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| 20:15 Uhr

Elsterwerda: Wenn das Personal fehlt
Bald Pflegekräfte aus China?

Elsterwerda. In der Pflege fehlen Fachkräfte – auch in der Stadt Elsterwerda, im Amt Plessa und in der Gemeinde Röderland. Alle drei bilden einen Pflegekreis und wollen neue Wege gehen. Von Frank Claus

Können Pflegefachkräfte aus China die sich abzeichnenden Personalengpässe in der Pflege – auch in Elbe-Elster – lindern? Noch kann Jörg Passin, Chef des privaten Elbe-Elster Pflegedienstes, keine Antwort darauf geben. „Aber die Vorstellung des Projektes klingt vielversprechend“, sagt der Mann, der mit 28 Mitarbeitern einen ambulanten Pflegedienst in Elsterwerda und mit zehn weiteren eine Tagespflege in Gröden betreibt.

Das Projekt hat auf Initiative des Berufsverbandes mittelständische Wirtschaft im jüngsten Pflegekreis –   dazu gehören private Pflegedienstunternehmen und die kommunalen Spitzen der Stadt Elsterwerda, des Amtes Plessa und der Gemeinde Röderland – Astrid Vonhoff vorgestellt. Sie ist Geschäftsführerin der Unternehmensberatung für das Gesundheitswesen und hat nach eigenen Angaben in den zurückliegenden Jahren 350 Mitarbeiter im Gesundheits- und Pflegebereich, zumeist aus China, Vietnam und Moldawien, nach Deutschland vermittelt.

Die ausländischen Fachleute seien sehr gut ausgebildet und würden in ihren Herkunftsländern unter anderem in internationalen Gesundheits-Trainingszentren, an Universitäten und an Colleges für ihren künftigen Beruf vorbereitet. Nach Deutschland, so die Expertin, würden Fachkräfte vermittelt, die dazu über Sprachkenntnisse auf B2-Niveau verfügen. Das bedeute, dass sie sich „relativ flüssig unterhalten“ können. Astrid Vonhoff unterrichtet demnach seit mehr als zehn Jahren an chinesischen Universitäten Krankenpflege, besitze einen engen Kontakt zu den Studierenden beziehungsweise Auszubildenden und führe auch die Bewerbungs- und Auswahlgespräche. Zudem kümmere sie sich um das gesamte Prozedere – von der Beschaffung der Arbeitserlaubnis, bis zur Visa-Erteilung, der Erlangung des deutschen Krankenpflegeexamens und um alle nötigen Modalitäten zum Einsatz in der neuen Firma und der Unterbringung in Deutschland.

Jörg Passin hält dieses Modell für sehr interessant, aus mehrerlei Gründen: Die Fachkraft würde mindestens fünf Jahre zur Verfügung stehen und das Visa sei auch ortsbezogen, was sicherstelle, dass keine Abwanderung in Großstädte stattfinden könne. Pro vermittelter Pflegekraft seien vermutlich um die 10 000 Euro zu kalkulieren. „Wenn ich ausbilde, vorausgesetzt ich bekomme Bewerber, zahle ich auch nicht weniger“, sagt Jörg Passin und sieht den Vorteil, sofort ausgebildete Fachkräfte zu haben.

Astrid Vonhoff glaubt, dass „Deutschland ohne ausländische Fachkräfte den Personalmangel im Pflege- und Gesundheitssektor nicht mehr beheben kann“. „Wer weiß, wie viele Leute aus der Pflege noch in die Krankenhäuser abwandern, wenn das Pflegestärkungsgesetz des neuen Gesundheitsministers ab Januar nächsten Jahres erst einmal greift“, sagt sie gegenüber der RUNDSCHAU. Das Gesetz sieht eine Mindestpersonalstärke in bestimmten Bereichen in Kliniken vor. Vermutlich werden die fehlenden Mitarbeiter aus der Pflege abgeworben. Das Problem sieht Jörg Passin hier noch nicht, dafür aber ein anderes: „Es ist schlimm, wenn Pflege-Kontrollorgane inzwischen das Fachpersonal von Pflegedienstleistern abwerben und die so noch schwächen.“

Den von Elsterwerdas Bürgermeisterin Anja Heinrich initiierten Pflegekreis findet er gut. Ob ausländische Fachkräfte für Elsterwerda, Plessa und Röderland angeworben werden sollen, das werde entschieden, „wenn wir uns Unternehmen angeschaut haben, in denen sie schon zum Einsatz kommen und wir die dortigen Erfahrungen gehört haben.“