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| 16:54 Uhr

Aus dem Gericht
Rastafari-Jüngling beleidigt Polizeibeamten

Bad Liebenwerda. Die verbale und Stinkefingerattacke nach einem aufgelösten Techno-Konzert bei Züllsdorf hat Folgen. Der Strafbefehl bleibt. Von Manfred Feller

Nach der Verhandlung am Amtsgericht in Bad Liebenwerda fragt man sich, wer am 10. Juni 2017 auf einer großen Wiese bei Züllsdorf zu lange Klärchens heißen Strahlen ausgesetzt war. Franz F. oder der Beamte der Bereitschaftspolizei aus der Sachsenmetropole, den der junge Mann aus Dresden unflätig beschimpft haben soll?

Der heute 20-Jährige, von schmächtiger Gestalt, mit Lockenkopf und langen, am Hinterkopf herunterhängenden Rastazöpfen, gehörte zu einem Tross junger Leute aus Sachsen, die eine illegale Techno-Party auf einer großen Wiese in Elbe-Elster abgehalten hatten. Nachdem der Eigentümer die Polizei alarmiert hatte, wurde das Konzert aufgelöst.

Laut der Anklage soll Franz F. aus dem fahrenden Auto heraus einen Polizisten beleidigt haben. Er habe den Stinkefinger aus dem offenen Fenster gezeigt und Worte von unterhalb der Gürtellinie gebraucht. Für diese Beleidigung setzte es einen Strafbefehl. Doch die Fachkraft für Veranstaltungstechnik ohne Abschluss erhob Einspruch, der nun verhandelt wird.

Im feinsten, sehr zügig gesprochenen Sächsisch mit sehr langen Gedankensammelpausen dazwischen zweifelt der junge Mann die Glaubwürdigkeit des Beamten an. Sehr forsch fragt er den Uniformierten, der als Zeuge vor Gericht steht: „Wie lange hatten Sie an diesem Tag Dienst und haben in der Sonne gestanden?“ Trotz so viel Frechheit bleibt der Beamte erstaunlich ruhig: „Seit früh. Ich hatte eine Mütze.“ Gegen 17 Uhr wurde das Konzert zwangsbeendet.

Der stellvertretende Zugführer gibt an, dass sich seine Kollegen am Rande aufgehalten hatten, während er allein mitten auf der großen Wiese stand, als das besagte Auto vorbeirollte. Nach der Beleidigung informierte er die Beamten am Ausgang des Platzes, den Wagen anzuhalten und die Identität festzustellen. Den Delinquenten erkenne er wieder.

Franz F. mit den Rastazöpfen überlegt lange, ehe er dem Gericht seine Version auftischt. Er habe diesen einzelnen Polizisten auf der Wiese gar nicht gesehen, sondern nur Beamte ein ganzes Stück weiter weg. Über seine Logik staunt er am Ende selbst. Diese lautet nämlich so: Anders als in Brandenburg laufen die Dresdener Polizisten immer in der Gruppe herum. Also könne dort gar kein Beamter mutterseelenallein gestanden haben.

Ja, er habe etwas aus dem Auto gerufen. Aber dies galt den Organisatoren des Techno-Konzertes: „Eine geile Nacht ihr ...“ Und den Mittelfinger habe er schon gar nicht gezeigt. Er habe Zeugen. Dabei handelt es sich um zwei etwa Gleichaltrige mit ähnlicher Frisur.

Der 20-Jährige merkt langsam, dass ihm seine konstruierten Geschichten keiner abnehmen will. Ob er nicht doch lieber den Einspruch zurücknehmen wolle? fragt die Richterin.

Auch die Staatsanwältin ist beim Blick auf das Vorstrafenregister mit sechs Einträgen überzeugt, dass es nur noch teurer für den jungen Dresdener werden kann, der nicht so aussieht, als wenn er viel Geld hätte.

Er überlegt und stellt überraschend fest: „Ich stand bestimmt auch lange in der Sonne. Wenn ich den Widerspruch zurückziehe, kommen die Verfahrenskosten dazu?“ Ja, und die Auslagen für den Zeugen, der extra aus Dresden angereist ist.

Franz F. denkt noch mehr nach und bittet um fünf Minuten Bedenkzeit. Ergebnis: Für einen zweiten Verhandlungstag bräuchte er einen Anwalt. Der sei ihm zu teuer. „Ich ziehe meinen Widerspruch zurück.“ Er bleibe aber dabei, dass er im Umkreis von 50 Metern keinen Polizisten gesehen habe.

Folglich gilt der ursprüngliche Strafbefehl über 50 Tagessätze zu je zehn Euro, zuzüglich der nun entstandenen Kosten. Auch der Polizeibeamte ist mit dem Ergebnis zufrieden, weil die Beleidigung gegen ihn geahndet wird.