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Neuer Stundenlohn für Maurer: 30 Pfennig

Region.. Wie sah es vor hundert Jahren in der Region aus„ Ottokar Jakob hat für Sie im Liebenwerdaer Kreisblatt geblättert: Spitzenmeldung in unserer Heimatzeitung: Der Nummernruf in preußischen Gefängnissen ist abgeschafft worden.

Bisher war es Vorschrift, die Häftlinge mit ihren Zellennummern zu rufen und mit Du anzusprechen. Mit dieser Art Herabsetzung ist nun Schluss. Für Insassen von Zuchthäusern sowie für jugendliche Straftäter bleibt es bei den bisherigen Regelungen. Erst im April war das leerstehende Gerichtsgefängnis von Elsterwerda durch den Herrn Oberstaatsanwalt von Prittwitz aus Naumburg einer Revision unterzogen worden, da klopfte schon 14 Tage später der nächste Revisor an die Tür. Diesmal war es der Landgerichtspräsident Metzger aus Torgau. Der Herr Präsident nahm unter anderem an einer Sitzung des Schöffengerichts teil und zeigte sich mit dem Ergebnis seiner Überprüfung sehr zufrieden.
Aus Berlin ist der Königliche Kriminalkommissar Nasse in Uebigau eingetroffen. Er hat im Gasthof „Zum Roten Hirsch“ Quartier bezogen. Der Kommissar soll den mysteriösen Gelddiebstahl aufklären, der sich in der Nacht vom 10. zum 11. Februar ereignet hat. Für zweckdienliche Hinweise, die zur Ermittlung des Täters führen, wird die ursprünglich ausgesetzte Summe von 500 auf 1000 Mark heraufgesetzt. Schon 14 Tage später bringt unsere Heimatzeitung die brandneue Meldung aus Uebigau, dass dort ein der Tat verdächtiger Bürger verhaftet und ins Gefängnis Liebenwerda überführt worden ist.
In der Grube „Pauline“ bei Schönborn ereignete sich ein tödlicher Unfall. Der Bergmann Michaelsky hatte sich in einen Schachtabschnitt begeben, der wegen Lebensgefahr gesperrt war. Dort brach eine Wand herunter, die den Unglücklichen unter sich begrub. Der 49-Jährige war Vater einer kinderreichen Familie.
Die wochenlangen Mauerstreiks in Mühlberg, die sogar die Polizei auf den Plan gerufen hatte, sind nunmehr beendet. Herr Maurermeister Jentzsch hat seinen Maurern einen Stundenlohn von 30 Pfennig für dieses Jahr und von 32 Pfennig für das nächste Jahr zugesagt. Daraufhin haben zehn Maurer die Arbeit bei ihm wieder aufgenommen.
Am 10. und 11. Mai toben über dem Kreis Liebenwerda heftige Gewitter. In Saathain wird die Frau des Wirtschaftbesitzers Müller vom Blitz erschlagen. In Frauwalde brennt eine massive Scheune vollständig nieder, in Dolsthaida ein Stallgebäude, wobei sechs Kühe und der Hofhund an der Kette vom Blitz erschlagen werden. In Gröden fährt der Blitz ins Pfarrhaus. Dienstmädchen und Pfarrer kommen mit Brandwunden und einem gehörigen Schrecken davon. Warum - so fragt unsere Heimatzeitung - werden öffentliche Gebäude nicht besser durch Blitzableiter geschützt“
Ein mächtig-gewaltiger Glückwunsch aus dem Volksmund geht per Inserat nach Kröbeln: „Dem Junggesellen Arno Nietzsche zu seinem Wiegenfeste ein 9999999mal donnerndes Hoch, dass die ganze Mühle wackelt und Arno vor Freude zappelt.“
Letztes in Kürze: Herr Orgelbauer Voigt inseriert, dass er am 1. Juli 1905 in Liebenwerda eine Orgelbauanstalt mit elektrischem Antrieb eröffnet hat. Herr Gebhardt aus Hannover hat in Gröden eine Dampfmolkerei eingerichtet. Lönnewitz soll endlich eine Schule erhalten. Diese soll nun den Rittergutsbesitzern Hacke aus Alt-Lönnewitz und Landmann aus Neu-Lönnewitz errichtet werden.