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"Obama? Ein freundlicher Vergleich"

"Das wollen wir forcieren": Thilo Richter (l., hier 2016 mit Margot Fehrmann vom Verein Dresdener Heidebogen und Jochen Reinicke vor dem Heidebergturm in Gröden) will den Tourismus fördern.
"Das wollen wir forcieren": Thilo Richter (l., hier 2016 mit Margot Fehrmann vom Verein Dresdener Heidebogen und Jochen Reinicke vor dem Heidebergturm in Gröden) will den Tourismus fördern. FOTO: Zeidler
Das Amt Schradenland feiert in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen. Seit acht Jahren wird es geführt von Thilo Richter (CDU). Im RUNDSCHAU-Interview spricht der Amtsdirektor unter anderem über die geplante Kreisgebietsreform, das "Desaster" Landesentwicklungsplanung und die Exportschlager-Tauglichkeit der "Kurstadtregion" Bad Liebenwerda.

Herr Richter, seit acht Jahren fungieren Sie als Amtsdirektor im Schradenland. Damit haben Sie zur gleichen Zeit angefangen wie der geschiedene US-Präsident Barack Obama.
Ein freundlicher Vergleich (lacht). Mit dem Unterschied, dass ich noch weitere acht Jahre machen darf. Es freut mich, dass man das im Amtsausschuss und auch in den Gemeindevertretungen so sieht.

Wo ließe sich denn das Jahr 2016 auf einer Skala Ihrer Amtsjahre einordnen?
Aus Sicht des Schradenlandes würde ich sagen, hatten wir 2016 ein gutes Jahr, mit allen Höhen und Tiefen. Wir haben vieles auf den Weg gebracht. Und wir hoffen, dass 2017 mindestens genauso gut wird.

Das Amt, das Sie verwalten, feiert in diesem Jahr 25-jähriges Bestehen. Gibt es Pläne, das Jubiläum mit Veranstaltungen oder gar einem Themenkatalog zu feiern?
Nun, einen Themenkatalog, der sich durch das Jahr zieht, haben wir ja mit der Reformation - da können wir nicht mithalten (lacht). Wir haben uns darauf verständigt, keine große Festveranstaltung machen zu wollen. Wir wollen eher die Barrierefreiheit in unserem Gebäude vorantreiben für Rollstuhlfahrer und ältere Besucher. Da sehen wir das Geld sinnvoller angelegt.

Trüben die geplante Kreisgebietsreform und die Landesentwicklungsplanung "Hauptstadtregion" die Freude über das Jubiläum?
Unsere Gemeinden legen sehr viel Wert auf Eigenständigkeit, das Amt versteht sich als Service- und Managementstelle. Diese Rechtsform der Kooperation stellt für uns ein Optimum dar. Das vorgelegte Leitbild zur Verwaltungsstrukturreform aber verzichtet ohne Not gänzlich auf diese Rechtsform. Die Begründung dazu lautet: Die indirekte Wahl des Amtsdirektors stelle ein Demokratiedefizit dar. Bisher konnte mir allerdings noch Keiner erklären, warum die indirekte Wahl der Ministerpräsidenten in Ordnung ist und bei den Amtsdirektoren den Untergang des Abendlandes bedeutet.

Und der Landesentwicklungsplan? Im Amtsblatt sprechen Sie von einem "blanken Desaster" für Ihre Gemeinden.
Vom Landesentwicklungsplansind wir insofern sehr enttäuscht, da dort nur auf die Metropole Berlin geschaut wird. Das ist schon eine tiefe Enttäuschung gewesen bei unseren Gemeindevertretern, da hat man das Gefühl, die Gemeinsame Landesplanung Berlin-Brandenburg will uns gar nicht. Ketzerisch müsste man eigentlich sagen: Na dann lasst uns doch gleich zum Freistaat Sachsen gehen! Eine Adaption der Reformation für uns, denn: Die Metropole Dresden ist so weit weg nicht.

Sie sammeln derzeit Unterschriften, um gegen die Kreisreform vorzugehen. Welche Erfolgsaussichten haben solche Aktionen?
Die Landesregierung hat sich nicht beweglich gezeigt bisher, aber wenn man sich nicht einbringt, dann wird man verändert. Ich denke nicht, dass wir machtlos sind. So wie die Reform bis jetzt aussieht, ist es jedenfalls nicht der Weisheit letzter Schluss. Deshalb messe ich dieser Unterschriftensammlung schon Erfolg bei. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass die benötigten 80 000 Unterschriften im nächsten Schritt zusammenkommen und dann bin ich mal gespannt.

Gibt es schon Pläne über eine Zusammenarbeit von Elsterwerda, Plessa, Röderland und Schradenland nach dem Vorbild der "Kurstadtregion" in Bad Liebenwerda? Beziehungsweise: Wie stehen Sie zu solchen Ideen?
Ob das Modell der "Kurstadtregion" ein Exportschlager ist, wird sich zeigen. Zur Akquise von zusätzlichen Geldern für die Abdeckung höherer Verwaltungsaufwendungen scheint es eine Möglichkeit zu sein. Konkrete Planungen für den von Ihnen benannten Bereich gibt es nicht. Ideen, wie Aufgaben durch gemeinsame Erfüllung effizienter und wirtschaftlicher werden, unterstützen wir gern.

Das Amt Schradenland besteht aus vier Gemeinden: Merzdorf mit etwa 900 Einwohnern, Gröden (1400), Hirschfeld (1300) und Großthiemig (1100). Wie stabil sind Ihre Einwohnerzahlen?
Wir gehören nicht zu der Region, wo wir sagen, unsere Einwohner wachsen extrem zu. Auch wir haben einen Einwohnerrückgang - allerdings nicht so stark wie prognostiziert. Die Erwartung, dass es sich hier entvölkert innerhalb von kurzer Zeit, tritt nicht ein. Die Initiative des Vereines Wirtschaftsraum Schraden zum "Sächsischen Brandenburg" könnte zudem bewirken, insbesondere junge Familien aus dem Metropolenraum Dresden für unsere Region "Wo Preußen Sachsen küsst" zu gewinnen.

Ein Gewinn für die älteren Menschen dürfte die zweite Tagespflegeeinrichtung sein, die 2017 in Gröden entstehen soll. Wann genau soll hier mit dem Bau begonnen werden?
Der Baubeginn soll spätestens im Frühjahr erfolgen und auch die Fertigstellung soll 2017 gelingen. Avisiert hierfür ist der Herbst dieses Jahres.

Ein zweites Anliegen im angebrochenen Jahr ist die Bildung einer Arbeitsgruppe zum Thema Schulentwicklung. Was genau soll diese ausarbeiten?
Wir wollen uns in diesem Jahr ganz in Ruhe mit den Zielen und Vorhaben befassen. Da sich die Schülerzahlen besser entwickeln als wir gedacht haben, drängt uns dabei niemand. So wie es momentan aussieht, ist für das kommende Schuljahr sowohl in Gröden als auch in Hirschfeld die Bildung einer 1. Klasse mit mindestens 15 Kindern möglich. Trotzdem muss man vorbereitet sein, falls man nicht mehr genügend Kinder zusammenbekommt. Was dann? Das könnte ein Arbeitsauftrag für die Gruppe sein.

Zum Abschluss noch etwas weiter in die Zukunft geschaut: Was wollen Sie in den nächsten acht Jahren als Amtsdirektor noch alles vorantreiben?
Es gibt viele Bereiche, wo ich anknüpfen und die begonnene Arbeit fortsetzen möchte. Touristisch haben wir uns in den letzten acht Jahren gut positionieren können, beispielsweise mit dem buchbaren Angebot: Tagesausflug im Schraden oder der Grenzsteinwanderung im September. Das wollen wir forcieren. Die Schulstruktur haben Sie schon angesprochen. Es soll weiterhin Grundschule im Schraden geben, das gleiche gilt für Kindertagesstätten. Und auch für unsere Senioren gilt es, wie am Beispiel der Tagespflege Gröden, für die Zukunft gerüstet zu sein.

Mit Thilo Richter

sprach Steven Wiesner