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| 17:49 Uhr

Landwirte vermuten Wolf
Schon sechs Kälber bei Plessa gefressen

 Geschäftsführer Hans-Jürgen Richter ist fassungslos. Dies ist binnen weniger Wochen das sechste Kalb, das wahrscheinlich von einem Wolf gerissen worden ist. Tatort war erneut eine Koppel zwischen Plessa und dem Schradenland. Während die eine Hälfte des Tieres nur ausgeweidet wurde, lag die andere Hälfte abgenagt etwa 100 Meter weiter. Die Plane schützt den Kadaver, bis der Wolfsbeauftragte eintrifft, den Fall dokumentiert und eine DNA-Probe nimmt.
Geschäftsführer Hans-Jürgen Richter ist fassungslos. Dies ist binnen weniger Wochen das sechste Kalb, das wahrscheinlich von einem Wolf gerissen worden ist. Tatort war erneut eine Koppel zwischen Plessa und dem Schradenland. Während die eine Hälfte des Tieres nur ausgeweidet wurde, lag die andere Hälfte abgenagt etwa 100 Meter weiter. Die Plane schützt den Kadaver, bis der Wolfsbeauftragte eintrifft, den Fall dokumentiert und eine DNA-Probe nimmt. FOTO: LR / Manfred Feller
Plessa. Große Angst und großer Schaden: In Plessa soll ein Wolf immer wieder Kälber gerissen haben. Die Verantwortlichen des Landwirtschaftsbetriebes wollen ihre Tiere nun besonders schützen. Von Manfred Feller

Eine noch nie dagewesene Serie von Kalbstötungen bringt  Landwirte in Plessa um den Schlaf. Der tägliche Gang auf die Weiden ist stets mit der Ungewissheit verbunden, ob der Wolf erneut zugebissen und gefressen hat. Auch wenn die Ergebnisse der bisher genommenen DNA-Proben durch den herbeigerufenen Wolfsbeauftragten des Landes noch ausstehen, steht für die Viehhalter so gut wie fest, dass es nur dieses eine Raubtier gewesen sein kann. Nachweislich sind zwischen dem 9. Mai und dem 13. Juni nicht weniger als sechs Kälber totgebissen worden.

Wölfe erstmals vor zwei Jahren gesichtet

 Die Plessaer Landwirte haben jeden Fall eines getöteten Kalbes dokumentiert. Manchmal bleiben nur Knochenreste und Fleischfetzen zurück.
Die Plessaer Landwirte haben jeden Fall eines getöteten Kalbes dokumentiert. Manchmal bleiben nur Knochenreste und Fleischfetzen zurück. FOTO: LR / Manfred Feller

„Vor etwa zwei Jahren habe ich zum ersten Mal zwei Wölfe unweit der Elster in Richtung Schraden gesehen. Aber passiert ist damals unseren Rindern nichts“, erinnert sich Hans-Jürgen Richter, einer der beiden Geschäftsführer der Agrar GmbH „Elstertal“ Plessa. Die weidenden Mutterkühe und deren Kälber gehören zu dem 100-prozentigen Tochterunternehmen Plessaer Zucht- und Mastrind GmbH.

In diesem Jahr habe ein mutmaßlicher Wolf zum ersten Mal überhaupt bei den Tierzüchtern in Plessa zugeschlagen. Die Mutterkuhhaltung draußen auf der Weide betreiben sie seit 25 Jahren zwischen April und dem ersten Schnee. „An dieser artgerechten Haltung möchten wir auch nichts ändern“, sagt Hans-Jürgen Richter. Dazu gehöre ebenfalls, dass die Bullen zum Decken auf die Weide dürfen. Die ersten Kälber werden im Jahr darauf ab Mitte April geboren. Dann geht es Schlag auf Schlag über viele Wochen.

 Wenige Tage junge Kälber, die etwas abseits der Herde ruhen, scheinen die ideale Beute für den Wolf zu sein.
Wenige Tage junge Kälber, die etwas abseits der Herde ruhen, scheinen die ideale Beute für den Wolf zu sein. FOTO: LR / Manfred Feller

Wolf schnappt sich nur wenige Tage alte Kälber

Die Plessaer haben festgestellt, dass es das Raubtier auf die nur wenige Tage jungen und noch nicht so kräftigen Kälber abgesehen hat. Erstmals sei den Tierwirten am 9. Mai aufgefallen, dass die eine Herde unruhig war. Dann war es gewiss: Ein Kalb fehlte. „Dessen Reste sind etwa einen Kilometer entfernt von einem Jäger gefunden worden“, erzählt der Geschäftsführer.

Der Zucht- und Mastrindbetrieb hat etwa 300 Hektar vornehmlich Weiden und Wiesen. Darauf befinden sich drei Koppeln: in der Plessaer Flur in Richtung Lauchhammer sowie hinter der Schwarzen Elster mit Blick auf den Schraden. Aufgeteilt weiden darauf 150 Mutterkühe und derzeit etwa 100 Kälber.

Kalb 2: Am 29. Mai werden auf einer Weide Richtung Lauchhammer Schleif- und Blutspuren, Knochenreste und Hautfetzen entdeckt.

Kalb 3: Nur zwei Tage später wird ebenfalls dort ein Tier gefressen. Nur ein Schulterblatt sei zurückgeblieben.

 Der abgenagte Rest eines Kalbes mit den Hinterläufen und dem Schwanz.
Der abgenagte Rest eines Kalbes mit den Hinterläufen und dem Schwanz. FOTO: LR / Manfred Feller

Kalb 4: Am 7. Juni liegt ein ausgeweidetes Kalb unmittelbar am Elsterradweg.

Kalb 5: Nicht weit davon entfernt wird zwei Tage danach auf dem Elsterradweg ein Bein gefunden.

Kalb 6: Erneut in jener Gegend schlägt ein Fleischräuber in der Nacht zum 13. Juni zu. Die nicht aufgefressenen Reste werden abgedeckt, damit sich der Wolfsbeauftragte ein Bild machen kann.

Im Weidetagebuch werde der Tierbestand kontinuierlich eingetragen, sodass Zugänge durch Geburten, aber auch Verluste sofort auffallen.

Spezielle Koppel soll Schutz vor dem Wolf liefern

Die Führungsmannschaft des nur etwa 40 Mitarbeiter zählenden Landwirtschaftsbetriebes ist jetzt gefragt. „Wir wollen einfach nur in Ruhe unsere Arbeit machen“, sagt Hans-Jürgen Richter. „Doch jetzt müssen wir uns vor dem Wolf schützen. So schnell können wir gar nicht reagieren.“ Es wird überlegt, eine besonders gesicherte Abkalbekoppel anzulegen. Aber das sei dieses Jahr nicht mehr zu leisten. „Andere Kollegen lassen im Stall kalben und warten, bis die Kälber 14 Tage bis drei Wochen alt sind, um sie dann erst auf die Weide zu lassen“, erwähnt der Geschäftsführer. Doch diesen Extrastall habe die Agrar GmbH nicht.

DNA-Test soll Wolf als Übeltäter überführen

Jedes verlorene Jungtier, das eine Mutterkuh oder ein Mastbulle hätte werden können, schlage in der Endbilanz mit einem finanziellen Verlust von jeweils rund 1200 Euro zu Buche. Vor dem Antrag auf Schadenersatz müsse klar sein, dass es der Wolf war. Das DNA-Ergebnis, so Hans-Jürgen Richter, werde stets erst nach etwa drei Monaten erwartet. So sei es angekündigt worden. Unklar sei hingegen die zu erwartende Höhe der Entschädigung.

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 Ältere Kälber hat das Raubtier noch nicht angegriffen. Den besten Schutz haben die Jungtiere inmitten der Mutterkühe, die sich zu wehren wissen.
Ältere Kälber hat das Raubtier noch nicht angegriffen. Den besten Schutz haben die Jungtiere inmitten der Mutterkühe, die sich zu wehren wissen. FOTO: LR / Manfred Feller