Inzwischen engagiert sich Elke Lentzsch allein schon seit fünf Jahren im Beirat des von der RUNDSCHAU 1996 ins Leben gerufenen Vereins „Wir helfen!“ . Vor ihrer Tätigkeit im Sekretariat des Bürgermeisters war sie zehn Jahre lang im Sozialamt in Wahrenbrück tätig. In dieser Zeit kam sie mit vielen schwierigen „Sozialfällen“ in Berührung. Elke Lentzsch sah hinter den „Fällen“ die Menschen und begann sich über ihre „normale“ berufliche Alltagsverantwortung hinaus um diese „Leute, die immer nur Pech hatten“ , wie sie selbst sagt, zu kümmern. Für den Verein „Wir helfen!“ ist sie zu einer unabkömmlichen „Schaltstelle“ geworden. Sie pflegt die Kontakte zu den Anwohnern und diese wiederum kennen und schätzen sie.
So betreut sie auch im speziellen ehrenamtlich zwei Personen, für die sie angefangen von den amtlichen Anträgen bis hin zur Gesundheitsfürsorge alles regelt. Für eine junge Frau ist sie, gerichtlich beauftragt, bereits seit 13 Jahren als Betreuerin verantwortlich. Es sei wichtig, mit den Menschen auf einer Augenhöhe zu sein und nicht herablassend auf sie zu schauen, bemerkt sie. Diese Einstellung hat Elke Lentzsch aus ihrem Elternhaus herausgetragen. Ihre Mutter arbeitete als Postzustellerin und ihr Vater war Arbeiter in der Brikettfabrik in Wildgrube. Insbesondere ihre Mutter hatte viel Einblick in das nicht immer glücklich verlaufende Leben der Menschen. „Meine Mutter hat immer gesagt, es stehe mir nicht zu, über solche Menschen zu urteilen“ , sagt Elke Lentzsch. Ihre eigene Mutter duldete es nie, wenn sie als Kind die Nase über den „ungepflegten“ Klassenkameraden rümpfte. Diese Erziehung hat bei ihr bis heute Spuren hinterlassen. Besonders ans Herz gehen ihr heute deshalb die Kinder.
Ihre eigenen Söhne sind inzwischen schon groß, 22 und 17 Jahre alt. Dabei kann sie sich noch ganz genau erinnern, wie furchtbar sie es fand, ihren Jüngsten mit einem Jahr in die Krippe zu geben. Seit ihrer Trennung vor acht Jahren lebt sie mit den beiden Jungs in einem Haus in einer Drei-Zimmer-Wohnung direkt über ihren Eltern. „Das ist auch nicht immer einfach“ , seufzt sie. Und trotzdem kann und will sie nicht aufhören, für andere da zu sein.
Auf die Frage, wie sie alles unter einen Hut bekommt, ihre Muterrolle, ihren Beruf und ihre ehrenamtliche Arbeit, anwortet sie: „Ich habe keinen strikten Tagesplan. Ich bin jemand, der spontan handelt. Wenn ich sehe, dass Unrecht geschieht, dann muss ich etwas tun“ . Allein Mutter zu sein, würde sie nicht ausfüllen, sagt Elke Lentzsch, doch der Beruf allein ebenso wenig. Davor, dass andere sie ausnutzen könnten, habe sie keine Angst. „Das merkt man den Menschen an und dann mache ich auch dicht“ , versichert sie. Von denen aber, die ihres Engagements tatsächlich bedürfen, erwartet sie dagegen nicht einmal Dankbarkeit. Das sei ihr nicht wichtig. „Ich stelle mir dann immer vor, wie es wäre, wenn ich selbst Hilfe bräuchte“ , fügt sie an.
Menschen sind für Elke Lentzsch wie Glieder einer Kette. „Wir Menschen können nicht ohne einander“ , sagt sie. Und: „Eine nette Geste, ein Lächeln, ein wenig Zuwendung kostet doch nichts“ .