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| 17:32 Uhr

Bad Liebenwerda redet nicht nur
Feuerwehr-Revolution in Bad Liebenwerda

7. April dieses Jahres: Ein leerstehendes Wohnhaus in Bad Liebenwerdas Zentrum brennt. Eine Gasflasche explodiert. Nur Sekunden früher, und einem Kameraden hätten die Metallteile schweren Schaden zufügen können.  
7. April dieses Jahres: Ein leerstehendes Wohnhaus in Bad Liebenwerdas Zentrum brennt. Eine Gasflasche explodiert. Nur Sekunden früher, und einem Kameraden hätten die Metallteile schweren Schaden zufügen können.   FOTO: LR / Frank Claus
Bad Liebenwerda. 60 400 Euro zahlt Bad Liebenwerda jährlich an Entschädigungen für Kameraden der Feuerwehr – nun wird dieser Betrag mehr als verdoppelt. 140 000 Euro sollen im Haushalt eingestellt werden. Von Frank Claus und Heike Lehmann

Sie wollen nicht länger reden und immer nur einen feuchten Händedruck geben: Bad Liebenwerdas Abgeordnete werden in ihrer Stadtverordnetenversammlung am Mittwoch vermutlich eine Revolution auslösen, mindestens aber eine Welle. Die Beschlussvorlage, die in allen beratenden Ausschüssen bereits einstimmig mit vielen Worten der Wertschätzung für die Arbeit der Feuerwehr-Kameraden durchgewunken wurde, sieht eine immense Steigerung der Aufwandsentschädigung vor. Die Stadt Bad Liebenwerda will demnach die eigenen Ausgaben für die Aufwandsentschädigung der Feuerwehr-Kameraden von jetzt 60 000 auf künftig 140 000 Euro erhöhen. Stadtwehrführer Martin Neumann: „Ich bin sehr aufgeregt und beeindruckt, wie geschlossen die Abgeordneten hinter der Feuerwehr stehen. Das zu wissen, tut den Kameraden richtig gut. Bad Liebenwerda setzt mit der neuen Satzung mehr als ein Zeichen, wo doch im Land immer noch debattiert wird.“

Die wichtigste Neuerung: Künftig werden alle Kameraden, die in den Einsatz gehen – egal ob Brand, technische Hilfeleistung, Hochwasser oder Sturmschaden – für jede geleistete volle Stunde fünf Euro erhalten. Berücksichtigt werden auch die ehrenamtlichen Feuerwehrkameraden, welche sich bis zu 15 Minuten nach der Alarmierung als Einsatzreserve an ihrem Standort einfinden.

Wertschätzungen finden auch Ausbildungen, Lehrgänge, Seminare auf kommunaler Ebene. Dauern sie mehr als vier Stunden, ist eine Versorgungspauschale von fünf Euro vorgesehen. Werden sieben Stunden überschritten, gibt es zehn Euro je Kamerad. Auch Wettkämpfe, wie zum Beispiel beim Stadtausscheid, werden gefördert. Für alle Teilnehmer und Helfer steigt die Verpflegungspauschale von fünf auf acht Euro.

Ein Zeichen hat Bad Liebenwerda in der Vergangenheit auch schon mit Prämien für Geburtstage und Jubiläen gesetzt. Ehejubiläen der Kameradinnen und Kameraden werden mit 50 Euro bedacht, bei Geburtstagen gibt es für jedes Altersjahrzehnt einen Zehner. Wer 65 ist und aus dem Dienst ausscheidet, erhält 100 Euro. Auch die Treue-Medaillen der Feuerwehr werden mit Geldbeiträgen versüßt.

Deutlich spezifischer ist die Aufwandsentschädigung für Verantwortungsträger.  Deutlich aufgewertet werden nun die mittleren und „unteren“ Funktionen. „Das war uns sehr wichtig, weil ein motiviertes Führungspersonal entscheidend ist und wir so auch Anreize für alle setzen wollen, die sich qualifizieren möchten“, so Martin Neumann. Eins ist ihm sehr wichtig: „Das Geld wird nicht etwa in einer anderen Feuerwehr-Kostenstelle eingespart. Wir wissen, dass es auch Investitionsstau gibt. Aber, wir wollen neue Wege bei der Anschaffung gehen, auch fahrzeug­spezifisches Leasing bei Großtechnik stärker einführen.“

Die RUNDSCHAU hat bei den Stadtwehrführern mal einen Vergleich gemacht. In Bad Liebenwerda bekommt der Chef monatlich 110 Euro, in Elsterwerda 80, in Finsterwalde 125, in Herzberg 90, in Doberlug-Kirchhian 75 und in Falkenberg 100 Euro. Während in Finsterwalde nur für neun Verantwortungspositionen und in Doberlug-Kirchhain nur für acht eine monatliche Aufwandsentschädigung gezahlt wird, sind es in Bad Liebenwerda mehr als 20, freilich auch bedingt durch die zahlreichen Ortswehren.Elsterwerda hatte für die Kameraden übrigens 2009 schon eine kleine Revolution ausgelöst. Unter dem Stichwort Kameradschaftspflege werden ihnen seitdem sechs Euro je Stunde ausbezahlt – aber nur bei sogenannten kostenpflichtigen Einsätzen und nur, wenn der Verursacher auch ermittelt werden kann. Das sind zum Beispiel Unfälle,  Ölspuren, vorsätzliche Brandstiftungen, Tierrettungen, Fehlfunktionen von Brandmeldeanlagen, Wasser­entfernung aus Gebäuden.

In der Feuerwehr-Branche spricht sich Bad Liebenwerdas Vorstoß langsam rum. Elsterwerdas Stadtbrandmeister Uwe Petersen sagt: „Wir machen das jetzt auch zum Thema“ und in Doberlug-Kirchhain wird man ebenfalls konkret: Die Stadt will die Aufwandsentschädigung für Mitglieder der freiwilligen Feuerwehr einführen beziehungsweise aufstocken. Entsprechende Beschlussvorlagen liegen dem Haupt- und Finanzausschuss am Dienstagabend vor. Der gemeinsame Anstoß dazu kam von den Fraktionen der CDU und SPD-FDP. Auf deren Anregung wurden in den städtischen Haushalt für 2018 zusätzlich 7000 Euro eingeplant, um im Bereich Brandschutz Aufwendungen für ehrenamtliche und sonstige Tätigkeit abzugelten. Für das laufende Jahr sollen diese 7000 Euro jeweils zur Hälfte den Atemschutzgeräteträgern und den Ortsfeuerwehren zugutekommen.

Ab dem 1. Januar 2019 könnte dann eine neue Entschädigungssatzung zum Tragen kommen, sofern die Stadtverordneten der Ausarbeitung der Verwaltung zustimmen. Ausgehend von einem weiterhin größeren Budget für das Feuerwehr-Ehrenamt soll darin verankert werden, dass auch der einfache Feuerwehrmann eine Aufwandsentschädigung von 5 Euro pro Einsatz bekommen soll. Atemschutzgeräteträgern will man zusätzlich 5 Euro zahlen.

Weitere Aufwendungen entfallen auf zusätzliche Dienstposten, die eingeführt werden sollen. Neben Stadtbrandmeister und Stellvertreter, Stadtjugendwart und Stellvertreter soll auch der Stadtgerätewart einen Stellvertreter bekommen und ein Verantwortlicher für den Digitalfunk samt Stellvertreter benannt werden.