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| 16:52 Uhr

Neujahrsempfang Bad Liebenwerda
Wenn Eine absagt, kommen drei Andere

 Auf ein gutes 2019! Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, Götz Heischmann (SVV-Vorsitzender Mühlberg) und die Bürgermeister Thomas Richter (Bad Liebenwerda), Andreas Claus (Uebigau-Wahrenbrück) und Herold Quick (Falkenberg, v.l.n.r.).
Auf ein gutes 2019! Landrat Christian Heinrich-Jaschinski, Götz Heischmann (SVV-Vorsitzender Mühlberg) und die Bürgermeister Thomas Richter (Bad Liebenwerda), Andreas Claus (Uebigau-Wahrenbrück) und Herold Quick (Falkenberg, v.l.n.r.). FOTO: LR / Frank Claus
Bad Liebenwerda. Kurstadtregion zelebriert demonstrative Einigkeit beim Neujahrsempfang in Bad Liebenwerda. Von Frank Claus

Nein. Es gibt sie nicht, die atmosphärischen Störungen zwischen den Städten Bad Liebenwerda und Elsterwerda. Das beteuern die Elsterwerdaer Bürgermeisterin Anja Heinrich und ihr Bad Liebenwerdaer Amtskollege Thomas Richter (beide CDU) in offiziellen Statements jedenfalls immer wieder. Doch wer die Untertöne vernimmt, hört anderes. In Bad Liebenwerda gibt es beim Neujahrsempfang in der Aula der neuen Oberschule am Freitag jedenfalls kaum Verständnis. „Das war doch eine gute Sache“, heißt es beim Häppchenessen, Sekt- und Bierschlürfen.

Zum ersten Mal seit 2007 findet im gemeinsamen Mittelzentrum Elsterwerda-Bad Liebenwerda wieder ein getrennter Neujahrsempfang statt. Elsterwerdas Bürgermeisterin will im März einen Bürgerempfang in ihrer Stadt durchführen und entstehende Risse bei einem späteren Tag des Mittelzentrums kitten.

Wer nun geglaubt hätte, Bad Liebenwerdas Neujahrsempfang wird zur Ein-Mann-Show und Bürgermeister Thomas Richter würde die Chance nutzen, um Lobesarien über seine Stadt anzustimmen, sieht sich getäuscht. Es wirkt fast demonstrativ, dass das Kurstadt-Oberhaupt eine Absage gleich mit drei, Landrat Christian Heinrich-Jaschinski inbegriffen, sogar vier Zusagen kompensiert. Anja Heinrich bleibt übrigens fern, nimmt eine Einladung in die polnische Partnerstadt an.

Rockig-temperamentvoll beginnt der Abend. Malte Jentzsch haut so richtig aufs neue, von der Stadt finanzierte Schlagzeug. Benjamin Peter und Samira Schützel-Vogel bestechen mit Stimme.

Anstelle Neujahrsrede folgt eine Podiumsdiskussion zur neu entstehenden Kurstadtregion, die ab 1. Januar 2020 Verbandsgemeinde Liebenwerda heißen und ein flotter Vierer werden soll. Zwischen Bad Liebenwerda, Falkenberg, Uebigau-Wahrenbrück und Mühlberg, so wird immer wieder beteuert, passt kein Haar mehr. Unter ziemlich glatt gebügelter Moderation klopfen sich die drei Bürgermeister und der in Vertretung der erkrankten Mühlberger Bürgermeisterin hinzugezogene Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung, Götz Heischmann, verbal gegenseitig auf die Schulter.

Dabei, so wird argumentiert, habe die neue Gebietsstruktur tatsächlich Potenzial und sei das Konzept, um Zukunft sicher gestalten zu können. „Das alles war ein langer Prozess“, sagt Herold Quick aus Falkenberg und lässt in die Geschichte blicken. Denn zunächst hatten Falkenberg und Uebigau-Wahrenbrück nämlich mit Herzberg Liebesblicke ausgetauscht. „Als wir nach dem fünften Mal merkten, es hat keinen Sinn“, hätte man Amorpfeile gen Mühlberg und Bad Liebenwerda verschossen. „Wenn wir nicht reagieren, werden wir regiert“, meint Andreas Claus und konstatiert: „Im Kern sind wir schon gut, in der Fläche präsent.“ Denn keiner dürfe vergessen werden. „Unsere neue Verbandsgemeinde hat 47 Ortsteile, die wir mitnehmen wollen“, ergänzt er. Götz Heischmann sieht das alles auf einem guten Weg. „Wir haben erfrischende Ideen, deren Umsetzung allen zugute kommen werden.“ Und Bürgermeister Thomas Richter verweist auf die Alleinstellung und die Pflicht zur Unterstützung durch das Land: „Wir sind Pilot(projekt) und wollen für unsere Entwicklung auch was abschöpfen.“ Nur einmal wird er da ganz Kurstadt-bezogen: „Wir wollen Heilbad werden und im Sog dieser Entwicklung alle mitziehen.“ Für Landrat Christian Heinrich-Jaschinski ist es ein Schritt in die richtige Richtung: „Wenn man künftig mit 25 000 Einwohnern im Rücken mit einer Sprache spricht, wird das in Potsdam nicht zu überhören sein.“

Es folgt ein vielleicht etwas zu langes Kulturprogramm der Oberschule mit leider auch einem eher unpassenden und am Ende dann doch einem weiteren, wieder passenden Titel: „Doch die wahre Macht, die uns regiert, ist die schändliche, unendlich, verzehrende, zerstörende – und ewig unstillbare Gier“, heißt es im wiedergegebenen Titel aus dem „Tanz der Vampire“. Bleibt zu hoffen, dass die Gier die Verbandsgemeinde nicht zusammenhält, und anstelle dessen Udo Lindenbergs „Wir ziehen in den Frieden“ das Handeln bestimmt.

 Wir ziehen in den Frieden – Udo Lindenbergs Song ist nachdenklicher und Optimismus verbreitender Schlusspunkt beim Empfang in der Aula der Oberschule.
Wir ziehen in den Frieden – Udo Lindenbergs Song ist nachdenklicher und Optimismus verbreitender Schlusspunkt beim Empfang in der Aula der Oberschule. FOTO: LR / Frank Claus
 Samira Schützel-Vogel gehört zu den Solistinnen und Solisten des Abends.
Samira Schützel-Vogel gehört zu den Solistinnen und Solisten des Abends. FOTO: LR / Frank Claus