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Ostern ist schon fast durch

Den aus DDR-Zeiten bekannten Tell-Apfel mit seinen 18 Scheiben darf Frank Votapek jetzt als Lizenznehmer vertreiben.
Den aus DDR-Zeiten bekannten Tell-Apfel mit seinen 18 Scheiben darf Frank Votapek jetzt als Lizenznehmer vertreiben. FOTO: Mona Claus/mcl1
Elbe-Elster. Süßwaren gehen aus Lausitz in alle Herren Länder. Mehr als 1000 Tonnen werden jährlich über das "Schokoladen- und Waffel-Drehkreuz" im Elbe-Elster-Land vertrieben. Mona Claus / mcl1

Bei Frank Votapek vom Süßwarenhandel im Gewerbegebiet Lausitz vor den Toren der Kurstadt Bad Liebenwerda "wohnen" der Weihnachtsmann, der Osterhase, die Lila-Kuh, das Ü-Ei und der Schokobrotaufstrich ganz dicht beieinander, mitunter gerade einmal eine Regalbreite entfernt. Wenn in den Lebensmittelgeschäften die letzten Weihnachtsartikel preisgesenkt den Besitzer wechseln, sieht Frank Votapek zu, dass die Schokohasen schnellstmöglich kommissioniert werden. Parallel dazu gilt die Aufmerksamkeit kurzzeitig ebenso den süßen Dingen zum Valentinstag.

Der Herr über die Süßigkeiten hat inzwischen eine Faustregel: Schon Anfang des Jahres wird die Weihnachtsware geordert, im November/Dezember - dann, wenn alle an Weihnachten denken - dreht sich bei Votapeks alles um die Osterprodukte. Beides sind die Saisonspitzen, "Sahnehäubchen im Geschäft", wie Frank Votapek sagt. Die Hauptarbeit passiert allerdings im gesamten Jahresverlauf. Mehr als 1000 Tonnen Süßigkeiten werden übers Jahr verteilt an die Kunden ausgeliefert.

Frank Votapek kennt sich aus mit Schäfchen, Entchen, Hasen und vielem mehr, das unter dem Begriff Süßwaren gehandelt wird. Mittlerweile behalte der 57-Jährige, der in diesem Jahr 25. Firmenjubiläum feiert, auch einen kühlen Kopf, wenn schon mal kurz vor einem Fest im kühlen Lager noch größere Mengen Hohlkörper lagern. "Aber das ist lange nicht passiert", meint Frank Votapek und man hört am Tonfall, dass er diese Erfahrung bereits sammeln durfte. Der Markt schwanke eben.

Frank Votapek handelt ausschließlich mit Importen aus Europa, wie er betont. Die Lieferanten könne er an zehn Fingern abzählen. Viel würden ihm dabei die bekannten Marken aus der eigenen Kindheit bedeuten. Sein jüngster Coup - er hat die Lizenz für den Tell-Apfel erworben. Es ist ein 18-teiliges Schokoschmankerl, das Hiesigen aus DDR-Tagen noch bekannt sein dürfte. Erstmals produziert wurde er im Jahr 1960 im Unternehmen Hartwig und Vogel, kurz Tell, in Dresden. In einstigen Delikatgeschäften war der in rotes Alupapier gehüllte Schokoapfel zu haben. Die Lizenz des Glücks- oder auch Liebesapfels, wie er genannt wird, liegt seit diesem Jahr in den Händen eines Kurstädters. Produziert in Europa, schmeckt der Apfel Kunden in den Vereinigten Emiraten ebenso gut wie jenen in der Schweiz. Die allerdings wünschen sich die 18 Spalten gern auch in Weiß. Unter den 1000 Einzelhandelskunden, die bei Votapek gelistet sind, ist der Apfel einzig im Geschenke- und Wohnaccessoiresladen "dekoline" im Zentrum von Bad Liebenwerda zu haben.

Ein zweiter unternehmerischer Schachzug war die Gründung der Sweet Consulting GmbH. Mit diesem Tochterunternehmen sollen die Aktivitäten im Internet auf solide Füße gestellt werden. Im Shop derzeit sehr gut nachgefragt ist der "Choco Secco" - ein Schaumwein mit leicht schokoladigem Geschmack, getrunken wird er eiskalt.

"Nach reichlich Süßem ist auch den arabischen Partnern in Persien und Dubai", verrät Frank Votapek. Daneben mache der Großhändler erfolgreich Geschäfte in der Slowakei, Polen, Belgien, Italien, Ukraine, Südkorea und auch Holland. Letztere lieben übrigens nichts mehr als eine gut bekannte Schokoladencreme. Alle seine Kunden eint, dass sie bevorzugt Markenprodukte ordern.

"Schokolade macht glücklich", an diese Aussage glaubt Frank Votapek ganz fest, ist sie doch auch gut fürs Geschäft. "Erotisch geformte Pralinen, Damenpumps aus Schokolade - die Phantasie kauft mit ein", sagt der Unternehmer. Daneben seien es Bonbons, Waffel-, Keks- und Pralinenmischungen, Fruchtgummis, Hohlkörper sowie verschiedene Geschenkverpackungen, mit denen gehandelt werde. Und das zum Valentins-, Mutter- oder Frauentag, zu Ostern oder zum Schulanfang und schon bald auch wieder zu Weihnachten.

Zum Thema:
Gegründet hat Frank Votapek sein Unternehmen 1992. In Lausitz begann 2001 ein neuer Abschnitt in der Firmengeschichte. Aus der heimischen Garage in Wahrenbrück zog der Geschäftsführer in sein neu erbautes Firmengebäude im Gewerbegebiet vor den Toren der Stadt Bad Liebenwerda. Zum Unternehmensstamm gehören neben ihm mittlerweile neun Mitarbeiter und drei freie Mitstreiter.