ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:06 Uhr

„Operativer Vorgang gegen Unbekannt“

Doberlug-Kirchhain.. Wenn im VEB Gaskombinat Schwarze Pumpe trotz höchster Anordnung nicht mehr Gas produziert wurde, dann war dies ein Fall für die „Objektdienststelle“ der Staatssicherheit. Dörthe Ziemer

Die leitete einen „operativen Vorgang gegen Unbekannt“ ein, weil die Lieferverzögerung nicht an einer Person festzumachen, sondern der Mangelwirtschaft geschuldet war. Diese und andere Aufgaben und Methoden der Staatssicherheit zeigt seit gestern eine Ausstellung im Schloss Doberlug.
Innerhalb einer Woche war es Bürgermeister Bodo Broszinski gelungen, die Wanderausstellung „Die Arbeit am Feind . . .“ ins Schloss zu holen.
Zur Eröffnung nannte er das Wirken der Staatssicherheit ein „Thema unserer Region“ , das daher zu Recht seinen Platz in Doberlug-Kirchhain habe. Auch Landrat Klaus Richter war zur Eröffnung gekommen und mahnte, nachdem er eine eigene Erfahrung mit den Kontrollmechanismen der „Stasi“ geschildert hatte, an, diese Zeit doch nicht allzu schnell zu vergessen: „In welcher Situation würden wir uns heute befinden, wenn die Wende nicht gekommen wäre?“
Die Ausstellung zeigt auf 17 Tafeln das Wirken der Staatssicherheit im mittleren und südlichen Brandenburg. Thematisch aufgegliedert, veranschaulicht sie an Beispielen, wie die 91 000 MfS-Mitarbeiter gearbeitet haben, worin die Zielstellungen bestanden und welche Auswirkungen dies auf das Leben der Menschen hatte.
Ob die Chronik des 17. Juni 1953 am Beispiel von Jessen, die Observation der Lutherkirche in Cottbus oder die Verfolgung eines „BRD-Bürgers“ von Cottbus nach Eisenhüttenstadt - hier wird DDR-Geschichte anhand von persönlichen oder lokalen Geschichten erklärt.
Auch der Blick ins Heute fehlt nicht. So wird auf der Tafel über das Verfolgen mit Fotoapparaten darauf verwiesen, dass die Mitarbeiter des MfS der Nachwelt damit einen Dienst erwiesen haben: Viele Forscher können die zahlreichen Fotos, auf denen nicht nur Menschen, sondern auch Gebäude, Autos und andere Dinge des täglichen Lebens zu sehen sind, als Quellenmaterial nutzen. Letztlich dienen sie, so der Ausstellungstext, auch den betroffenen Bürgern dazu, die Vergangenheit anhand von Bildern zu rekonstruieren.
Die gezeigte Schau ist eine Ausstellung der Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR und noch bis zum 29. Juli im Festsaal des Schlosses Doberlug täglich von 14 bis 18 Uhr zu sehen. Institutionen, Städte und Gemeinden können sie leihen unter der Telefonnummer 0335 60682510.