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| 18:14 Uhr

Neue Ausstellung in Elsterwerda
Pure Lust und ukrainische Gesichter

 Drei von vielen Linolschnitten, die Heinz-Detlef Moosdorf geschaffen hat. Präsentiert werden sie vor der Galerie in Elsterwerda vom Grafiker Michael Thomas Sachs, von Ingrid Moosdorf und Klaus Kunschke vom Galeriebeirat.
Drei von vielen Linolschnitten, die Heinz-Detlef Moosdorf geschaffen hat. Präsentiert werden sie vor der Galerie in Elsterwerda vom Grafiker Michael Thomas Sachs, von Ingrid Moosdorf und Klaus Kunschke vom Galeriebeirat. FOTO: LR / Manfred Feller
Elsterwerda. Maler, auch der unverblümten Erotik, Grafiker, Skulpteur, Gesellschaftskritiker, Gartenkünstler, Freizeitgeologe und noch viel mehr war der aus Sachsen stammende Heinz-Detlef Moosdorf. Haida war seine letzte Schaffensstation. Drei Ausstellungen werden ihm gewidmet. Am 27. September wäre er 80 Jahre alt geworden. Von Manfred Feller

Das letzte greifbare Heft mit dem Titel „Erotik“ hütet Ingrid Moosdorf wie ihre Augäpfel. Die Witwe und Nachlassverwalterin des 2014 im Alter von 75 Jahren verstorbenen Künstlers Heinz-Detlef Moosdorf hat allen Grund dazu. Neben den selbst reflektierenden Versen des Künstlers und keine Körperrundung verhüllenden Akt-Akquarellen findet sich darin auch eine besondere Liebeserklärung an seine Jugendliebe Ingrid. Jahrzehnte aus den Augen verloren, heiratet er sie drei Jahre vor seinem Tod.

 Der Maler und Grafiker Heinz-Detlef Moosdorf (1939 bis 2014).
Der Maler und Grafiker Heinz-Detlef Moosdorf (1939 bis 2014). FOTO: Privat

Unverhüllte Frauen standen ein ums andere Mal Modell für Moosi, wie er heute noch von seinen Freunden genannt wird. Einen kleinen Einblick in die erotische Gedankenwelt des Heinz-Detlef Moosdorf zeigt nach Bad Liebenwerda ab sofort die zweite ihm gewidmete Ausstellung in der Kleinen Galerie „Hans Nadler“ in Elsterwerda.

Den Schwerpunkt der mehr als zwei Dutzend Werke umfassenden Schau bilden jedoch dessen bemerkenswert aussagekräftige, detailreiche und oft tiefsinnige Linolschnitte. Der Mann beherrschte diese Kunst des Verkehrtherumdenkens und -arbeitens bis hin zur Perfektion. Wer sich die Grafiken anschaut, sollte sich Zeit nehmen. Auch beim dritten Rundgang entdeckt der Betrachter neue Details und hat dennoch nicht alles gesehen.

 Für die ausgestellten Grafiken sollte sich der Betrachter Zeit nehmen.
Für die ausgestellten Grafiken sollte sich der Betrachter Zeit nehmen. FOTO: LR / Manfred Feller

„Feuer, Asche und Liebe waren lebenslang seine Themen“, sagt Ingrid Moosdorf rückblickend. Sie hätten ihre Ursprung in den Kriegserlebnissen als Kind und im frühen Tod des Vaters. Ungeschminkte Landschaften und vom Leben gezeichnete ukrainische Gesichter sind ebenso darunter, wie das Aufnehmen des scheidenden Menschen von Natur und Himmel. In Elsterwerda ist nur eine kleine Auswahl auch von markant gezeichneten Skulpturen zu sehen.

„Er hatte außergewöhnliche Ideen. Er war aber auch impulsiv und immer für eine Überraschung gut“, erinnert sich sein Freund Klaus Kunschke vom Galeriebeirat in Elsterwerda. Heinz-Detlef Moosdorf, kam 1991 nach Haida und blieb.

 Gern gemalt von Moosdorf: Akte.
Gern gemalt von Moosdorf: Akte. FOTO: LR / Manfred Feller

Nach seinem Einser-Diplom an der Hochschule für bildende Kunst in Dresden ließ er sich 1963 in der Elbe-Stadt freischaffend nieder.  1969 folgte er der Aufforderung des V. Parteitages der SED: Künstler mögen bitte dorthin gehen, wo Geld entsteht – in die Betriebe. Im Falle Moosdorf war es das Stahl- und Walzwerk Gröditz als ein Auftraggeber. Studienreisen führten ihn 1969 mit Prof. Werner Tübke nach Bulgarien und in die Sowjetunion sowie 1976 nach Afrika. 1976 war er Mitunterzeichner des offenen Briefes gegen die Biermann-Ausbürgerung und erhielt daraufhin ein mehrjähriges Ausstellungsverbot.

 Ein Selbstbildnis und ein Gedicht des Künstlers.
Ein Selbstbildnis und ein Gedicht des Künstlers. FOTO: LR / Manfred Feller

Galerieöffnung: dienstags bis samstags 12 bis 17 Uhr, sonntags 14 bis 17 Uhr.

 In der Galerie sind auch einige wenige Skulpturen von Heinz-Detlef Moosdorf zu sehen.
In der Galerie sind auch einige wenige Skulpturen von Heinz-Detlef Moosdorf zu sehen. FOTO: LR / Manfred Feller

Galeriegespräch: am Freitag, dem 16. August, 19 Uhr, mit der Laudatio seines Jugendfreundes und Schriftstellers Rudolf Scholz.

 Im Zuge einer Studienreise durch die Ukraine entstanden Porträts.
Im Zuge einer Studienreise durch die Ukraine entstanden Porträts. FOTO: LR / Manfred Feller
 Das Stahl- und Walzwerk in Gröditz war ein Auftraggeber des Künstlers und wurde folglich auch dargestellt.
Das Stahl- und Walzwerk in Gröditz war ein Auftraggeber des Künstlers und wurde folglich auch dargestellt. FOTO: LR / Manfred Feller