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Neuer Pendleratlas belegt:
Fast jeder Dritte pendelt zur Arbeit

Die Langzeitbelichtung zeigt Leuchtspuren von Pkw und Lkw auf einer Autobahn. Für Beschäftigte aus Elbe-Elster fängt da schon das Problem an. Ihre Wege zu Autobahnen sind besonders lang. Das erhöht die Fahrtzeit zu den Arbeitsplätzen neben den Kilometerentfernungen noch zusätzlich. Und auch der Nahverkehr funktioniert aus der Fläche nicht ideal.
Die Langzeitbelichtung zeigt Leuchtspuren von Pkw und Lkw auf einer Autobahn. Für Beschäftigte aus Elbe-Elster fängt da schon das Problem an. Ihre Wege zu Autobahnen sind besonders lang. Das erhöht die Fahrtzeit zu den Arbeitsplätzen neben den Kilometerentfernungen noch zusätzlich. Und auch der Nahverkehr funktioniert aus der Fläche nicht ideal. FOTO: Julian Stratenschulte / dpa
Elbe-Elster-Kreis. Die meisten Beschäftigten fahren in die Kreise Oberspreewald-Lausitz und Meißen. Ansprüche an Nahverkehr steigen. Von Frank Claus

Jetzt haben es Berufspendler aus Elbe-Elster besonders schwer. Sie fahren im Dunkeln los und kommen im Dunkeln wieder heim. Und das widerfährt ihnen im einzigen Landkreis Deutschlands ohne direkten Autobahnanschluss oft auch über ungenügend ausgebaute Kommunal- und Kreisstraßen.

Pendeln zur Arbeit – in Deutschland gehört das zur Normalität. Von den etwa 31 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten pendelten im vergangenen Jahr 12,6 Millionen zur Arbeit in einer anderen Kreis oder eine Großstadt innerhalb der Bundesrepublik. Das belegt der Pendleratlas, eine Statistik, die die Bundesagentur für Arbeit dieser Tage herausgegeben hat. Die zeigt die Zahl der Ein- und Auspendler auf.

Aus Elbe-Elster fahren demnach die meisten Beschäftigten in den Oberspreewald-Lausitz-Kreis (2473) und den Kreis Meißen mit seinen Städten Großenhain, Riesa, Gröditz und Meißen (2231).  Es folgen Cottbus (920), Berlin (780), Dresden (697), Nordsachen mit Torgau und Oschatz (690), Teltow-Fläming (652) und Dahme-Spreewald (651). Im Gegenzug kommen 1625 Pendler aus Oberspreewald-Lausitz nach Elbe-Elster, gefolgt vom Landkreis Meißen (745), Teltow-Fläming (585), Nordsachen (517), Wittenberg (456), Dahme-Spreewald (425), Spree-Neiße (277), Cottbus (225), Berlin (154), Bautzen (142).

In den meisten Fällen sind das übrigens jeweils zur Hälfte Frauen und Männer.  Lediglich in den Oberspreewald-Lausitz-Kreis fahren etwas mehr Männer, während aus dem Kreis Meißen mehr Männer als Frauen in den Landkreis Elbe-Elster einpendeln.

Zwischenfazit der ermittelten Daten im Pendleratlas: In der Region Elbe-Elster wohnen 39 036 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte (Stand Juni 2016). Von ihnen pendeln 13 386 oder 34,3 Prozent zur Arbeit in einen anderen Kreis (Auspendler). Gleichzeitig pendeln 6531 Beschäftigte, die in einem anderen Kreis wohnen, zum Arbeiten in die Region Elbe-Elster (Einpendler). Der Saldo von Aus- und Einpendlern beläuft sich auf minus 6855. Ihren Arbeitsort in der Region Elbe-Elster haben damit 32 181 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte, von ihnen sind 20,3 Prozent Einpendler.

Doch nicht nur die Zahl der Pendler ist insgesamt in der Bundesrepublik wieder gestiegen. Auch die Länge ihres Weges zur Arbeit. Nach einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) legen sie bundesweit durchschnittlich eine Strecke von 17 Kilometern zurück. Im Jahr 1999 habe diese Zahl noch 14,6 Kilometer betragen. Pendler aus Elbe-Elster dürften diese Zahl weit überschreiten.

Denn die Zahlen des Bundesinstituts belegen: „Besonders lang sind die Distanzen zu den Arbeitsmarktzentren in den dünn besiedelten Räumen abseits der Ballungsräume. In großen Teilen Mecklenburg-Vorpommerns, Brandenburgs und Sachsen-Anhalts legen Beschäftigte im Durchschnitt mehr als 30 Kilometer auf dem Weg zur Arbeit zurück“, heißt es in den Erläuterungen zur Studie. Auch die Zahl der Fernpendler mit einem einfachen Arbeitsweg von mehr als 150 Kilometern sei seit der Jahrtausendwende gestiegen – von eine Million auf 1,3 Millionen.

Bundesweit würden die meisten Menschen in Ballungszentren pendeln. „Insbesondere die Umlandkommunen profitieren vom Wachstum der wirtschaftsstarken Großstädte“, sagt BBSR-Direktor Harald Herrmann.  Doch auch das ist mit Blick auf das Pendlerverhalten in Elbe-Elster nicht ganz deckungsgleich. Da Großstädte für viele Einwohner zumeist mehr als 70 Kilometer entfernt liegen, gelte der erste Blick bei der Arbeitsplatzsuche dem direkten Umfeld. Gleichwohl ob vor der Haustür, der Klein- oder Großstadt, eins trifft für alle zu: „Es hat auch Nebenwirkungen, dass immer mehr Beschäftigte außerhalb wohnen. Der Flächenverbrauch und die Verkehrsbelastung steigen. Deshalb ist es wichtig, dass die Infrastruktur mit dem Wachstum Schritt hält und das Umland gut an den öffentlichen Nahverkehr angebunden bleibt“, sagt Instituts-Direktor Harald Herrmann.