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| 17:39 Uhr

Gemeindevertreter haben entschieden
Plessa begräbt Tempo 30 für Wohngebiet

 Die Gartenstraße in Plessa, nördlich der Grundschule, liegt mitten in einem großen Wohngebiet mit vielen Kindern. Nicht immer sieht es dort so verkehrsarm wie auf diesem Foto zur Abendstunde aus.
Die Gartenstraße in Plessa, nördlich der Grundschule, liegt mitten in einem großen Wohngebiet mit vielen Kindern. Nicht immer sieht es dort so verkehrsarm wie auf diesem Foto zur Abendstunde aus. FOTO: LR / Manfred Feller
Plessa. Die Bewohner im Nordosten von Plessa führen ebenso das Für und Wider hinsichtlich einer Geschwindigkeitsbegrenzung ins Feld wie die Abgeordneten. Von Manfred Feller

Obwohl die letzte Sitzung der aktuellen Plessaer Gemeindevertretung Mitte April gut besucht war, hat sich eines noch nicht überall herumgesprochen: Die von vielen, aber nicht allen Einwohnern gewünschte große Tempo-30-Zone in dem Siedlungsgebiet zwischen der Bahnhof- und der Waldstraße nördlich der Ortsdurchfahrt B 169 ist beerdigt worden. Dort befinden sich unter anderem Kindertagesstätte, Grundschule, Amtsverwaltung und Sparkasse.

Anwohner können selbst Antrag stellen

Weil die Abgeordneten mehrheitlich gegen die flächige Geschwindigkeitsreduzierung sind, ist dieser Fall für die Amtsverwaltung erledigt. Sie muss keine weiteren Schritte in Richtung des Straßenverkehrsamtes des Landkreises Elbe-Elster einleiten. Wenn Anlieger damit nicht einverstanden sind, so Amtsdirektor Göran Schrey, dürfen sie selbst für ihre Straße zur Tat schreiten und einen entsprechenden Antrag an die Behörde in Bad Liebenwerda stellen.

Genau das können sich Anja (41) und Karsten Gärtner (46) aus der durch grüne Halbinseln „verschwenkten“ und damit eigentlich beruhigten Breite Straße vorstellen. Natürlich in Absprache mit ähnlich besorgten Nachbarn.

 Auch die zum Rasen einladende Bahnhofstraße in Plessa erhält kein Tempo 30. Nicht jeder möchte die Geschwindigkeitsreduzierung.
Auch die zum Rasen einladende Bahnhofstraße in Plessa erhält kein Tempo 30. Nicht jeder möchte die Geschwindigkeitsreduzierung. FOTO: LR / Manfred Feller

Dann rast einer vorbei

Kurz vor diesem Gespräch am Hoftor rast ein hörbar PS-starkes Auto viel zu schnell vorbei. Den Fahrer scheint die gleichrangige Kreuzung mit der Turmstraße nicht zu interessieren. Wäre dort ein vorfahrtsberechtigter Verkehrsteilnehmer aufgetaucht, es hätte mörderisch gekracht. „Wir wohnen seit dem Jahr 2002 wieder hier und wundern uns, dass es auf dieser Kreuzung bisher nur einmal einen Unfall gegeben hat“, bemerkt Karsten Gärtner, der selbst Familienvater ist. „Manche fahren hier, ohne zu gucken.“ Wohngebiete wie jenes in Plessa sollten seiner Ansicht nach generell mit Tempo 30 ausgeschildert sein.

Vorsicht an der Grundstücksausfahrt

Die schnurgerade, ein wenig holprige Bahnhofstraße lädt geradezu zum Rasen ein. Das Problem nicht nur dort: Zwischen Fahrbahn und Grundstücksausfahrten liegt nur der Gehweg mit Grünstreifen. Beim Hinausfahren ist größte Vorsicht geboten. Rentner Gerhard Heinrich, der dort wohnt, appelliert dennoch lieber an die Vernunft der Kraftfahrer. „Wenn sich wenigstens alle an die 50 km/h halten würden, dann wäre schon viel erreicht“, sagt der ehemalige Straßenbauer. Er stellt fest, dass Schnellfahrer die Ausnahme sind. „Leider erwischt man die bei den wenigen Kontrollen nie“, bedauert der 70-Jährige. Aus seiner Sicht wichtiger wäre, die Ortsdurchfahrt B 169 mit den vielen Ein- und Ausfahrten durch Tempo 30 zu beruhigen – und das nicht nur, wie vorgesehen, für Lastkraftwagen.

Zwei Bewohner aus der gut befahrenen Waldstraße sind sich zwar hinsichtlich eines langsameres Fahrzeugverkehrs in ihrer Gegend nicht einig, dafür aber was die unübersichtliche Bundesstraßenkreuzung mit drei ankommenden Nebenstraßen zwischen Amtsverwaltung und Kulturhaus angeht. Gefährliche Situationen durch abbiegende Fahrzeuge könne man dort täglich viele beobachten. „Da wäre eine Ampel sinnvoll“, sagt einer.

Keine Einigkeit in der Gemeindevertretung

Doch darum ging es in der letzten Sitzung der „alten“ Gemeindevertreter nicht. Dabei war jedoch unter anderem ins Feld geführt worden, dass Tempo 30 in anderen Plessaer Straßen ohne Gehweg angebrachter wäre, als in dem avisierten Wohngebiet östlich der Bahnhofstraße. Überall würden sich Schulkinder bewegen.

Die Gegner der Geschwindigkeitsreduzierung appellieren lieber an die Vernunft der Kraftfahrer und argumentieren, dass wir uns durch weitere Beschränkungen immer mehr geißeln.

Für die Amtsverwaltung hätte ein Beschluss pro Tempo 30 im Wohngebiet Bahnhof- bis Waldstraße auch den Vorteil gehabt, dass betagte Verkehrsschilder nicht mehr hätten durch neue, nicht gerade billige ersetzt werden müssen.