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Ära geht zu Ende
Ordensschwestern verlassen Kurstadt

Noch einmal die Kerze in der Kapelle des Pflegeheimes anzünden. Während Ordensschwester Judith die Stadt Bad Liebenwerda bereits verlassen hat, verabschieden sich Schwester Oberin Firmata (r.) und Schwester Elisabeth in der kommenden Woche von den Bewohnern und Mitarbeitern.
Noch einmal die Kerze in der Kapelle des Pflegeheimes anzünden. Während Ordensschwester Judith die Stadt Bad Liebenwerda bereits verlassen hat, verabschieden sich Schwester Oberin Firmata (r.) und Schwester Elisabeth in der kommenden Woche von den Bewohnern und Mitarbeitern. FOTO: Manfred Feller
Bad Liebenwerda. In Bad Liebenwerda geht nach fast 110 Jahren eine Ära zu Ende. Die letzten Ordensschwestern verlassen Pflegeheim und Kurstadt für immer. Manfred Feller

Annähernd 110 Jahre lang gehörten die Schwestern des Ordens "Franziskanerinnen von der ewigen Anbietung zu Olpe" zu Bad Liebenwerda. Jetzt verlassen sie das katholische Pflegeheim St. Marien und die Kurstadt für immer. Der Konvent, die Niederlassung einer Ordensgemeinschaft, wird hier aufgelöst. Es gibt nicht mehr genügend Schwestern, die ihr Leben Gott und dem Dienst am Menschen weihen und damit nachrücken könnten.

Drei Ordensschwestern waren es in der Kurstadt bis Mittwoch. Schwester Judith (77) ist herzlich in ihren ganz persönlichen Ruhestand verabschiedet worden. Sie wird nun im Pflegeheim Olpe/Drolshagen in Westfalen ihren Lebensabend bestreiten. Schwester Oberin Firmata (89) zieht am 10. Oktober in das katholische Altenpflegeheim Oberpleis bei Bonn. Am selben Tag wird Schwester Elisabeth (71) nach Oschersleben versetzt. Natürlich werden sie etwas ruhiger treten, vielleicht die eine oder andere kleine Reise oder Wallfahrt unternehmen und Schwestern besuchen. "Es wird aber eher ein Unruhestand", sagen sie. Wer dazu in der Lage ist, wird weiter anderen helfen. Der Orden als Träger habe in der Kinder- und Altenbetreuung genügend Aufgaben.

Bad Liebenwerda und die Umgebung behalten sie in guter Erinnerung. "Wir gehörten zum Stadtbild", sagt Schwester Oberin Firmata. Dabei denkt sie besonders gern an die Straßensammlungen mit vielen interessanten Gesprächen. Die Einwohner seien immer spendenfreudig gewesen, weil sie wissen, wem mit dem Geld direkt geholfen wird. Besonders gern erinnern sie sich an die Schulkinder. "Die haben sich im Netto immer etwas zu essen geholt. Den Rest von ihrem Taschengeld steckten sie in die Sammelbüchse", dankt ihnen und allen anderen Schwester Firmata.

Als Schwester Elisabeth 1988 als ambulante Altenpflegerin nach Bad Liebenwerda versetzt worden war, sah die Kleinstadt so grau und teils unsaniert aus wie viele andere. "Es lohnt nicht auszusteigen", hörte sie damals. "Doch die Stadt hat sich zur Kurstadt gemausert. Und wir konnten mitgestalten. Die Menschen haben uns angenommen", blickt sie dankbar zurück.

Mitgestalten heißt in diesem Fall mitbauen. Unter Schwester Oberin Firmata, bis 2001 Leiterin, ist das moderne katholische Altenpflegeheim St. Marien in Bad Liebenwerda entstanden. 1996 zogen die ersten Bewohner ein. "Es ist viel Geld in die Erde geflossen", erinnert sich Schwester Elisabeth an den nassen Baugrund.

Das Heim besitzt 69 stationäre Plätze, zwei Kurzzeitpflege- und zwölf nicht komplett genutzte Tagespflegeplätze, zählt die stellvertretende Leiterin Maria Fischer auf. Zu dem Gebäudekomplex gehören auch 20 altersgerechte Wohnungen, die auch das Zuhause der drei Franziskanerinnen waren beziehungsweise noch sind.

"Die Schwestern haben hier das geistige Leben geprägt - von der heiligen Messe bis zum Erteilen der Kommunion auf dem Zimmer von Bewohnern", benennt Maria Fischer auch diese Seite der Tätigkeit. In den vergangenen Jahren haben die Ordensschwestern, obwohl selbst im fortgeschrittenen Alter, noch viele ehrenamtliche Tätigkeiten ausgeübt - Bewohner betreut, das Essen ausgegeben, Wochenenddienste geleistet und auf Wunsch Sterbende auf ihrem letzten irdischen Weg begleitet.

Schwester Oberin Firmata stammt aus Wuppertal und ist als Kind nach Oschersleben gekommen. Mit 18 Jahren trat sie dem Orden bei. Die Ausbildung ging immer weiter. Sie war Stationshilfe in der Krankenpflege, Kindergärtnerin, Hortleiterin und Leiterin eines Kinderheimes. 1986 wurde sie nach Bad Liebenwerda versetzt.

Schwester Elisabeth ist in der Magdeburger Börde aufgewachsen. Sie hatte Buchhalterin gelernt und arbeitete für Landwirtschaftsbetriebe. In Magdeburg sei sie gar eine gute Handballerin gewesen. Auch heute verfolge sie diesen Sport noch sehr gern. Ihre Mutter war katholisch, das Leben in der DDR jedoch wenig christlich. Doch sie hatte immer in ihrem Glauben Halt gefunden. Dies reichte ihr bald nicht mehr. Sie wollte Gott noch näher kommen. Als sie 25 Jahre alt war, trat sie in den Orden ein.

In Bad Liebenwerda haben die Schwestern viele Aufgaben erfüllt. Im Wesentlichen waren es Tätigkeiten, die auch Kranken- und Gemeindeschwestern erledigen. Schwester Elisabeth übernahm einige Zeit auch den Besuchsdienst in der Pfarrei mit 17 Gemeinden. Dabei hat sie sehr vielen Menschen geholfen und nicht selten mehr getan, als auf den ersten Blick erforderlich schien. "Wenn wir Not sehen, dann helfen wir", sagt sie wie selbstverständlich.

Jetzt, da eventuell mehr Freizeit winkt, könnten sie doch endlich bedeutende Wallfahrtsorte oder den Vatikan besuchen. Im italienischen Assisi, dem Geburtsort des Heiligen Franz von Assisi, waren viele. "Einen Vatikanbesuch brauche ich nicht, um zu glauben", sagt Schwester Elisabeth. Sie hält große Stücke auf Papst Franziskus: "Er hat Mut zu kritisieren und setzt sich gegen die Armut in der Welt ein." Schwester Oberin Firmata hat dagegen schon einem Heiligen Vater die Hand gegeben - vor vielen Jahren Johannes Paul II. in Berlin.

Regionale Geschenke zum Abschied. Auch der Bad Liebenwerdaer Bürgermeister Thomas Richter verabschiedete die Schwestern Elisabeth, Oberin Firmata und Judith (v. l.) im Refektorium des Klosters Mühlberg.
Regionale Geschenke zum Abschied. Auch der Bad Liebenwerdaer Bürgermeister Thomas Richter verabschiedete die Schwestern Elisabeth, Oberin Firmata und Judith (v. l.) im Refektorium des Klosters Mühlberg. FOTO: Karsten Bär/bae1