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| 18:16 Uhr

Veterinäramt eingeschaltet
Pferde auf dem Ruinen-Bahnhof bei Kahla

 Am Mittwochvormittag bei Kahla: zwei Heu fressende Pferde auf dem Gelände des alten, verlassenen Ruinen-Bahnhofes.
Am Mittwochvormittag bei Kahla: zwei Heu fressende Pferde auf dem Gelände des alten, verlassenen Ruinen-Bahnhofes. FOTO: LR / Manfred Feller
Kahla. Aufmerksame Bürger haben Behörde informiert. Veterinäramt und Tierschutzverein handeln. Von Manfred Feller

Wenn Kinder vernachlässigt oder Tiere schlecht gehalten werden, dann schrillen bei aufmerksamen Mitbürgern die Alarmglocken. Das Gesehene wird den zuständigen Behörden gemeldet. So geschehen in den vergangenen Tagen in Kahla.

Auf dem leer stehenden, heruntergekommenen und vermüllten Gelände des alten Bahnhofes unweit des Dorfes wurden Pferde gesehen. Diese Beobachtung hatte ein Radler gemacht, der am vorigen Sonntag auf dem Weg zwischen Elsterwerda und Kahla-Siedlung war. Er beschrieb, was er sah, umgehend in einem sozialen Medium. Einige Nutzer stiegen darauf ein. Es wurde kommentiert und gemutmaßt. Wahrscheinlich zu eifrig, was jemanden gestört haben muss. Denn der Chat war am Mittwoch plötzlich nicht mehr da. Er wurde gelöscht.

Zu diesem Zeitpunkt war das Veterinäramt des Landkreises Elbe-Elster längst tätig geworden, wie Amtsleiterin Ilona Schrumpf bestätigt. Demnach habe die Behörde seit Weihnachten davon Kenntnis, dass in Kahla Pferde vermeintlich nicht artgerecht gehalten werden und habe sich umgehend selbst ein Bild von dem Geschehen gemacht. Seitdem sei man immer wieder vor Ort gewesen und dränge auf eine positivere   Lösung   im Sinne der Tiere.

Bei der ebenfalls protokollierten Kontrolle am jüngsten Halteort der Pferde auf dem alten Bahnhofsgelände, dies war am Dienstag dieser Woche, sei festgestellt worden, dass die Huftiere in provisorischen Unterständen mit Streu stehen können. „Dieser Standort ist nicht gut. Er kann nur eine Zwischenlösung sein“, unterstreicht die Amtsleiterin. Die Tiere würden mit Futter und Wasser versorgt und befänden sich in einem akzeptablen, gesunden Zustand. Auch die Polizei sei vor Ort gewesen. Die Pferde sollen auch schon ausgebrochen sein, wohl weil jemand die Umzäunung geöffnet hatte. Das Veterinäramt sieht den Ruinen-Bahnhof lediglich als befristetes Provisorium.

 Zwei weitere Pferde und ein Pony halten sich während des Schneeregens am Mittwoch in diesem überdachten Bahnhofsnebengebäude auf.
Zwei weitere Pferde und ein Pony halten sich während des Schneeregens am Mittwoch in diesem überdachten Bahnhofsnebengebäude auf. FOTO: LR / Manfred Feller

Die nach Falkenberg zugezogene Besitzerin der Pferde möchte sich aktuell nicht zu dem Thema äußern. Nur so viel, dass die Tiere am Mittwoch eine andere Bleibe erhalten sollten.

Über die Haltebedingungen am alten Bahnhof war auch der Plessaer Bürgermeister Gottfried Heinicke von Einwohnern informiert worden. Von hungernden und in Bauschutt und Müll stehenden Tieren sei die Rede gewesen. Er erfuhr, dass die Veterinäre bereits im Bilde waren. Auch das Plessaer Ordnungsamt nahm sich der Sache an, weil es um Unrat in der Landschaft geht. Nach bisherigem Kenntnisstand, so Patrick Berg vom Amt, gehe von dem Müll keine akute Gefahr aus. Gegebenenfalls werde jedoch mit dem Landkreis gehandelt.

Durch einen anonymen Anruf war der Tierschutzverein Finsterwalde nach eigenen Angaben am 30. Dezember über die Haltebedingungen der Pferde in Kenntnis gesetzt worden. Es wurde recherchiert und festgestellt, dass die Pferde zuerst in Rehfeld bei Falkenberg gestanden hätten, dann auf den Elsterwiesen und an einem Schrottplatz in Kahla und schließlich auf dem alten Bahnhof. Zwei weitere Pferde würden bei Krauschütz in Obhut stehen. Mal kritisiert der Verein den fehlenden Unterstand, dann, dass ein Pferd angebunden war und dass zeitweise auf kargem Land nicht ausreichend zugefüttert worden sei. Pferde, so heißt es, bräuchten rund um die Uhr Raufutter. Veterinäramt und Tierschutzverein versichern unabhängig voneinander, so lange dranbleiben zu wollen, bis die Haltebedingungen stimmen. Dies sei bei Weitem kein Einzelfall in Elbe-Elster, im Gegenteil.