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Elektromobilität
Post rollt fast lautlos durch Elbe-Elster

Die neuen Fahrzeuge der Deutschen Post DHL Group sehen anders aus als die bisherigen Gefährte. In Reih und Glied stehen die Elektrotransporter auf dem Betriebshof in Elsterwerda.
Die neuen Fahrzeuge der Deutschen Post DHL Group sehen anders aus als die bisherigen Gefährte. In Reih und Glied stehen die Elektrotransporter auf dem Betriebshof in Elsterwerda. FOTO: Frank Claus / LR
Elbe-Elster. Seit einigen Tagen werden Briefe und Pakete mit den ersten Elektrotransportern befördert. Zusteller sind zufrieden. Von Manfred Feller

Sven Scheibe aus Elsterwerda gehört zu den ersten Zustellern der Deutschen Post DHL Group im Landkreis Elbe-Elster, die die Pakete und Briefe mit einem Elektroauto zu den Adressaten fahren. Fast lautlos stellt der 36-Jährige die Post zu. Nur das dezente Abrollgeräusch der Reifen auf dem Asphalt dringt ins Ohr. „Man hört Sie ja gar nicht mehr“, bekommt der Mann immer wieder gesagt.

Und das ist erst der Anfang. Die Deutsche Post DHL will Schritt für Schritt Zehntausende ihrer herkömmlichen gelben Dieseltransporter in Deutschland und darüber hinaus durch umweltfreundlichere Gefährte ersetzen. Unter den 32 Fahrzeugen am Zustellstützpunkt Elsterwerda sind bereits zehn neue mit Batterien als Speicher für die Antriebsenergie. Weitere Elektroautos rollen derzeit von Schwarzheide (19) aus, von Neupetershain (4), Cottbus (8) und Burg im Spreewald (4), zählt Tina Birke, Pressesprecherin Brandenburg und Sachsen der Deutschen Post DHL Group, auf.

„Mit mehr als 50 Kilometern habe ich die weiteste Strecke im Zustellbezirk“, so Sven Scheibe. Damit fährt er den StreetScooter, wie die posteigene Entwicklung heißt, nicht an seine Kapazitätsgrenze. Die Reichweite der kleinen und der größeren Version mit 710 beziehungsweise 1000 Kilogramm Zuladung betrage bis zu 80 Kilometer. Am Ende des Arbeitstages bleibe den Elektro-Zustellern trotz dieses nicht gerade hohen, für diesen Zweck jedoch ausreichenden Wertes genügend Energiereserve. „Auch im Winter“, verweist Pressesprecherin Tina Birke auf Praxiserfahrungen des 2014 erstmals eingesetzten Transporters. Das Aufladen der Batterien dauert bis zu sieben, bei der größeren Version mit 45 kW elektrischer Motorleistung bis zu zehn Stunden. Dafür  wird die zustellfreie Nacht genutzt.

Von Elsterwerda aus werden täglich bis zu 1000 Pakete und 4000 Briefe in das Umland mit den Ämtern Plessa und Röderland sowie der Gemeinde Röderland zugestellt.

Die Umstellung vom Hand geschalteten Diesel auf den schaltungsfreien Stromer erfolgte nach Einweisung von einem Tag auf den anderen. „Problemlos“, wie Sven Scheibe versichert. Das Arbeitsfahrzeug ist zweckdienlich aufgebaut und mit dem absolut Notwendigsten ausgestattet: große seitliche Schiebetüren plus weit nach oben öffnender Heckklappe, ein  rutschfester Boden in dem 4,3 beziehungsweise in der L-Version acht Kubikmeter fassenden Laderaum mit LED-Beleuchtung sowie einer Rückfahrkamera und Bordcomputer, der Batterieladezustand und aktuelle Reichweite anzeigt.

Bei bis zu 300 Ein- und Ausstiegen je Zustellschicht wurde auf die Klimaanlage, aber nicht auf die Heizung verzichtet. Die Innenraummaterialien sind pflegeleicht. Das heißt: Es ist reichlich Hartplastik verbaut und damit weit entfernt von der Wohnzimmeratmosphäre normaler Autos. Das erleichtert allerdings auch die Innenraumreinigung nach einem Arbeitstag auf nicht überall befestigten Straßen.

Nach Angaben des Postunternehmens haben die Mitarbeiter in der Entwicklungsphase des Elektrotransporters vor ein paar Jahren mitgewirkt. Sie konnten ihre Wünsche für ein zweckmäßiges Gefährt äußern. Herausgekommen ist das, was heute auf der Straße steht. Die Eigenentwicklung der Posttochter StreetScooter GmbH in Zusammenarbeit mit der Technischen Hochschule Aachen (weil die etablierten Anbieter das Wunschauto so schnell nicht entwickeln und bauen konnten) lief Anfang 2014 in Vorserie vom Band. Heute rollen bereits 3800 StreetScooter für das große Logistikunternehmen auf den Straßen. Mit dem zweiten Werk in Düren soll die jährliche Produktionskapazität alsbald auf nicht weniger als 20 000 Fahrzeuge anwachsen. Nach und nach werden so auch die postgelben Dieseltransporter in Elbe-Elster durch die Elektroautos ersetzt.

Doch damit nicht genug. Um die Fahrzeuge auch für andere Branchen interessant zu machen, wird an der Reichweite der je nach Leistung bis zu 80 oder 120 Kilometer pro Stunde schnellen Gefährte gearbeitet. Bis zu 200 Kilometer Reichweite sollen bald möglich sein. Dazu gibt es individuelle Aufbauten. Gespräche oder bereits Geschäftsbeziehungen gebe es inzwischen mit Energieversorgern, Entsorgungsunternehmen, Kommunen und Flughafenbetreibern. Mit Bäckereiunternehmen sei inzwischen ein 3,5-Tonner entwickelt worden.

Und es geht noch weiter. In den nächsten zwei Jahren will die deutsche Post nach eigenen Angaben ein paar Hundert Fahrzeuge des Typs StreetScooter in der längeren 5,78-Meter-Version mit einem Brennstoffzellenantrieb testen. 500 Kilometer Reichweite werden angestrebt. Auch wenn Pressesprecherin Tina Birke sagt: „Wir sehen uns nicht als Konkurrenten“, müssen die etablierten Konzerne ein Stück vom Kuchen abgeben. Bei den heutigen Fahrzeugpreisen ab 42 950 Euro (abzüglich der 4000 Euro Umweltbonus) kommt eine stattliche Summe zusammen, die nicht eingenommen werden kann. Das erhöht den Entwicklungsdruck.

Anstelle des Beifahrersitzes ist ein Regal für die Briefbehälter eingebaut.
Anstelle des Beifahrersitzes ist ein Regal für die Briefbehälter eingebaut. FOTO: Manfred Feller / LR
Postzusteller Sven Scheibe mit dem StreetScooter in Hirschfeld. Große Schiebetüren und die Heckklappe erleichtern den Zugriff auf die Pakete.
Postzusteller Sven Scheibe mit dem StreetScooter in Hirschfeld. Große Schiebetüren und die Heckklappe erleichtern den Zugriff auf die Pakete. FOTO: Manfred Feller / LR