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| 19:31 Uhr

Auf Zeitreise bei Mühlenfesten
Sie denken, die Holzwürmer tanzen Polka

 Mühlentag in Wahrenbrück. Die Mühle ist etwa 800 Jahre alt; Ersterwähnung war im Jahr 1248. Als Mahl- und Schrotmühle war sie noch bis 1979 in Betrieb. Für den privaten Gebrauch noch bis 1998. Letzter Müller war Heinz Ludwig, Tochter Marleen Mirbach (vorn links) führt heute noch durch die Mühle. LR-Tipp: Unbedingt mal buchen!
Mühlentag in Wahrenbrück. Die Mühle ist etwa 800 Jahre alt; Ersterwähnung war im Jahr 1248. Als Mahl- und Schrotmühle war sie noch bis 1979 in Betrieb. Für den privaten Gebrauch noch bis 1998. Letzter Müller war Heinz Ludwig, Tochter Marleen Mirbach (vorn links) führt heute noch durch die Mühle. LR-Tipp: Unbedingt mal buchen! FOTO: LR / Frank Claus
Wahrenbrück/Altbelgern/Schönewalde. Deutscher Mühlentag gut besucht: Ein Abstecher nach Wahrenbrück, Altbelgern und nach Schönewalde. Von Frank Claus

Eine Führung in der Mühle in Wahrenbrück, das ist beileibe nicht nur Wissensvermittlung. Wenn Marleen Mirbach, die Tochter des letzten Müllers Heinz Ludwig, ins Erzählen kommt, ist es, als würde das Rad gut 60 Jahre zurückgedreht. Sie ist in der Mühle groß geworden, hat ihrem Vater nicht nur zugesehen, sondern später auch selbst mit Hand angelegt. Und das mal so und mal so. „Gucken Sie mal da oben, die zwei Haken im Balken. Da hatte Vater meine Babyschaukel dran gehangen und wer immer mal Zeit hatte, schubste mich an. So war ich eben dabei.“

Das alte Holz einer Mühle flößt immer Ehrfurcht ein. Wenn man das in Wahrenbrück aber sieht, besonders. „Sie denken, die Holzwürmer tanzen Polka, wenn Sie den bröselig gewordenen Mantel der Balken sehen? Schauen Sie mal in die Einkerbung da hinten. Das Holz ist kernig“, erzählt sie und berichtet, dass Mühlenholz lange gewässert und gelagert wurde, bevor es verbaut wurde. „Und von Mühlenexplosionen haben Sie auch noch nichts gehört?“ Der feine Staub, so Marleen Mirbach, konnte genauso gefährlich werden wie Kohlenstaub. Deshalb sei die Mühle an jedem Freitag von unterm Dach bis aufs Erdgeschoss gründlichst gefegt worden. Und weil das natürlich auch Staub macht, war der letzte Akt vorm langen Wochenende für die Müllerburschen: Klamotten aus und ab damit in die Waschmaschine. Eine mit Kurbel! Sogar die ist in Wahrenbrück noch erhalten.

 Die Mühle erzählt Geschichte(n).
Die Mühle erzählt Geschichte(n). FOTO: LR / Frank Claus

Die Müllerstochter verhehlt auch nicht, dass ihr Vater sie einmal aus der Mühle gejagt hat. „Ich sollte helfen, die Säcke nach unten zu hieven. Mein Vater hatte mir genau erklärt, wie es geht. Weil es mir aber zu umständlich erschien habe ich sie einfach abgekippt und das ganze Gestänge verbogen. Da war was los“, berichtet sie.

 Handwerkskunst: Hier hat jeder Balken, jede Strebe ihren Sinn.
Handwerkskunst: Hier hat jeder Balken, jede Strebe ihren Sinn. FOTO: LR / Frank Claus

Es ist ein Genuss, ihr zuzuhören. Sie schimpft, dass das alte Wehr nun vollends verschwinden soll, sieht dauerhaft Niedrigwasser kommen, glaubt, dass die unter Denkmalschutz stehende Mühle schwer zu erhalten sein wird, wenn nicht öffentliche Hilfe kommt. Sie redet, wie ihr der Schnabel gewachsen ist, erntet Beifall und kommt außer Puste. Jede halbe Stunde muss sie Mühlenführungen machen und freut sich am Ende doch: „Dass das Interesse immer noch so gewaltig ist, das ist schon schön.“

Nicht anders in Altbelgern, wo Frank Nitzsche die im Familienbesitz befindliche Mühle sorgsam hegt und pflegt. Dort hat sich bereits ein Freundeskreis gebildet, der den Mühlentag zum Erlebnis werden lässt. Auch, weil wie in Wahrenbrück einheimisches Handwerk und heimische Back- und Kochkunst es schmecken lässt wie bei Muttern.

 Petra und Frank Nitzsche führen an der Bockwindmühle Altbelgern ein kleines Schauspiel auf und sinnieren über ihre nächste Urlaubsreise.
Petra und Frank Nitzsche führen an der Bockwindmühle Altbelgern ein kleines Schauspiel auf und sinnieren über ihre nächste Urlaubsreise. FOTO: LR / Frank Claus
 Auch an der Paltrockmühle in Schönewalde wurde am Pfingstmontag wieder Mühlenfest gefeiert. Es war bereits die 26. Auflage. Zahlreiche Besucher erfreuten sich an den „Original Berstetaler Blasmusikanten“ und der Tanzgruppe des Holzdorfer Karnevalvereins oder nutzten die Mühlenführungen.
Auch an der Paltrockmühle in Schönewalde wurde am Pfingstmontag wieder Mühlenfest gefeiert. Es war bereits die 26. Auflage. Zahlreiche Besucher erfreuten sich an den „Original Berstetaler Blasmusikanten“ und der Tanzgruppe des Holzdorfer Karnevalvereins oder nutzten die Mühlenführungen. FOTO: Dieter Müller