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Oh Gott, das Kirchendach ist morsch

Ein Bild des Grauens. Pfarrer Kersten Spantig lüftet die Plane, unter der sich die morschen Dachbalkenenden der Kirche befinden.
Ein Bild des Grauens. Pfarrer Kersten Spantig lüftet die Plane, unter der sich die morschen Dachbalkenenden der Kirche befinden. FOTO: Feller
Elsterwerda. Der Zahn der Zeit hat an dem Dachgebälk der Catharina-Kirche mitten in Elsterwerda mächtig genagt. Komplette Balken und Balkenköpfe müssen erneuert werden. Das kann in den nächsten Monaten nur schrittweise erfolgen. Manfred Feller

Das sieht überhaupt nicht gut aus: Nur der liebe Gott und einige gesunde Balken scheinen das Dach der fast 300-jährigen Catharina-Kirche in Elsterwerda zusammenzuhalten. So morsch ist das betagte Holz ringsherum am Übergang vom Mauerwerk zum Dach. Für den Holzbaulaien grenzt es fast an ein Wunder, dass die gewaltige Haube des Gotteshauses noch nicht in sich zusammengestürzt ist.

Die einstigen Zimmerleute haben zwar im Gottvertrauen gebaut, aber dann doch lieber auf ihre Handwerkskunst vertraut. Das Gebälk ist so gut miteinander verbunden, dass es sehr viele Schwachstellen problemlos ausgleichen kann.

Die Sanierung ist überfällig oder wie es Pfarrer Kersten Spantig sagt: "Es ist nicht fünf vor zwölf, sondern Punkt zwölf." Als er das Ausmaß der Schädenerstmals gesehen hatte, sei er erschrocken gewesen. "Der Querbalken auf der Mauerkrone - da ist nichts mehr", schüttelt er nur mit dem Kopf und greift in das verfaulte Holz. Es bröselt nur so zwischen den Fingern. Auf den ersten Blick scheint alles halbwegs in Ordnung. Aber wehe, man berührt das Holz.

Seit September finden in der Catharina-Kirche keine öffentlichen Veranstaltungen mehr statt. Der Gottesdienst mit Krippenspiel am Heiligen Abend 2016 wurde bereits auf dem Markt gefeiert. "So wird es auch in diesem Jahr sein", blickt der Pfarrer voraus. Die evangelische Gemeinde weicht ansonsten in die in den 1960er-Jahren errichtete Kirche in Elsterwerda-Biehla aus. Die Gemeinde Elsterwerda mit Kraupa zählt derzeit etwa 1000 Gemeindeglieder.

Der Pfarrer ist nicht nur Bauleiter, sondern kämpft auch mit der Finanzierung. Allein der erste Bauabschnitt der Dachsanierung, zu der auch neue Ziegel gehören, kostet etwa 450 000 Euro. Der zweite Abschnitt werde noch einmal so teuer. Dieses Paket sei noch zu schnüren. Kersten Spantig setzt alles daran, dass der Bauablauf über dem Altar reibungslos vonstattengehen kann. Obwohl das Gotteshaus unter Denkmalschutz steht, gebe es kein Fördergeld. "Das sind alles Eigenmittel des Kirchenkreises Bad Liebenwerda", sagt er.

Dass die jahrhundertelangen Undichtigkeiten am Dach Schäden hinterlassen haben, sei bereits in den 1980er-Jahren zu erkennen gewesen. Umso höher sei der Aufwand jetzt.

Die Sanierung konnte nicht gleich starten, weil die zu DDR-Zeiten auf das Holz aufgetragene giftige Schutzsubstanz zu entfernen und abzusaugen ist. Diese Aufgabe hatten Industriekletterer übernommen. Erst dann konnten Zimmerleute wie Edgar Rückl und Manfred Nörling von der Zimmerei Thiele aus Zöllmersdorf bei Luckau ran. "Als katastrophal", beschreiben sie den Zustand des aufliegenden Gebälks. Der Rest sei augenscheinlich in Ordnung, müsse aber überprüft werden.

Um gefahrlos voranzukommen, werden die Deckenbalken mit einem starken Überzugbalken abgefangen. Dann geht es an das Auswechseln der Köpfe aller Balken im Mauerbereich. Der auf der Mauerschwelle aufliegende Querbalken ist derart morsch, dass er komplett raus muss. Selbst das Mauerwerk hat an seiner Krone erhebliche Feuchtigkeitsschäden davongetragen. Der Schwammsanierer muss her. Die betroffenen Steine sind auszutauschen. Erst, wenn das erledigt ist, können die Zimmerleute dort weiterarbeiten.

Die Dachsanierung hat auch Folgen für das Innere der Barockkirche. Die Decke im Schiff wird durch den Austausch der Balkenköpfe ringsherum geöffnet. "Die Finanzierung dieser Arbeiten haben wir noch gar nicht im Plan", gibt Pfarrer Kersten Spantig zu. Ohne geschlossene Decke keine Gottesdienste. Der liebe Gott wird gerade jetzt dringend gebraucht.