Von Manfred Feller

Das letzte greifbare Heft mit dem Titel „Erotik“ hütet Ingrid Moosdorf wie ihre Augäpfel. Die Witwe und Nachlassverwalterin des 2014 im Alter von 75 Jahren verstorbenen Künstlers Heinz-Detlef Moosdorf hat allen Grund dazu. Neben den selbst reflektierenden Versen des Künstlers und keine Körperrundung verhüllenden Akt-Akquarellen findet sich darin auch eine besondere Liebeserklärung an seine Jugendliebe Ingrid. Jahrzehnte aus den Augen verloren, heiratet er sie drei Jahre vor seinem Tod.

Unverhüllte Frauen standen ein ums andere Mal Modell für Moosi, wie er heute noch von seinen Freunden genannt wird. Einen kleinen Einblick in die erotische Gedankenwelt des Heinz-Detlef Moosdorf zeigt nach Bad Liebenwerda ab sofort die zweite ihm gewidmete Ausstellung in der Kleinen Galerie „Hans Nadler“ in Elsterwerda.

Den Schwerpunkt der mehr als zwei Dutzend Werke umfassenden Schau bilden jedoch dessen bemerkenswert aussagekräftige, detailreiche und oft tiefsinnige Linolschnitte. Der Mann beherrschte diese Kunst des Verkehrtherumdenkens und -arbeitens bis hin zur Perfektion. Wer sich die Grafiken anschaut, sollte sich Zeit nehmen. Auch beim dritten Rundgang entdeckt der Betrachter neue Details und hat dennoch nicht alles gesehen.

„Feuer, Asche und Liebe waren lebenslang seine Themen“, sagt Ingrid Moosdorf rückblickend. Sie hätten ihre Ursprung in den Kriegserlebnissen als Kind und im frühen Tod des Vaters. Ungeschminkte Landschaften und vom Leben gezeichnete ukrainische Gesichter sind ebenso darunter, wie das Aufnehmen des scheidenden Menschen von Natur und Himmel. In Elsterwerda ist nur eine kleine Auswahl auch von markant gezeichneten Skulpturen zu sehen.

„Er hatte außergewöhnliche Ideen. Er war aber auch impulsiv und immer für eine Überraschung gut“, erinnert sich sein Freund Klaus Kunschke vom Galeriebeirat in Elsterwerda. Heinz-Detlef Moosdorf, kam 1991 nach Haida und blieb.

Nach seinem Einser-Diplom an der Hochschule für bildende Kunst in Dresden ließ er sich 1963 in der Elbe-Stadt freischaffend nieder.  1969 folgte er der Aufforderung des V. Parteitages der SED: Künstler mögen bitte dorthin gehen, wo Geld entsteht – in die Betriebe. Im Falle Moosdorf war es das Stahl- und Walzwerk Gröditz als ein Auftraggeber. Studienreisen führten ihn 1969 mit Prof. Werner Tübke nach Bulgarien und in die Sowjetunion sowie 1976 nach Afrika. 1976 war er Mitunterzeichner des offenen Briefes gegen die Biermann-Ausbürgerung und erhielt daraufhin ein mehrjähriges Ausstellungsverbot.

Galerieöffnung: dienstags bis samstags 12 bis 17 Uhr, sonntags 14 bis 17 Uhr.

Galeriegespräch: am Freitag, dem 16. August, 19 Uhr, mit der Laudatio seines Jugendfreundes und Schriftstellers Rudolf Scholz.