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| 17:52 Uhr

Jubiläum
Erstmals mit Puppen aus Taiwan

„ratten in the box“ – Bridge Markland aus Berlin verwebt Gerhart Hauptmanns Texte mit Zitaten aus deutschsprachiger Popmusik.
„ratten in the box“ – Bridge Markland aus Berlin verwebt Gerhart Hauptmanns Texte mit Zitaten aus deutschsprachiger Popmusik. FOTO: LR / Karen Schultze
Bad Liebenwerda. Internationales Puppentheaterfestival im Elbe-Elster-Land feiert 20. Geburtstag mit 19 Bühnen und 65 Veranstaltungen. Der künstlerische Leiter Dr. Olaf Bernstengel verabschiedet sich. Von Frank Claus

Internationales Puppentheaterfestival – das ist längst eine echte Hausnummer im Elbe-Elster-Land. Als im Jahr 1999 das erste Festival an nur einem Wochenende, dafür aber schon mit zwölf Bühnen und 21 Veranstaltungen stattfand, zog das 1328 Besucher an. Heute kommen die Gäste längst aus der gesamten Region und teils von weiter her. Seit 2009 kletterte die Besucherzahl konstant über die 5000er-Marke. 52 Veranstaltungsorte gibt es inzwischen.

Worin liegen die Geheimnisse des stetigen Wachstums in einer Sparte, die noch immer eher eine Nische besetzt? Dr. Olaf Bernstengel, künstlerischer Leiter, namhafter Puppenspieler sowie profunder Kenner der nationalen und internationalen Szene, sieht den Erfolg in den enormen Bestrebungen des Landkreises zur Pflege des Marionettentheaters. Gerade wieder wird im Mitteldeutschen Marionettentheatermuseum in Bad Liebenwerda eine neue Ausstellung, die sich der lustigen Figur – dem Kasper – besonders widmet, vorbereitet. Doch viel wichtiger, so der Mann,  der auch in Österreich ein Festival federführend betreut, ist die besondere Atmosphäre in Elbe-Elster. „Die Künstler wollen hierher, weil es so familiär zugeht. Sie schätzen es, dass an einem Puppenspiel-freien Tag Exkursionen für sie vorbereitet werden, wenn sie am Abend Gelegenheit haben, sich in großer Runde auszutauschen, wenn auch kommunale Prominenz sie wertschätzt. Das findest du so ganz selten.“ Vor allem in der hervorragenden Organisation durch das Elbe-Elster-Kulturamt mit Andreas Pöschl an der Spitze und seinem Team sowie Ralf Uschner vom Bad Liebenwerdaer Museum machen viele Künstler das fest.

Mit einem Paukenschlag wartet das Festival in diesem Jahr auf: Mit der Ching Fei Feng Marionette Theatre Troupe kommen erstmals Puppenspieler aus Taiwan. Der Kontakt hat seinen Ursprung in Beziehungen einer Doberlug-Kirchhainer Schule nach Taiwan. Der Auftritt wurde bei einem Besuch des Leiters der Kulturabteilung der Taipeh-Vertretung in der Bundesrepublik Ende 2016 in den vier Einrichtungen des Museumsverbundes Elbe-Elster noch „als ein schöner Traum“ bezeichnet. Schon damals zeigte sich Pei-jung Lee von den Traditionen des Puppenspiels hierzulande begeistert. Und so hat er geholfen, Träume schnell wahr werden zu lassen. Mit ihrem Stück „Chinesisch Neujahr“ zeigen die vier Puppenspieler mit ihren Varieté-Marionetten Einblicke in eines der wichtigsten traditionellen Feste ihrer Republik.

Nach den Gästen aus Fernost wird ein Stammgast seine Aufwartung machen – die charmante, aber spitzfindige Ratte „Ursula von Rätin“, der Cornelia Fritzsche aus Dresden Leben einhaucht. Bei keinem Festival, „halt bei einem“, so Festivalleiter Olaf Bernstengel, darf „Laschi“ fehlen. Franz Wolfgang Lasch ist Kult. „Als er einmal fehlte, sind wir die gesamte Woche über gefragt worden, wo Laschi ist und ernteten mürrische Blicke, als wir irgendwie versuchten, sein Fernbleiben zu erklären“, so der Festivalchef.

Tag für Tag werden vom 14. bis 23. September die Puppenspieler für große Augen, offene Münder, herzhaftes Lachen, verschämte Blicke, aber auch Traurigkeit und Nachdenken sorgen. Die Welt des Puppenspiels – sie fasziniert. Wer sich einmal auf sie eingelassen hat, den nimmt sie gefangen.

Andreas Pöschl denkt schon heute in die Zukunft und sagt: „Trotz der stärkeren Fokussierung auf die Erwachsenen-Stücke in diesem Jahr konzentriert sich der Großteil der Veranstaltungen weiterhin auf die kleinen Puppentheater-Fans.“ Verjüngung gibt es in der Festivalleitung. Olaf Bernstengel gibt nach 20 Jahren an Puppenspieler Ulli Voland ab. Den Ersteren dürften beim Festival Wogen des Danks umschließen, den Neuen viele Wünsche für einen erfolgreichen Start begleiten.

Rotkäppchen - ein Märchen für Erwachsene „mit Fress-Garantie“, wie es in der Ankündigung heißt, spielt das Figurentheater Ernst Heiter.
Rotkäppchen - ein Märchen für Erwachsene „mit Fress-Garantie“, wie es in der Ankündigung heißt, spielt das Figurentheater Ernst Heiter. FOTO: LR / Kulturamt Elbe-Elster
Festivalleiter Dr. Olaf Bernstengel - hier mit belgischen Puppen - übergibt nach 20 Jahren an seinen Nachfolger Ulli Volland aus Birkwalde.
Festivalleiter Dr. Olaf Bernstengel - hier mit belgischen Puppen - übergibt nach 20 Jahren an seinen Nachfolger Ulli Volland aus Birkwalde. FOTO: LR / Frank Claus