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| 17:04 Uhr

Sind die Feuer angezündet...
Horch, wie es knistert: Der Reiz der Osterfeuer

Das Osterfeuer der besonderen Art gibt es in Dobra, aufgebaut von Roland Karl (l.) Wehrführer Martin Uhlemann (Mitte) und Gerd Manig.
Das Osterfeuer der besonderen Art gibt es in Dobra, aufgebaut von Roland Karl (l.) Wehrführer Martin Uhlemann (Mitte) und Gerd Manig. FOTO: Frank Claus / LR
Elbe-Elster. Osterfeuer haben eine lange Tradition in der Menschheits-geschichte. Heute sind sie Anlass, um sich in geselliger Runde zu treffen. Von Frank Claus, Gabriela Böttcher und Birgit Rudow

Feuer – es hat immer eine besondere Wirkung. Es spendet Licht und Wärme, kann aber auch für verheerende Zerstörung sorgen. Osterfeuer stehen vielfachen Deutungen zufolge symbolisch wohl für die Sonne als Mittelpunkt des menschlichen Lebens. Im Frühjahr wird mit diesen Frühlingsfeuern die Sonne als Sieger über den langen Winter begrüßt.

Ricardo Kropp (l.) organisiert mit dem Sportverein das Feuer in Zobersdorf. Ruth Müller, Roland Paul und Dean Joel gehören zu den Helfern.
Ricardo Kropp (l.) organisiert mit dem Sportverein das Feuer in Zobersdorf. Ruth Müller, Roland Paul und Dean Joel gehören zu den Helfern. FOTO: Frank Claus / LR

In Zobersdorf dürfte es eins der größten Osterfeuer im Elbe-Elster-Land geben. Dabei ist es dort noch gar nicht so alt. Es war im Jahr 2000, als sich Mitglieder des Sportvereins Wacker zum ersten Mal um ein kleines Feuer versammelten. Zehn Kästen Bier waren bereitgestellt worden, weil so recht keiner wusste, wie das Feuerchen von den Einwohnern angenommen würde. Vereinschef Ricardo Kropp lacht heute, wenn er daran denkt. „Das hat hinten und vorne nicht gereicht. Wir mussten Nachschub holen.“ In den folgenden Jahren wurden extra Bäume für das Feuer geschlagen, um eine schöne Feime aufbauen zu können. „Unser Kurti Brundisch, Nebenerwerbslandwirt, hat uns dabei immer mit seiner Technik geholfen.“ Heute ist Zobersdorfs Osterfeuer mit seinen aktuell 30 Metern Länge und zwischen vier und fünf Metern Höhe schon gewaltig. Doch nicht nur das. Es ist Kult. „Halb Bad Liebenwerda trifft sich bei uns“, sagt Ricardo Kropp und erzählt: „Wir zünden Gründonnerstag an. Da fliegen immer alle bei ihren Familien ein und abends ist bei uns Treffpunkt.“ Erst recht, seit es das beheizte Festzelt gibt. Wenn DJ Steffen Heinzmann auflegt, ist Partytime bis weit nach Mitternacht. Der Standort des Feuers außerhalb der Ortsbebauung sei genauso ideal, wie die hervorragende Zusammenarbeit mit der absichernden Feuerwehr aus Zeischa.

Das vorbereitete Osterfeuer in der Gartensparte „Elsterstrand“ in Herzberg wächst und wächst. Die Tradition des Feuers am Ostersamstag geht bis in die DDR-Zeiten zurück. 150 Mitglieder hat der Kleingartenverein. Alle dürfen seit dem 23. März Gehölze oder Grünschnitt auf den großen Haufen packen. „Damit wollten wir auch denjenigen die Möglichkeit geben, die nur am Wochenende da sind“, sagt der stellvertretende Vereinschef Uwe Lorenz. Bei so vielen Gartenfreunden kommt ganz schön was zusammen. Und so wird der große Berg vor dem Anzünden auch noch einmal gründlich inspiziert. „Um sicher zu gehen, dass nicht einige Spitzbuben etwas drunter geschoben haben, was da nicht hingehört“, so Uwe Lorenz. Gegen 20 Uhr wird das große Osterfeuer am Samstag angezündet. Aus Sicherheitsgründen machen das Kameraden der Herzberger Wehr. Bei Bier, Saft und Würstchen feiern die Kleingärtner dann den ersten Höhepunkt des Jahres in ihrer Sparte, und sie freuen sich, wenn Nachbarn aus der Badstraße vorbeischauen.

Rüdiger Kastner liefert am Sallgaster Sportplatz mit einem Kleintransporter „Futter“ für das Osterfeuer an.
Rüdiger Kastner liefert am Sallgaster Sportplatz mit einem Kleintransporter „Futter“ für das Osterfeuer an. FOTO: Gabi Böttcher / LR

Die Feuerwehr Finsterwalde lädt zum Gerätehaus Stadtmitte ein. Hier ist eine Eröffnung am Samstag  um 17.30 Uhr mit Spielmannszug sowie Stockbrotbacken mit der Jugendfeuerwehr angekündigt. Eine Hüpfburg wird in  der Fahrzeughalle aufgebaut und der Osterhase schaut vorbei. Auch beim Hundesport Finsterwalde am Frankenaer Weg hat man sich für die jüngsten Osterfeuer-Gäste am Samstag einiges einfallen lassen.

Der „Haufen“ für das Feuer in der Sparte „Elsterstrand“ in Herzberg wächst, freut sich der stellvertretende Vereinschef Uwe Lorenz.
Der „Haufen“ für das Feuer in der Sparte „Elsterstrand“ in Herzberg wächst, freut sich der stellvertretende Vereinschef Uwe Lorenz. FOTO: Dieter Müller

Einen  besonderen Service beim Aufbau des Osterfeuers in Sallgast liefert seit Wochenmitte Rüdiger Kastner. Er unterstützt beim Anliefern des „Futters“ für das Feuer mit seinem Kleintransporter. Matthias Pohl, Ordnungsamtschef im Amt Kleine Elster, wird am Samstag wieder auf Kontrolltour durch Orte des Amtes gehen. Er weiß aus dem Vorjahr, dass alle Organisatoren sehr verantwortungsbewusst zu Werke gehen.

Ein ganz außergewöhnliches Osterfeuer wird in Dobra am Gründonnerstag zelebriert. Direkt hinter dem Feuerwehrdepot haben Kettensägeschnitzer Roland Karl, Wehrführer Martin Uhlemann und Gerd Manig am Mittwoch die Vorbereitungen getroffen. Der Holzschnitzer hat den Teil eines Pappel-Stammes in zwei Hälften zerlegt, innen ausgehöhlt und sie mit seitlichen Luftschlitzen versehen. In knapp zwei Stunden Arbeitszeit hat er dem Stamm noch ein Gesicht gegeben. Zusammengesetzt wirkt das Ganze wie ein Kamin und brennt locker vier bis fünf Stunden. Roland Karl: „Weil wir relativ dicht an der Wohnbebauung unser Feuer machen, haben wir uns für diese Variante, die wir seit 2006 zelebrieren, entschieden.“ Aus dem „Kamin“ zündelt eine wunderbare Flamme, mit der die Dobraer – jeder kann ab 17 Uhr kommen – den Winter vertreiben wollen.