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| 17:39 Uhr

Endlich wieder freie Fahrt
Freude über geöffneten Elster-Radweg bei Würdenhain

 Herbeigesehnt wurde der Lückenschluss des Elster-Radweges bei Würdenhain. Seit wenigen Tagen kann der Steg über das neue Wehr genutzt werden. Die Freude darüber ist so groß, dass am Mittwochvormittag trotz eisiger Kälte einige Senioren zum Fototermin sogar mit ihrem Rad gekommen waren.
Herbeigesehnt wurde der Lückenschluss des Elster-Radweges bei Würdenhain. Seit wenigen Tagen kann der Steg über das neue Wehr genutzt werden. Die Freude darüber ist so groß, dass am Mittwochvormittag trotz eisiger Kälte einige Senioren zum Fototermin sogar mit ihrem Rad gekommen waren. FOTO: LR / Manfred Feller
Würdenhain. Nach dem Abriss der alten Brücke über die Große Röder bei Würdenhain haben Radfahrer und Spaziergänger fast zehn Jahre auf die neue Querung warten müssen. Von Manfred Feller

Die einheimischen Pedalritter und die Radtourenfahrer mussten fast ein Jahrzehnt auf die neue Querung der großen Röder unweit von Würdenhain warten. Zuletzt hatten Bauverzögerungen am neuen Wehr des nun für Fußgänger und Fahrradfahrer geöffneten Bediensteges noch einmal für ein monatelanges Hinhalten gesorgt.

Auch wenn die Radfahrsaison für die meisten beendet ist, hat es sich am Mittwochvormittag eine sehr aktive Seniorengruppe trotz Kälte und überfrorener Wege nicht nehmen lassen, den Steg über die Röder gemeinsam einzuweihen. Damit ist der Elster-Radweg zwischen Elsterwerda und Bad Liebenwerda, einer der in Elbe-Elster am meisten genutzten, endlich wieder geschlossen. Ein Hindernis gilt es noch beseitigen, merkt Rudolf Scheibe (73), einer der eifrigsten Kämpfer für eine neue Brücke, an: „Bei Haida steht noch ein Schild an der Schwarzen Elster: Durchfahrt verboten!“ Das Entfernen sollte noch in diesem Jahr kein Problem sein. Oder?

Auch Holger Läppchen (77) aus Bad Liebenwerda, seit 15 Jahren in der Radfahrtruppe, ist über die Freigabe des Steges erleichtert: „Vor allem die Radtouristen haben geschimpft, weil sie am Abend, am Ende ihrer Tagesfahrt, noch einen schlecht ausgeschilderten Umweg über Reichenhain nehmen mussten, um zu ihrer Unterkunft zu kommen.“

Dabei hätte es zu dem vom Landkreis Elbe-Elster verfügten und 2009 vollzogenen Abriss der vorhandenen und angeblich so maroden Brücke gar nicht kommen müssen, meint Rudolf Scheibe. „Da sind Traktoren rübergefahren, aber den Radfahrern war es verboten worden“, schüttelt er noch heute über die letzte Lebenszeit der Brücke den Kopf. Doch jetzt überwiegt die Freunde. „Wir können wieder von Elsterwerda über Bad Liebenwerda bis Wahrenbrück oder ins Umland fahren“, zeigt er sich mit dem Lückenschluss zufrieden. Damit das Wehr vielleicht etwas schneller gebaut wird, hatten die Radler einst sogar die Bauleute mit einem Mahl bewirtet. „Das hat nicht geholfen“, schmunzelt Rudolf Scheibe heute darüber.

Der Wehrersatzbau über die Große Röder stand von Beginn an unter keinem guten Stern. Es dauerte eine Ewigkeit, ehe das Land die veranschlagten 2,7 Millionen Euro bereit legte. Der Landkreis hatte 2006 während eines Vor-Ort-Protestes mit 200 Bürgern angekündigt, zur Not selbst 300 000 Euro in die Hand nehmen zu wollen, um eine separate Fußgänger- und Radfahrerbrücke zu errichten. Am Ende einigten sich Land und Kreis auf eine gemeinsame Lösung mit dem öffentlich nutzbaren Bediensteg. Der Landkreis zahlte für die Zusatznutzung einschließlich der Radwegeanschlüsse „nur“ noch etwa 60 000 Euro.

Manfred Peschel (80) aus Maasdorf, Bruder des vielen noch bestens bekannten Radrennfahrers Axel Peschel (75, Berlin), hat in der seit zwei Jahrzehnten bestehenden Senioren-Radfahrtruppe seit einigen Jahren den Hut auf. Er organisiert teils sehr anspruchsvolle Touren. „Wir fahren mit dem Zug bis Königstein, Bad Schandau oder Wittenberg und dann an der Elbe entlang mit dem Fahrrad wieder zurück.“ Da kommen locker 100 bis 116 Kilometer zusammen. Ein Blick in die Ü 70- und Ü 80-Runde verrät: Die meisten fahren mit einem konventionellen Fahrrad ohne Elektrohilfe. Dem Ältesten, Werner Apitz (84) aus Gröden, sei dieser Antrieb gestattet.

 Die Freundinnen Jeanne Scholze aus Frauenhain mit Sohnemann Theo (fünf Monate) und Marei Brößgen aus Haida mit ihrem Sohn Emil (drei Monate) besuchen sich gegenseitig, um dann gemeinsam spazieren zu gehen. Durch die Wehrbrücke über die Große Röder können sie nun an der Schwarzen Elster eine ordentliche Runde durch die Natur laufen. Und vor allem die sächsisch-brandenburgische Freundschaft vertiefen, wie sie schmunzelnd anmerken.
Die Freundinnen Jeanne Scholze aus Frauenhain mit Sohnemann Theo (fünf Monate) und Marei Brößgen aus Haida mit ihrem Sohn Emil (drei Monate) besuchen sich gegenseitig, um dann gemeinsam spazieren zu gehen. Durch die Wehrbrücke über die Große Röder können sie nun an der Schwarzen Elster eine ordentliche Runde durch die Natur laufen. Und vor allem die sächsisch-brandenburgische Freundschaft vertiefen, wie sie schmunzelnd anmerken. FOTO: LR / Manfred Feller

Seine Gattin Gertraud (78), eine der zu wenigen Frauen in der Herrenrunde, ergänzt, dass sie mit dem Radwegenetz, um das uns zum Beispiel die Sachsen beneiden, fast zufrieden ist. Der eine oder andere Weg müsste allerdings noch gebaut werden: wie zwischen Plessa und Elsterwerda neben der Bundesstraße, zwischen Wainsdorf und Gröditz oder entlang der kurvenreichen, nicht ungefährlichen Verbindungsstraße zwischen den Schadenlanddörfern.

„Kommt nicht infrage“, entgegnet Erhard Richter (81) zum Thema Motor. Der ehemalige Schlosser und Schweißer legt mit seiner Frau bei den Touren oft noch eine Schippe drauf. Wenn in Bad Liebenwerda gestartet wird, setzen sie sich schon in Plessa auf das Rad. Das sind noch einmal zusätzliche Kilometer. Mit 60 Jahren habe er ein Fahrrad geschenkt bekommen und richtig losgelegt. Seine weiteste Strecke war von Weißwasser bis Plessa über 138 Kilometer. Dann gab es noch die 10-Etappen-Fahrt von Cuxhaven nach Torgau an der Elbe über 790 Kilometer, den Mauerradweg um Berlin und die Fahrt am Nord-Ostsee-Kanal.

Rudolf Scheibe war dieses Jahr erstmals bei der Tour de Prignitz. Die Krone setzt schließlich Wilfried Görlich (74) aus Elsterwerda auf. Der gelernte Maschinenschlosser, auch ein passionierter Läufer (wenn es gesundheitlich wieder geht), ist einmal von Elsterwerda über Zittau, durch Tschechien bis Wien gefahren. Rund 600 Kilometer in drei Tagen durch eine nicht gerade flache Landschaft. Alle Achtung!

Auch Gertraud Apitz möchte noch lange in die Pedale treten: „Daheime können wir noch lange genug sitzen.“ Recht hat sie!