Manuela Tillmann aus Mühlberg und Matthias Hensel aus Herzberg gehören derzeit zu den acht Schöffen am Amtsgericht Bad Liebenwerda. Zusammen mit dem Vorsitzenden des Schöffengerichtes, Richter Egon Schaeuble, haben sie die Aufgabe, sich in Strafprozesse aktiv bei der Urteilsfindung einzubringen. "Bereits 2009 war ich Hilfsschöffe", erklärt Manuela Tillmann, "und als eine der Schöffen beruflich bedingt ihre Tätigkeit nicht mehr ausüben konnte, bin ich nachgerückt." Seither habe sie in einigen Strafprozessen neben Richter Schaeuble gesessen. "Ich habe unglaublich viel gelernt am Gericht und hätte nicht geglaubt, was in unserem Landkreis los ist", sagt die Schöffin. Manuela Tillmann ist darüber hinaus Schiedsfrau in ihrer Gemeinde und schlichtet Nachbarschaftsstreitereien. Die Ehrenämter übe sie gern aus, sagt sie.

Matthias Hensel hat von der Suche des Amtsgerichtes nach Schöffen in Herzberg erfahren. "Ich hatte mich schon früher dafür interessiert", erinnert sich Matthias Hensel, der auch für die Partei Die Linke im Stadtrat von Herzberg sitzt. Im Gericht habe er viel Neues gelernt. Wie ein Prozess geführt und ein Urteil gefunden wird, sind dabei nur einige Beispiele. Besonders sei er aber von der "anderen Seite der Gesellschaft, die allzu oft von der Öffentlichkeit nicht wahrgenommen wird", schockiert. "Man glaubt gar nicht, was man hier alles mitbekommt", sagt er.

In der Regel wird ein Schöffe einmal im Monat zu einer Sitzung herangezogen, so Schöffenvorsitzender Schaeuble. Es sei jedoch nicht ausgeschlossen, dass diese Zahl bei größeren Verfahren vor dem Landgericht überschritten wird. Für die Teilnahme an den Verfahren erhalten die Schöffen einen Verdienstausfall und eine Kostenpauschale für die An- und Abreise. Für eine Verhandlung muss der Arbeitgeber den Schöffen freistellen.

"Die verantwortungsvolle Aufgabe des Schöffen verlangt in hohem Maße Unparteilichkeit, Menschenkenntnis und geistige Beweglichkeit", stellt Richter Egon Schaeuble heraus. Das ehrenamtliche Schöffenamt könne jeder deutsche Staatsbürger ausüben, der zwischen 25 und 69 Jahren alt ist, und keine Freiheitsstrafe über sechs Monate in seinem Leben erhalten habe. Die gegenwärtige Schöffenlegislatur endet am 31. Dezember 2013. "Wir suchen deshalb aus dem Landkreis Elbe-Elster 68 neue Schöffen. 48 für das Amtsgericht in Bad Liebenwerda und 20 für das Landgericht Cottbus", so der Richter. Die zu wählenden Schöffen werden von den Gemeinderäten der Gemeinden des Landkreises vorgeschlagen. "Wer an dem Schöffenamt interessiert ist, sollte sich daher möglichst umgehend bei den Verwaltungen ihrer Wohnortgemeinden formlos melden", erklärt Egon Schaeuble. Bis zum 28. Februar hätten interessierte Bürger die Möglichkeit, sich von ihren Gemeindevertretern vorschlagen zu lassen. "Ich kann jedem nur empfehlen", ist sich Manuela Tillmann sicher, "sich aktiv am Gerichtsalltag als Schöffe zu beteiligen."

Zum Thema:
Die gegenwärtige Legislaturperiode der Schöffen endet am 31. Dezember 2013. Für 2014 bis 2018 sucht das Amtsgericht 68 neue ehrenamtliche Schöffen. 48 sollen beim Amtsgericht Bad Liebenwerda und 20 am Landesgericht Cottbus eingesetzt werden. Weitere Auskünfte unter Telefon 035341/604155.