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| 17:26 Uhr

Das half kein Zaubertrank: 16 Jahre Warten auf einen Notgehweg
Die Gallier kommen aus Langenrieth 

Langenrieth. Fast 16 Jahre Warten auf einen Notgehweg – Ortsvorsteher Jan Fromm hat dafür kein Verständnis. Von Frank Claus

Ewig betteln – das ging den Einwohnern von Langenrieth schon lange auf den Kranz. Deshalb haben rüstige Männer des Ortsteils der Stadt Bad Liebenwerda selbst Hand angelegt und einen etwa 250 Meter langen „Notgehweg“ angelegt. Angesichts der qualitativ hochwertigen Ausführung ist er beileibe nicht nur eine Notlösung.

Ortsvorsteher Jan Fromm: „Wir wollten einfach, dass Kinder sicherer zur Schule kommen und Älteren einen ordentlichen Fußweg bieten, der auch mit Rollator gut zu befahren ist. Eine Frau war in dem unbefestigten Abschnitt schon gestürzt und spürt angesichts der ramponierten Kniescheibe noch heute Folgeschäden.“

Alles begann im Jahre 2001. Im Rahmen einer Dienstaufsichtsbeschwerde erklärte sich die Stadt Bad Liebenwerda bereits in diesem Jahr gegenüber dem Straßenverkehrsamt bereit, in absehbarer Zukunft in Langenrieth eine Notgehbahn anzulegen. Ziel war eine Verbesserung der Verkehrssicherheit von Fußgängern. Einfach gemacht ist den Langenriethern der Bau freilich nicht. Manchmal hätten sie sich gefühlt wie die Aufrührer aus dem berühmten kleinen gallischen Dorf. Nun ist Ortsvorsteher Jan Fromm nicht Asterix und einen Zaubertrunk haben die Langenriether – abgesehen vom Feierabendbier nach getaner Arbeit –  auch nicht bekommen. Aber sie haben es geschafft – einen Gehweg errichtet, über den sich das ganze Dorf freut.

Dabei ist ihnen noch im Jahr 2016 aus dem Rathaus „gedroht“ worden: „lch fordere Sie auf, etwaige Bautätigkeiten in Eigeninitiative zu unterlassen“, hieß es mit Hinweis auf fehlende Haushaltsmittel: „Unabhängig von der grundsätzlichen Zustimmung des Landesbetriebes Straßenwesen und dem zwischen uns bestehenden Konsens, dass ein Notgehweg die örtliche Situation insbesondere für die Schulkinder verbessern würde, ist die Realisierung der Maßnahme nur möglich, wenn dafür die erforderlichen Haushaltsmittel zur Verfügung stehen“, hieß es aus der Bad Liebenwerdaer Regierungszentrale.

Die Gallier – sorry Langenriether – ließen sich nicht beirren, erkämpften 8000 Euro für das Projekt und legten in Eigeninitiative los. „Leider musste schon ein erster großer Teil des Geldes, ungefähr 3300 Euro, für verpflichtende Naturschutzmaßnahmen verwendet werden. Als Baumaterial wurden von der Stadt 625 Borde, zwei Paletten Zement, 50 Tonnen Mineralgemisch und 30 Tonnen Sächsische Wegedecke bereitgestellt“, so Jan Fromm. Joachim Harnack, Ortsvorsteher im benachbarten Neuburxdorf, besorgte für den Unterbau 80 Tonnen Recycling. Die Agrargenossenschaft Mühberg half bei Schachtarbeiten und der Entsorgung des Aushubes.

Nach 14 Monaten Bauzeit und 200 Monaten (gut 16 Jahre !!) Warten ist die 250 Meter lange Notgehbahn nun fertig.

Für Jan Fromm mit zwei Konsequenzen: Erstens gibt es für alle Helfer nun doch bald einen „Zaubertrunk“ und zweitens ist er sich sicher: Ortsteile werden sich das nicht noch einmal bieten lassen. Das soll man schon bei der nächsten Kommunalwahl spüren.

Ortsvorsteher Jan Fromm am Notgehweg.
Ortsvorsteher Jan Fromm am Notgehweg. FOTO: LR / Frank Claus