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Noch immer mit wachem Blick

Elsterwerda. Er ist fit wie ein Turnschuh. Macht als Mann immer noch was her, wirkt klar und entschlossen wie eh und je. 68 soll er schon sein? Nicht mal beim zweiten Blick würde das jemand vermuten. Walter Kroker. Nach der Wende war er erst stellvertretender Landrat im damaligen Kreis Bad Liebenwerda. Später arbeitete er in der Cheffunktion im neu gebildeten Elbe-Elster-Kreis. Und schließlich war er bis August 2006 Erster Beigeordneter im Oberspreewald-Lausitz-Kreis. Von Frank Claus

Nun zählt er, der schon immer mit seiner grau-weißen Haarpracht, seiner Figur und Ausstrahlung Frauenblicke besonders anzog, zu den „Silberzwiebeln“, wie er die ältere Damen- und Herrenriege gern scherzhaft nennt. Doch er fühlt sich keineswegs so. Zweimal in der Woche geht er in Elsterwerda mit seiner Ehefrau Gabriele ins Sportstudio. „Wir genießen das. Meine Frau hatte als Lehrerin schon immer Kontakt mit jungen Leuten, und ich freue mich immer über die offene, herzhafte, ja ungezwungene Art der Unterhaltung“, sagt Kroker mit wachem Blick. Seine Hobbys sind unverändert geblieben: Wintersport mit Abfahrtslauf und allem Drum und Dran, Bergwandern, Rad fahren, schwimmen. Und seit sechs Jahren drückt er wieder mal die Schulbank. An der Volkshochschule. „Mein Schwiegersohn ist Spanier“, sagt er und meint verschmitzt: „Da will ich ihn ja auch verstehen.“ Das Vokabelpauken fällt ihm nicht ganz so leicht. „Meine Frau kann sich das alles irgendwie besser merken.“ Dennoch hat er sich im Sommer mit seiner Gattin ins Auto gesetzt und eine 5000-Kilometer-Tour bis nach Spanien und zurück unternommen. Ganz ohne Hotelvorbuchung – alles spontan. „Das würde ich noch mal machen“, zeigt er sich begeistert, obwohl die Basken sich erst ein wenig bockig angestellt hätten mit dem Spanisch der Krokers.

Politik? „Na klar, interessiert mich die heute noch. Und ohne Ihnen Honig um die Backe zu schmieren. Wir lesen früh als Erstes die „RUNDSCHAU“ und „Die Welt“. Ich zuerst das Lokale und dann wechseln wir“, sagt der CDU-Mann. Krokers nehmen auch heute noch viele Veranstaltungen wahr, gehen zu Vorträgen und nutzen viele kulturelle Angebote. „Es ist enorm, was der Kreis da alles zu bieten hat“, sagt Kroker und schiebt nach: „Kulturamtsleiter Pöschl ist ein Glücksfall für den Kreis.“ Dennoch, politisch einsteigen möchte er nirgendwo mehr. Weder in ein Stadtparlament noch anderswo. „Im Kreistag sitzen doch jetzt schon fast nur Senioren“, meint er und will wohl auch mahnen, endlich einen Generationswechsel zu vollziehen.

Und wie sehr bewegt ihn noch jener 24. September 2001, als er mit 24:26 Stimmen als Landrat des Elbe-Elster-Kreises abgewählt worden war? Er möchte nicht mehr darüber reden, ahnt, wer der Abweichler war. Weil die Wahl so zeitig angesetzt worden war – seine Amtszeit währte bis Anfang Februar 2002 – sprach er am Ende seiner Elbe-Elster-Karriere von einem „viermonatigen Begräbnis“ und einem „Abschied, den ich keinem gönne“.

Seit April 2004 war er Erster Beigeordneter im Oberspreewald-Lausitz-Kreis und bewies dort schnell, nicht als „Versorgungsfall seiner Partei“ ins Amt gekommen zu sein. Er war von SPD-Landrat Holger Bartsch für den Posten vorgeschlagen worden und hatte sich um die Organisation der Verwaltung, das Personal, die Wirtschaft und den Bildungssektor zu kümmern. „Als Landrat hast du das Privileg, dich um deine Lieblingsthemen besonders zu kümmern – in Senftenberg musste ich mich in viele Aufgaben richtig neu reinknien. Wenn du nicht fit bist, kannst du auch nicht auf Augenhöhe mit Mitarbeitern und Abgeordneten debattieren“, so seine Erfahrung. Und was sagt er zum Vorwurf, mitunter nicht genügend auf den Tisch geklopft zu haben? „Ich denke, ich habe das. Ich habe auch mal die Beherrschung verloren. Aber eben intern. Mein Prinzip ist – man muss nicht jedermanns Liebling sein, dann ist man jedermanns Toffel.“

Zum Thema:

Zur PersonWalter Kroker, Jahrgang 1943, verheiratet, zwei Töchter; Ausbildung über den zweiten Bildungsweg, Studium Fördertechnik, später Diplom TU Dresden, CDU-Mitglied seit dem 26. Lebensjahr.