Heute, wo an Ort und Stelle eine wundersame Peitschenlampe von herrlichstem DDR-Chic nicht mehr im entferntesten an das alte Wasserspiel aus Gusseisen und Sandstein erinnert, lächeln die Zeitzeugen plötzlich ganz verschmitzt. Nein, so weg, wie man es von dem Wilde-Brunnen (benannt nach dem damaligen Bürgermeister) bisher vermutet hatte, soll die Plätscher-Säule gar nicht sein. Die Gerüchte verdichten sich immer mehr: Irgendwer hält das historisch wertvolle Stück in seinem Garten versteckt. Deshalb fordert jetzt auch Bürgermeister Dieter Herrchen - Wer ihn hat, soll ihn rausrücken!
„Der Brunnen erzählt nicht nur aus der Elsterwerdaer Geschichte, er wiegt auch moralisch schwer“ , hebt der aktuelle Stadtchef bedeutungsvoll den Zeigefinger. Recht so! Denn was im Jahre 2005 zumindest in solchen Dimensionen kaum denkbar scheint, hat 1905 die Kröten locker gemacht. In Erinnerung an die gerade errichtete Wasserleitung wurde besagter Gedenkbrunnen nur mit Spendengeldern gebaut. „Das zeigt die Hilfsbereitschaft unserer Einwohner“ , sagt Dieter Herrchen. Und malt sich das das Symbol der Solidarität in Gedanken schon auf dem neu gestalteten Markt aus. „Nur so eine Idee: Vielleicht kriegt's ein Architekt hin und integriert ihn in ein neues Wasserspiel.“
Dazu allerdings müsste das wie vom Erdboden verschluckte gute Stück, dessen Abbau Mitte der 60er-Jahre schriftlich nicht dokumentiert wurde, erst mal wieder auftauchen. Man forsche natürlich nicht organisiert - „das würde dann mit Sicherheit anders aussehen“ , will Herrchen die Schatzsuche nicht allzu hoch aufhängen. Andererseits wäre man aber auch nie auf die Idee dazu gekommen, wenn es im Zuge der ersten Planungen für die Marktplatz-Neugestaltung nicht Hinweise auf den Verbleib gegeben hätte. „Keiner äußert sich konkret, aber die Mutmaßungen lassen sogar einen Stadtteil erahnen“ , heizt Kommissar Herrchen 650 (auch gleichzeitig die Rathaus-Nummer für Tipps) die Gerüchteküche noch ein bisschen weiter an. Und wer weiß: Womöglich verpfeift bald ja wirklich jemand den Nachbarn mit dem hippen Sonnenschirmständer.
Oder meldet er sich freiwillig?