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Straßenbau
Bauern brauchen Straße zu den Feldern

Die sanierungsbedürftige Brücke bietet breiten Gefährten geradeso Platz. Die Landwirtschaft, so Silvio Dietrich (im Bild) braucht diese Straße zwischen Gorden und Oppelhain.
Die sanierungsbedürftige Brücke bietet breiten Gefährten geradeso Platz. Die Landwirtschaft, so Silvio Dietrich (im Bild) braucht diese Straße zwischen Gorden und Oppelhain. FOTO: Manfred Feller
Staupitz. Landwirte wehren sich gegen mögliche Sperrung der Brücke und damit der Straße zwischen Gorden und Oppelhain. Von Manfred Feller

Für helle Aufregung bei den Nutzern sorgt die von der Amtsverwaltung Plessa angekündigte Sperrung der baufälligen Brücke auf der ursprünglich nur für die Landwirtschaft gedachten Ortsverbindungsstraße zwischen Gorden und Oppelhain. Ein Blick auf die Auto- und Transporterkennzeichen von F, TF, BAR bis GRH und KM verrät, dass das längst kein Schleichweg mehr zwischen den Dörfern ist. Er verbindet vielmehr die Wirtschaftsräume Doberlug-Kirchhain und Elsterwerda auf kürzestem Wege und erspart Pendlern die teure Umfahrung.

Fast schon eine Hauptschlagader ist die gut erhaltene Betonpflasterstraße für die Agrargenossenschaft in Oppelhain. Deren Äcker und Wiesen dehnen sich vom Stammsitz über rund 20 Kilometer von Staupitz bis nach Schadewitz in Richtung Bad Liebenwerda aus. „Etwa ein Drittel  unserer 1934 Hektar Nutzfläche liegt südlich der Brücke“, weiß Silvio Dietrich, Leiter Pflanzenproduktion. Dort werden unter anderem Mais, Raps und Sonnenblumen angebaut. Auch Grünland liegt da. „Vom Frühjahr bis zum Herbst, von der  Bodenbearbeitung über die Bestellung, die Düngung, den Pflanzenschutz bis zur Ernte müssen wir überall mehrmals drauf“, sagt der Landwirt. Oft sogar täglich.

Die Alternative im Falle der angedrohten Brückensperrung ist der Umweg über Sorno und Staupitz. „Das sind 13 Kilometer“, ist Petra-Sabine Büchner, Vorstandsmitglied in der Agrargenossenschaft Oppelhain, die Strecke abgefahren. „Die direkte Verbindung von Oppelhain nach Gorden ist nur etwa drei Kilometer lang“, sagt sie. Vom Technikstützpunkt in Oppelhain aus beträgt der Umweg nicht die Differenz, sondern zwölf Kilometer, ergänzt Silvio Dietrich.

Alle Fahrten zusammengerechnet kämen allein für diesen Betrieb im Jahr Tausende Mehrkilometer zusammen. Der Pflanzenbauchef schätzt einen technischen Mehraufwand von ungefähr 1500 Betriebsstunden plus die verlorene Arbeitszeit. „Das ist für uns ein herber Schlag“, blickt Petra-Sabine Büchner auf den finanziellen Mehraufwand. Und die Agrargenossenschaft ist nur einer von vielen Nutzern der Straße.

Der Umweg bedeutet auch, dass die mit Geräten bestückten oder die vollen Anhänger ziehenden Traktoren, die Häcksler und ausladenden Mähdrescher mit bis zu 40 Tonnen Gesamtgewicht verstärkt durch die Dörfer rollen würden. „Dies wird die Bewohner in den Ortschaften und die Umwelt zusätzlich belasten“, gibt Silvio Dietrich zu bedenken. „Mit der Sperrung stünden wir an der gleichen Stelle wie 1999.“

„Damals ist der Feldweg mit Fördermitteln des Landes für den landwirtschaftlichen Wegebau ertüchtigt worden“, erinnert Vorstandsfrau Petra-Sabine Büchner. Die Landwirte aus Oppelhain und Sorno, das Amt Elsterland in Schönborn und das Amt Plessa für die Gemeinde Gorden-Staupitz hätten sich seinerzeit um das Fördergeld erfolgreich bemüht. Die beiden Kommunen Oppelhain und Gorden, auf deren Gemarkung die einspurige Straßen gebaut worden ist, hatten einen Eigenanteil zu tragen. Für Oppelhain seien es wohl 130 000 Euro gewesen. Die sinnvolle Abkürzung hatte sich schnell herumgesprochen.

Die besagte massive Brücke mit den bröckelnden Betonseiten macht nicht den Eindruck, dass sie bald einbricht. Das Bauwerk steht seit vielen Jahrzehnten. Doch der Gutachter hat gesprochen.

Die Vorstandsfrau bezweifelt, dass unbedingt eine neue Brücke errichtet werden muss. „Der Floßgraben hat seit mindestens zehn Jahren kein Wasser mehr geführt. Dort reichen ein neuer Durchlass und der Straßenaufbau obendrauf“, meint sie. „Das ist auch kostengünstiger.“

Nach der noch für dieses Jahr avisierten Sperrung sollte es schnell gehen. „Zwischen Anfang November und Ende März wird die Straße von uns nur wenig genutzt“, sagt Silvio Dietrich. Dies wäre die beste Bauzeit. Die betroffenen Kommunen sollten nicht allein gelassen werden, heißt es. Der Landkreis hatte angekündigt, seine Möglichkeiten zu prüfen. Nicht nur die 35 Beschäftigten der Genossenschaft hoffen auf ein positives Signal woher auch immer.

Die schmale Verbindungsstraße zwischen Gorden und Oppelhain bieten landwirtschaftlichen und anderen Fahrzeugen nicht überall so viel Platz zum Vorbeifahren wie hier. Abschnittsweise haben die Randstreifen bereits sehr gelitten. Die Kommunen haben nicht das Geld, um dem regionalen Verkehr beste Bedingungen zu schaffen.
Die schmale Verbindungsstraße zwischen Gorden und Oppelhain bieten landwirtschaftlichen und anderen Fahrzeugen nicht überall so viel Platz zum Vorbeifahren wie hier. Abschnittsweise haben die Randstreifen bereits sehr gelitten. Die Kommunen haben nicht das Geld, um dem regionalen Verkehr beste Bedingungen zu schaffen. FOTO: Manfred Feller / Medienhaus Lausitzer Rundschau
Gefährlich: Die durch Kollisionen verbogene Schutzplanke auf der Brücke gibt bereits den Abgrund frei.
Gefährlich: Die durch Kollisionen verbogene Schutzplanke auf der Brücke gibt bereits den Abgrund frei. FOTO: Manfred Feller / Medienhaus Lausitzer Rundschau