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Nur Grippeschutz ist gefragt

Elbe-Elster-Kreis.. Seit dem 1. November läuft in den Brandenburger Apotheken eine Beratungsaktion zum Thema Impfen. Tetanus, Hepatitis A und B, Polio, Masern, Mumps und Röteln – die Palette der Infektionskrankheiten ist groß. Nur ihr Impfbuch müssen die Kunden mitbringen. Der Apotheker bespricht noch bis zum 30. November mit ihnen, welcher Impfschutz wann abläuft und welche Impfung notwendig wäre. Doch im Elbe-Elster-Kreis ist die Resonanz auf die Aktion gering. Von Christina Dirlich

„Bis jetzt ist die Resonanz bei den Kunden sehr verhalten, die meisten Fragen werden zur Grippeschutzimpfung gestellt“ , sagt Martina Böhm, Apothekerin in Bad Liebenwerda. Den meisten Kollegen geht es wie ihr in diesen Tagen. Die Aktion wird von den Kunden im Kreis kaum angenommen. Im Moment gebe es nur ein Thema: Grippeschutz. „Viele sind panisch wegen der Vogelgrippe“ , sagt die Apothekerin. Dass die Beratung zum Impfschutz aber zahlreiche Infektionskrankheiten umfasst, ist den Kunden offenbar nicht bewusst. In der Melanchthon-Apotheke ist bisher niemand mit seinem Impfbuch aufgetaucht.

Alle Altersgruppen sollten sich impfen
Vielleicht hätten die Apotheker deutlicher auf diese Aktion hinweisen sollen, meint Martina Böhm. Allerdings sei das Impfen eigentlich Aufgabe der Ärzte. Normalerweise würden Kunden in der Apotheke nur nachfragen, welche Reaktionen nach einer Impfung auftreten könnten oder ob eine Impfung für sie sinnvoll sei. Genauso gehören Beratungen vor Reisen zum Alltag der Apotheker.
Gegen Diphtherie, Tetanus, Polio, Keuchhusten, Masern, Mumps und Röteln sollten sich alle Altersgruppen impfen lassen, empfiehlt die Apothekerin aus Bad Liebenwerda. Diphtherie etwa sei in Osteuropa auf dem Vormarsch. „Ebenso wichtig sind Hepatitis A und B, für alle, die in fremde Länder reisen.“ Und auch die so genannten Kinderkrankheiten sollten Erwachsene nicht als ungefährlich abtun. Wenn Männer an Mumps erkranken, können sie steril werden, so die Bad Liebenwerdaer Apothekerin.
In welchen Abständen der Impfschutz wieder aufgefrischt werden muss, hängt vom Impfstoff ab. Vor allem bei Kindern habe sich die so genannte Sechsfach-Impfung durchgesetzt. Eine Spritze beinhaltet sechs Impfstoffe - das Kind muss nur einmal antreten. Jede Impfung wird vom Arzt in den Impfausweis eingetragen. „Wer ins Ausland fährt, sollte den Ausweis mitnehmen“ , rät Martina Böhm.
„Für die Leute sind Grippe und AOK-Hausapothekenmodell im Moment interessanter“ , erklärt Peter Stenger. Auch in seine Löwenapotheke in Mühlberg kam seit Anfang des Monats noch niemand, um sich über Schutzimpfungen beraten zu lassen. Für alle, die sowieso wüssten, dass sie geimpft seien, sei so eine Beratung natürlich überflüssig. Er habe den Eindruck, die Hausärzte achteten darauf, dass ihre Patienten keine Impfung verpassten. Besonders bei Kindern funktioniere diese Betreuung sehr gut, so Peter Stenger. Er hält Tetanus für die wichtigste Schutzimpfung. „Die ist zehnjährig, deshalb vergisst man die gern“ , sagt der Apotheker.
Rainer Krüger aus der Linden-Apotheke in Falkenberg hat bisher erst ein entsprechende Nachfrage registrieren können. „Ein Großteil der Leute wird von der Aktion gar nichts wissen“ , vermutet er den Grund für die magere Resonanz zu wissen. „Ich hatte mir im Vorfeld mehr Öffentlichkeitsarbeit von der Kammer erhofft“ , gibt er zu und verweist auf die Plakate, die im Schaufenster der Apotheke auf das Angebot hinweisen und hoffentlich noch den einen oder anderen auf die Impfberatung aufmerksam machen.
Stephan Creuzburg, Inhaber der Stadt-Apotheke in Elsterwerda, hält die Impfberatungsaktion für problematisch. „Das ist ein Bereich, der eigentlich für Ärzte vorgesehen ist“ , sagt er. Deshalb sei er nicht glücklich, dass die Beratung von den Apotheken durchgeführt werden soll. „Die Konsequenz aus der Beratung ist eine ärztliche Behandlung, da sollte der Arzt besser auch beraten“ , meint Stephan Creuzburg. Dabei sei er überzeugt, dass Impfen wichtig sei. „Mir wäre es aber lieber, wir hätten gesetzlich vorgeschriebene Impfungen.“
Auch in der Adler-Apotheke in Herzberg ist die Resonanz auf die Beratungsaktion bisher gering. Inhaber Hans-Heinrich Krug ist Sprecher der Landesapothekerkammer Brandenburg für den Landkreis Elbe-Elster. Er schiebt die geringe Nachfrage auf die „allgemeine Impfmüdigkeit“ . „Weil das Impfen keine Pflicht mehr ist, wird auch kein Wert darauf gelegt“ , meint der Apotheker. Und auch er wünscht sich, dass das Gesundheitsministerium ein Auge auf die Schutzimpfungen haben sollte.

In Finsterwalde gab es Interessenten
Gegen den Kreistrend gab es in in Finsterwalde einige Interessenten an der Beratungsaktion. Roland Lichan, Chef der Schlossapotheke, spricht von „etwa drei bis vier Besuchern, in den letzten zwei Tagen, die sich beraten ließen“ . Die geringe Zahl sei auf die kurze Dauer der Aktion zurückzuführen. Allerdings wäre die Mehrheit anfangs ohne Impfausweise aufgetaucht, wodurch dem Apotheker grundlegende Informationen fehlten. Die Kunden fragten vor allem nach Informationen zu nichtvorhandenen oder aufzufrischenden Impfungen, sowie zu besonders häufig in dieser Jahreszeit auftretenden Krankheiten und möglichem Schutz vor ihnen.

Service Impfkalender
Mit der Geburt: 1. Impfung Hepatitis B (wenn Mutter Virus trägt)
Ab 3. Lebensmonat: 1. Impfung gegen Diphtherie, Pertussis (Keuchhusten), Tetanus, Haemophilus influenzae Typ b (Hib), Kinderlähmung (Poliomyelitis), Hepatitis B.
Ab Beginn 4. Monat: 2. Impfung gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus, Haemophilius influenzae Typ b (Hib)
Ab Beginn 5. Monat: 3. Impfung gegen Diphtherie, Keuchhusten, Tetanus und Haemophilius influenzae Typ b (Hib); 2. Impfung gegen Hepatitis B und Kinderlähmung.
Ab Beginn 12. bis 15. Monat: 4. Impfung gegen Diphterie, Keuchhusten, Tetanus und Haemophilius influenzae Typ b (Hib); 3. Impfung gegen Hepatitis B und Kinderlähmung; 1. Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln.
Ab Beginn 6. Jahr: Auffrischimpfung gegen Tetanus und Diphtherie; 2. Impfung gegen Masern, Mumps, Röteln.
11. bis 15. Jahr: Auffrischimpfung gegen Keuchhusten, Kinderlähmung, Tetanus, Diphtherie, Impfung gegen Röteln (Mädchen) und Hepatitis B (Jungen).
Erwachsene: Auffrischimpfungen gegen Diphtherie und Tetanus alle zehn Jahre, bei Poliomyelitis alle zehn Jahre bei Gefährdung, z. B. Reisen in südliche Länder.
Quelle: Ständige Impfkommission des Bundesgesundheitsamtes (STIKO).