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| 16:24 Uhr

Reaktionen nach Feuerwehr-Revolution in Bad Liebenwerda
Wenn alle über fünf Euro reden

Viel gefragt in diesen Tagen: Martin Neumann (29), ist seit April dieses Jahres Stadtwehrführer der Feuerwehr in Bad Liebenwerda. Gerade hat er seine Prüfung als Verwaltungsfachangestellter bestanden. Nun hat er einen Arbeitsvertrag im Rathaus der Kurstadt in der Tasche.
Viel gefragt in diesen Tagen: Martin Neumann (29), ist seit April dieses Jahres Stadtwehrführer der Feuerwehr in Bad Liebenwerda. Gerade hat er seine Prüfung als Verwaltungsfachangestellter bestanden. Nun hat er einen Arbeitsvertrag im Rathaus der Kurstadt in der Tasche. FOTO: LR / Frank Claus
Bad Liebenwerda. Bad Liebenwerdas „Feuerwehr-Revolution“ findet bundesweit Beachtung. Einsatz Nr. 115 am Mittwoch. Von Frank Claus

Es ist jener Tag, an dem in Bad Liebenwerda Feuerwehr-Geschichte geschrieben werden soll. Am Mittwoch dieser Woche fällt er – dieser Beschluss, der die Kurstadt im Elbe-Elster-Kreis bundesweit in die Schlagzeilen bringen wird: Die Abgeordneten beschließen in ihrer Sitzung am Abend einstimmig, die Summe für die Aufwandsentschädigung der Feuerwehr-Kameraden von vormals 60 000 auf jetzt 140 000 Euro jährlich zu erhöhen und damit mehr als zu verdoppeln.

Schon am Vormittag klingeln bei Stadtwehrführer Martin Neumann (29) und Bürgermeister Thomas Richter (CDU) die Telefone. Aus vielen Orten der Bundesrepublik melden sich Feuerwehr-Kameraden, wollen Verwaltungen  wissen, wie die Stadt das Vorhaben umsetzen will und den Entwurf der neuen Satzung zugeschickt bekommen. Radiostationen bitten um Interviews. Ein Drehteam des RBB-Fernsehens rollt vor das Feuerwehrdepot – und findet nur leere Garagen vor.

Die Kurstadt-Feuerwehr ist gegen 9.45 Uhr schon wieder ausgerückt – zu ihrem 115. Einsatz in diesem Jahr in der Kernstadt Bad Liebenwerda. Die gesamte Wehr hat schon mehr als 170 in den Stiefeln. In der Median Fontana-Klinik schmort es an einem Trafo der Hauptzuleitung. Beißender Qualm erfüllt den Raum. Die elektrische Versorgung in der gesamten Klinik ist ausgefallen. Die Klinikleitung evakuiert vorsorglich Patienten aus den besonders gefährdeten Bereichen. Gut zwei Stunden später kann Entwarnung gegeben werden: keine Gefahr mehr. Der Energiedienstleister ist vor Ort, behebt den Schaden.

Künftig werden die Kameraden der Bad Liebenwerdaer Feuerwehr solche Einsätze mit mehr honoriert bekommen als dem berühmten feuchten Händedruck. Die wichtigste Neuerung: Ab 1. Oktober dieses Jahres werden alle Kameraden, die in den Einsatz gehen – egal ob Brand, technische Hilfeleistung, Hochwasser oder Sturmschaden – für jede geleistete volle Stunde fünf Euro erhalten. Berücksichtigt werden auch die ehrenamtlichen Feuerwehrkameraden, welche sich bis zu 15 Minuten nach der Alarmierung als Einsatzreserve an ihrem Standort einfinden.

Wertschätzungen finden auch Ausbildungen, Lehrgänge, Seminare auf kommunaler Ebene. Dauern sie mehr als vier Stunden, ist eine Versorgungspauschale von fünf Euro vorgesehen. Werden sieben Stunden überschritten, gibt es zehn Euro je Kamerad. Auch Wettkämpfe, wie zum Beispiel beim Stadtausscheid, werden gefördert. Für alle Teilnehmer und Helfer steigt die Verpflegungspauschale von fünf auf acht Euro.

Ein Zeichen hat Bad Liebenwerda in der Vergangenheit auch schon mit Prämien für Geburtstage und Jubiläen gesetzt. Ehejubiläen der Kameradinnen und Kameraden werden mit 50 Euro bedacht, bei Geburtstagen gibt es für jedes Altersjahrzehnt einen Zehner. Wer 65 ist und aus dem Dienst ausscheidet, erhält 100 Euro. Auch die Treue-Medaillen der Feuerwehr werden mit Geldbeträgen versüßt.

Martin Neumann, erst seit April dieses Jahres Stadtwehrführer, legt Wert darauf herauszustellen, die neue Satzung mit vielen Kameraden und in enger Zusammenarbeit mit der Verwaltung erarbeitet zu haben. So hält er es auch in der Feuerwehr. Die neue Entschädigungssatzung stärkt auch die mittleren und unteren Positionen in der Leitungsebene. „Das war uns sehr wichtig, weil ein motiviertes Führungspersonal entscheidend ist und wir so auch Anreize für alle setzen wollen, die sich qualifizieren möchten“, so Martin Neumann.

Ob er nach dem Beschluss eine Flasche Sekt geköpft hat? Nein. Aber mit Sicherheit wird beim Tag der offenen Tür am Sonnabend mit den Kameraden angestoßen. Und da freut er sich schon wieder. „Kameraden aus Elsterwerda und Finsterwalde kommen mit Technik zu uns. Die Zusammenarbeit klappt!“