein erster Hinweis auf den Schlussverkauf. Simone Reimann gestaltet die Schaufenster nicht selbst. Das macht ihre Kollegin Cindy Richter. „Dafür muss man ein besonderes Händchen und Ideen haben. Das kann Cindy besser als ich“, sagt sie. Jede Woche wird die Gestaltung gewechselt, und jede Woche lässt sich Cindy Richter etwas einfallen, ebenso für die Puppe vor der Geschäftstür.

Auch im Geschäft „drunter und drüber“ von Manuela Gersdorf sind die Schaufenster attraktiv sommerlich-maritim gestaltet und die Kleidung ist mit gestalterischen Elementen kombiniert. „Mindestens wöchentlich gestalte ich das Schaufenster um. Im Sommer mitunter auch öfter. Man hat viele Ideen, aber leider fehlt manchmal auch die Zeit, sie umzusetzen“, sagt Manuela Gersdorf. Auf eine gute Schaufenstergestaltung legt sie viel Wert, und wenn Kunden ein „Ausstellungsstück“ kaufen möchten, nimmt sie es sofort heraus und ersetzt es passend.

„Wir brauchen attraktive Schaufenster“, sagt auch Sybille Lehmann, Inhaberin des Geschäftes „Libella“ in der Schliebener Straße. Momentan steht der Sommerschlussverkauf im Mittelpunkt. Ein Fenster hat sie auffällig der Prozente-Aktion gewidmet. Sie gestaltet aber auch regelmäßig das Schaufenster des leer stehenden Geschäftes nebenan. Bei der Dekoration richtet sie sich nach der Saison. Gewechselt werden die ausgestellten Waren in der Regel im Wochenrhythmus. „Bei der Auswahl für das Schaufenster nehme ich zumeist solche Stücke, die farblich gut zueinander passen“, sagt Sybille Lehmann.

Gleich nebenan hat Jutta Globig ihre Boutique „Fashion & Style“. Ihren aktuellen Wunsch an die Kunden hat ihre Mitarbeiterin auf eine kleine Tafel geschrieben: „Eine schöne Ferienzeit“. An der Decke hängt ein romantisch verzierter Vogelkäfig. Sommer, Sonne, Schlussverkauf – das ist das Motto in diesen Wochen. „Wir stellen vor allem die farblichen Abstimmungen in den Mittelpunkt oder zeigen den Kunden neue Kollektionen“, sagt Jutta Globig. Sie hat die gleichen Erfahrungen gemacht, wie ihre Kolleginnen in den Geschäften rundherum. Viele Kunden lassen sich von der Auslage in den Schaufenstern inspirieren. Jutta Globig hat extra eine große Markise angebracht, damit die Gestaltung von außen besser zu sehen ist. In die Gestaltung stecken sie und ihre Mitarbeiterin sehr viel Mühe. „Leider achten die Kunden viel zu selten auf die Abstimmung auch mit der Dekoration“, findet sie es manchmal schade.

Die Auslagen vorm Geschäft „dekoline“ von Doreen Michalek Herzberg in Bad Liebenwerda genau gegenüber der Kirche sind immer ein Hingucker. Dort lässt es sich auch gemütlich verweilen.
Die Auslagen vorm Geschäft „dekoline“ von Doreen Michalek Herzberg in Bad Liebenwerda genau gegenüber der Kirche sind immer ein Hingucker. Dort lässt es sich auch gemütlich verweilen. FOTO: LR / Frank Claus

Fazit: Viele Herzberger Schaufenster sind sehr schön und liebevoll gestaltet, nicht nur bei den „Textilern“, auch im Schuhladen, bei den Buchhändlern, beim Stoff- oder Wäschegeschäft. Jeder Einzelhändler ist dabei auf sich allein gestellt. Getrübt wird das Bild aber durch viele leere Schaufenster. Vielleicht sollte sich die Stadt wieder eine Aktion einfallen lassen, wie vor einigen Monaten zum Reformationsjubiläum.

Die Sängerstadt Finsterwalde erntet immer wieder auch bei Auswärtigen ein dickes Lob für ihre Einzelhandelsangebote und das einladende Fluidum als Stadt zum Einkaufen und Verweilen. Schaufenster spielen dabei eine wichtige Rolle. Veit Klaue vom Sängerstadtmarketingverein erinnert sich noch gut an ein gemeinsam mit der IHK unterbreitetes Angebot eines Workshops zur Gestaltung von Schaufenstern. „Ja, so ein Angebot könnte man durchaus einmal wiederholen“, sagt der Marketingfachmann. Zumal er gleichzeitig Realist ist und weiß, dass die attraktive Gestaltung der Fenster sowohl eine Frage des Geldes, als auch eine Frage der Zeit ist. „Die meisten machen das selber. Alle geben sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten die  größte Mühe“, konstatiert Veit Klaue. Für Ramona Napieralski, Inhaberin des Modegeschäftes „Mode und mehr“ in der Langen Straße, und ihre langjährige Mitarbeiterin Martina Hönschker gehört die Gestaltung der Schaufenster  zum täglichen Geschäft. Ihre insgesamt sechs Schaufensterpuppen erhalten unentwegt neue Kleidung und Accessoires. Und auch sonstige  Zutaten in den Fenstern werden saisonal angepasst. Ramona Napieralski ist überzeugt davon, dass Schaufenster eine entscheidende Bedeutung haben: „Wir haben hier viel  Gastronomie, es kommen viele Touristen vorbei. Der Kunde orientiert sich im Schaufenster und fragt gezielt.“ Auch an den Wochenenden werde beim Schaufensterbummel manche Anregung mitgenommen. So ist es bei „Mode und Mehr“ selbstverständlich, dass selbst größere  Temperaturschwankungen vor der Ladentür  bei der Kleidung der Puppen ihren Niederschlag finden. Da heißt es bei Hitze schnell mal: Ärmellos statt langer Arm. Gegenwärtig rückt das Finsterwalder Sängerfest auch wieder in den Fokus von Schaufenstergestaltungen. Man darf gespannt sein.

Der Kurstadt Bad Liebenwerda hat das gemeinsam mit der Stadtverwaltung und einem Marketingbüro ins Leben gerufene „Zentrumstraining“ richtig gut getan. Das sagt auch Doreen Michalek Herzberg, die das Geschäft „dekoline“ führt und selbst mit gutem Beispiel vorangeht. Stände mit Grußkarten und Tüchern, originelle Dekoartikel und ein Tisch samt Stühlen, um bei einem Kaffee oder Likörchen zu verweilen, stehen immer vor der Tür und werden liebevoll drapiert. Von Einheimischen und den vielen Kurgästen bekomme sie immer wieder zu hören, dass Bad Liebenwerda ein schönes Städtchen sei.

Dieses Lob können sich auch viele Einzelhändler an die Brust heften, denn es gibt kaum noch ein Geschäft, das keine Auslagen vor der Tür hat. Ob nun vorm Schokoladen, vor der Buchhandlung, vorm Bekleidungsgeschäft und selbst vorm Zeitschriftenladen –  überall stehen Auslagen oder laden Stühle und Bänke zum Verweilen ein. Ein dickes Lob haben sich die Cafés, Bäckereien, Gaststätten verdient, die mit vielen Sitzgelegenheiten einladen und selbst auf Details wie Stuhlkissen und Blümchen achten. Apropos Blümchen: Was der Bauhof in die Innenstadt gezaubert hat, bezaubert! Viele Blumenkübel sind zusätzlich bepflanzt worden und blühen trotz Hitze dank liebevoller und aufopferungsvoller Pflege prächtig.

Viel Grün hat auch in Elsterwerdas Innenstadt Einzug gehalten. Nur die Geschäftswelt scheint noch deutlich zurückgezogener. Vielerorts wird sich damit begnügt, mit Klappaufstellern auf Angebote in den Läden aufmerksam zu machen. Kreative Ausnahmen sind das Holzwaren-Spielgeschäft und die Bekleidungsgeschäfte „Frauenzimmer“ und „Mann oh Mann“, die auch vorm Schaufenster zum Betrachten der Angebote einladen. Freilich, enge Gehwege verhindern mitunter in Elsterwerda die Außenpräsentation. Zudem gibt es wenige Gelegenheiten, im öffentlichen Raum beim Kaffee zu verweilen.

„drunter &  drüber“ in Herzberg hält auch Kindermode bereit — wie das Schaufenster schon zeigt.
„drunter & drüber“ in Herzberg hält auch Kindermode bereit — wie das Schaufenster schon zeigt. FOTO: Dieter Müller