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| 01:07 Uhr

Ramm-Schlag

Wir Menschen lieben die Zeremonien. Je feierlicher, desto besser. Vor allem, wenn wir uns anschicken, Bauwerke zu errichten. Dann zelebrieren wir den so genannten ersten Spatenstich. Den nimmt gewöhnlich ein Mensch von Wert vor. Lothar Günther

Auch wenn er bis dahin noch nie einen Spaten in den Händen gehalten hatte. Was man ihm auch ansieht beim Stechen. Ist dann - sagen wir mal - eine Straße fertig oder ein Tunnel durch dicke Berge, dann wird ein Band durchschnitten. Je bedeutender, desto schwarzrotgold. Da hat es sich inzwischen eingebürgert, dass gleich mehrere Schnittmeister auf den Plan sowie das Straßenpflaster treten. Es gibt sogar Schnippchenjäger, die sich Teile des bewussten Bandes geben lassen und in eigens angeschaffte Alben kleben. Im Gegensatz zu Briefmarken dürfte sich hier der geldmäßige Wertzuwachs in Grenzen halten. In meiner sächsischen Heimatgroßstadt hat man unlängst auch ein bedeutendes Bauwerk gestartet. Und zwar mit einem „ersten Rammschlag“ . Es handelt sich um einen Bahntunnel unter der City. Von einem Bahnhof zum anderen. Schon als Kinder hatten wir davon geträumt. Wie von so vielem Nutz- und Sinnlosen. Als ich davon las, dachte ich, mich trifft der Schlag. Der Rammschlag.