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| 02:39 Uhr

Polizei stoppt Alkoholsünder

Die Polizei hat im Vorjahr im Elbe-Elster-Landkreis 116 Verkehrsteilnehmer unter Alkoholeinfluss ertappt. Die Tendenz ist sinkend.
Die Polizei hat im Vorjahr im Elbe-Elster-Landkreis 116 Verkehrsteilnehmer unter Alkoholeinfluss ertappt. Die Tendenz ist sinkend. FOTO: Rasche/str1
Bad Liebenwerda. Die Strafe für zwei Alkoholsünder im Straßenverkehr folgt fast auf dem Fuße. In beschleunigten Verfahren vor dem Amtsgericht Bad Liebenwerda haben sich zwei Männer verantworten müssen, die dem beliebten flüssigen Rauschmittel ordentlich zugesprochen und sich dann noch in das Auto beziehungsweise auf das Fahrrad gesetzt haben. Manfred Feller

Bert Biermann (Name geändert) muss sich einen Tag vor Heiligabend des vorigen Jahres jeglichen Verstand mit Alkohol herunterspült haben. Betrunken setzt er sich am frühen Nachmittag des 23. Dezember an das Steuer seines Wagens. Kaum auf der Straße, geht bei der Polizei der erste Notruf ein. Eine Zeugin beschreibt die unsichere Fahrt. Das Auto schwenkt mal in den Gegenverkehr hinüber und dann auf der anderen Seite fast in den Straßengraben. Hinter dem offensichtlich nicht allzu schnell fahrenden Kamikazefahrer reiht sich Fahrzeug an Fahrzeug. Keiner traut sich zu überholen.

In der Berliner Straße in Herzberg biegt der 33-Jährige aus Lauchhammer auf den Parkplatz eines Einkaufsmarktes ab. Dort stellt ihn die alarmierte Polizei um 15.12 Uhr. Schwankend steht er vor den Beamten, heißt es später im Protokoll. Nur unter "koordinativen Schwierigkeiten" holt er seine Dokumente hervor. Im Gegenzug zeige er "erstaunlich klare Gedankengänge". Der Atemalkoholtest ergibt schließlich einen Wert von 1,94 Promille.

Die folgende Untersuchung durch einen Arzt zeigt Erstaunliches. Der Mann führt teilweise sichere Bewegungen aus. Daraus schlussfolgert Staatsanwalt Dirk Heumüller, dass Bert Biermann generell ein Alkoholproblem hat. Der Angeklagte antwortet darauf nicht direkt. Er habe keine Erinnerung an die Ereignisse, erwähnt aber, dass er jetzt eine zwölfwöchige stationäre Therapie in Bad Liebenwerda begonnen habe und dann zurück in das Arbeitsleben möchte. Dies habe er mit seinem Arbeitgeber abgestimmt. Der gelernte Zimmermann ist künstlerisch tätig.

Staatsanwalt Dirk Heumüller sieht seine Anklage, das vorsätzliche Führen eines Kraftfahrzeuges unter Alkoholeinfluss, bestätigt. Dafür könnte es bis zu einem Jahr Haft geben. Da Bert Biermann bislang weder straf- noch verkehrsrechtlich aufgefallen sei sowie unter Berücksichtigung weiterer mildernder Umstände hält er in seinem Plädoyer eine am niedrigen Nettoverdienst von etwa 1100 Euro angelehnte Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu je 36 Euro für angemessen. Zusätzlich dürfe ihm für weitere zwölf Monate keine Fahrerlaubnis erteilt werden.

Nach Ansicht von Rechtsanwalt Frank Hübner hat sein Mandant fahrlässig, nicht vorsätzlich gehandelt. Er sei nicht ständig betrunken und stehe im Arbeitsleben. 30 Tagessätze zu je 36 Euro und weitere sechs Monate Führerscheinsperre seien ausreichend.

Das sieht Strafrichter Egon Schaeuble anders. Er hält am Vorsatz der Trunkenheit fest und urteilt so, wie es der Staatsanwalt gefordert hat.

Glimpflicher kommt Wolfgang Wollmann (48/Name geändert) davon. Nach einer Feier auf einem Sportplatz am 9. Dezember radelt er in Finsterwalde, Kirchhainer Straße, die 500 Meter nach Hause. Der Schlangenlinienfahrer fällt der Polizei auf. Er pustet 1,93 Promille. Radfahrer gelten ab 1,6 Promille als fahruntüchtig.

Vor Gericht bedauert der bislang unbescholtene ALG II-Empfänger mit Zuverdienst seine Tat: "Es war eine Dummheit gewesen." Wenn er die aufgebrummte Geldstrafe von 300 Euro bezahlt, wird das Verfahren eingestellt und er als Ersttäter gilt als nicht vorbestraft. "Das will ich vom Tisch haben. Ich zahle sofort", zeigt er sich glaubwürdig reumütig.

In Elbe-Elster fischte die Polizei 2015/16 163 bzw. 116 Alkoholfahrer von der Straße. 51 bzw. 31 standen unter Drogeneinfluss. Gesunken ist auch die Anzahl der Verkehrsunfälle unter Alkohol - von 51 auf 42, bei Drogen jedoch angestiegen von zwei auf drei.