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| 18:39 Uhr

Wenn die Dirndl knapp werden
Stemmt die Maß zum Himmel!

München an der Schwarzen Elster, der Ortsteil der Stadt Uebigau-Wahrenbrück, zählt exakt 17 Einwohner.  Aber wenn Oktoberfest ist, treffen sich dort bis zu 10 000 Gäste.
München an der Schwarzen Elster, der Ortsteil der Stadt Uebigau-Wahrenbrück, zählt exakt 17 Einwohner. Aber wenn Oktoberfest ist, treffen sich dort bis zu 10 000 Gäste. FOTO: Veit Rösler
München. München an der Elster steht wieder vorm Ausnahmezustand – drei Tage Oktoberfestparty. Von Frank Claus

Sie haben sich alle schon die Augen gerieben: Nicht mal zehn Häuser, 17 Einwohner und dann so eine Schaffe auf einer Wiese, die das ganze Jahr über die Blicke kaum lohnt. Es sei denn, es ist Oktoberfestzeit. Gerade werden die von einst 300 auf jetzt 1700 Quadratmeter angewachsenen Zelte aufgebaut. Jetzt mehren sie sich auch wieder – die Anrufe von RBB, RTL, Sat1, Antenne sowie regionalen und überregionalen Zeitungen.

Da haben die Macher 2001 ja was losgetreten. Bis zu 10 000 Gäste pilgern jährlich ins Elbe-Elster-Land. Selbst Gäste aus der großen Schwesternstadt in Bayern reisen an, weil sie nicht fassen wollen, dass in einem 17-Seelen-Ortsteil so die Post abgeht. Nur in einem Jahr fühlten sich Wies’n-Fans mal so richtig veralbert. Sat1 versprach in einem Gewinnspiel, eine Busladung voll nach München zum Oktoberfest zu kutschieren. Nicht alle fanden es lustig, an der Elster anstelle der Isar aus dem Bus zu krabbeln.

Mathias Winter, der sonst Eis kreiert und Kugeln in die Waffel drückt, ist noch heute Chef der Riesensause, die damals blitzschnell mit Unterstützung der RUNDSCHAU in aller Munde war. „Weißt Du noch?“, fragt Mathias Winter: „Schon im zweiten Jahr übertrug der rbb live den Fassbieranstich ins Abendjournal.“ Wenig später widmeten sich Radio 1 und die LR in einem Spezial den Besonderheiten von Hendel, Weißwurst und Co.  „Und dass damals in München die Maß fünf Euro gekostet hat?“ Im großen München wird sie in diesem Jahr erstmals die Elf-Euro-Schallmauer durchbrechen. Im kleinen München sind acht Euro fällig, weil auch hier, so der Wies’n-Wirt, die Kosten für Zelt, Sicherheit mit allem Drum und Dran  enorm gestiegen sind.

Wer hätte gedacht, dass noch im 17. Jahr  – in diesem Jahr wird das Fest volljährig  – das Maß-Behältnis Kult ist. „Knapp 800 sind im vergangenen Jahr mitgenommen worden. Einige gingen auch zu Bruch“, sagt Winter, der das große Herbstfest ausrichtet. Ab Freitag gibt es drei Tage Party. Kaum eine/r, die/der nicht im Dirndl oder mit Lederhos’n kommt. Nur einer hat das kleine München noch immer nicht besucht  – der Oberbürgermeister der großen Schwesterstadt. Garantiert: Auch der würde sich die Augen reiben.