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| 18:11 Uhr

Stein oder Grün? – das ist hier die Frage!
Vorwürfe und eine steinharte Debatte in Oschätzchen

Im wahrsten Sinne Stein des Anstoßes: In Oschätzchen gibt es Zoff um die Gestaltung einer ehemaligen Grünanlage.
Im wahrsten Sinne Stein des Anstoßes: In Oschätzchen gibt es Zoff um die Gestaltung einer ehemaligen Grünanlage. FOTO: LR / Frank Claus
Oschätzchen. Wer hat denn den Steinhaufen da abgekippt? Diese Frage ist noch sanft formuliert. Die Debatte um eine Neugestaltung einer Grünanlage in Oschätzchen wird seit Wochen steinhart geführt. Von Frank Claus

Die Stadt Bad Liebenwerda hat im Sommer in ihrem Ortsteil Oschätzchen eine Verkehrsinsel, auf der nur noch mickrige Rosen und ein Nadelgehölz auf kargem Boden vor sich hin dümpelten, neu gestaltet. Mit Steinen. Und genau die sind Stein des Anstoßes. Die Mehrheit der Einwohner will diesen „Steinhaufen“, wie es in der Bürgerschaft verächtlich heißt, nicht.

Dabei, so Janin Soltis, zuständig für die Straßenunterhaltung und den Bauhof in der Stadt, sind die ausgelegten Steine ja nur der Anfang. Angesichts der Sommerhitze war auf eine weitere Bepflanzung zunächst verzichtet worden. Die Steine seien auch nicht willenlos hingekippt worden. Die Mitte zeige mit dunkleren Steinen einen geschwungenen Flusslauf, größere Steine bringen Abwechslung in die Fläche.

Richtig fertig sei die Insel aber erst, wenn dekoratives Schilf, Beet­rosen, eine attraktive Zwerg-Krüppelkiefer, Zwergwacholder und weitere, für den „Steingarten“ geeignete Pflanzen in den Boden gebracht seien. „Die Einwohner sollten bitte erst einmal abwarten und sich dann eine Meinung bilden“, sagt Janin Soltis – und stößt auf steinharte Gegenwehr.

Die Mehrheit der Einwohner, so Ortsvorsteher Oliver Schneider und Bürger Mathias Wanitschka, wolle eine Grünfläche mit Rosen, setze auf Mulch um die Pflanzen anstelle auf Steine. Zudem könnten bienenfreundliche Gehölze gepflanzt werden. Und dann fliegen die Argumente hin und her. Im Mulch keime Unkraut, Rasen bedürfe intensiver Pflege, Laubbäume bringe nun mal Blätterwerk.

Der Vorschlag der Stadt, so heißt es aus dem Ort, führe sich von selbst ad acta, weil zu Beginn intensivere Bewässerung auch nötig sei und Steine einen höheren Verdunstungsgrad mit sich brächten. „Jedenfalls“, so Mathias Wanitschka sarkastisch, „steht die Steinfläche im Gegensatz zum Internetauftritt der Stadt Bad Liebenwerda (wo für eine grüne Stadt geworben wird), aber vielleicht sind wir nicht Stadt genug.“

Kämmerer Gerd Engelmann stellt sich hinter seine Mitarbeiterin und das Steinprojekt. Die Stadt gebe jährlich 511 000 Euro für die Grünpflege aus und der Bauhof komme langsam nicht mehr umhin, alles zu pflegen. „Uns erreichen schon jetzt immer mehr Hinweise aus Ortsteilen, dass die älteren Menschen, die bislang Anlagen pflegen, das nicht mehr leisten können. Es ist so: Es will kaum noch einer machen.“

Den Kommentar zum Thema gibt es hier.