ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 22:11 Uhr

Neu im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft
Von feurigen Damen und heiligen Quellen

erlebnisReich Naturpark - so heißt die neue Ausstellung des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft im Schloss Doberlug. Umweltpädagogin Simone Ertle (l.) und Katrin Heinrich, Leiterin des Besucherinformationszentrums, können die Eröffnung am 7. April kaum erwarten.
erlebnisReich Naturpark - so heißt die neue Ausstellung des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft im Schloss Doberlug. Umweltpädagogin Simone Ertle (l.) und Katrin Heinrich, Leiterin des Besucherinformationszentrums, können die Eröffnung am 7. April kaum erwarten. FOTO: Frank Claus / LR
Bad Liebenwerda/Doberlug-Kirchhain. Weshalb 2018 für Lars Thielemann, Chef des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft, ein besonders Jahr ist. Von Frank Claus

Eigentlich müssten ihm die Haare zu Berge stehen angesichts des Aufgabenberges, den er mit seinem Team da erklimmen will. Doch Lars Thielemann, der Chef des Naturparks Niederlausitzer Heidelandschaft, wirkt zufrieden an diesem Morgen in seinem Bad Liebenwerdaer Büro. „2018 – aus Sicht des Naturparks wird das ein besonders Jahr“, sagt er vielsagend. Denn der Park werde für einen Paukenschlag sorgen. Mit einer Ausstellung, die am 7. April im Schloss Doberlug eröffnet werden soll. Und: Der Naturpark habe Aufgaben vom Bund übertragen bekommen, die in nicht allzu langer Zeit dem Elbe-Elster-Land europaweit einen höheren Bekanntheitsgrad einbringen sollen.

Der Reihe nach: Es ist fast vollbracht – die neue Ausstellung „erlebnisREICH Naturpark“ steht vor der Übergabe. Es ist eine außergewöhnliche Präsentation von Schätzen des Naturparks in einem besonderen Fluidum – in den Gewölben des sanierten Doberluger Schlosses. Es ist keine Frontalschau. Kein Bild hängt an der Wand, keine Tafel mit viel Schrift muss gelesen werden.

Schon allein die Ausstellungsmöbel verblüffen, muten an wie ein Ufo oder wie ein Weltraumtanker aus einem Science-Fiction-Film. Kaum zu glauben, dass es da, wo jetzt helles Holz das Auge fasziniert, bald überall flimmern wird, Bilder auf die Wände projiziert werden, Stimmen und Töne erklingen. Umgesetzt haben das Konzept Frauen und Männer, die sonst Kulissen für Filme bauen, die Profis vom  „art departement Studio Babelsberg“. Alles ist vollgestopft mit modernster Technik, die jedoch, so versichern Katrin Heinrich und Ilona Ertle vom künftigen Besucher- und Informationszentrum, kinderleicht zu bedienen sein wird. Apropos Kinder. Für die gibt es nicht nur Hocker, um auch weiter oben alles zu entdecken, sondern auch Nischen, in die sie krabbeln können, um dort Filme zu sehen oder Geräuschen zu lauschen.

Mit Smartphones und Tablets kann 16 Spuren gefolgt werden. Der Spur der genügsamen Riesen zum Beispiel, auf der man alles über den Wald erfährt. Oder man folgt den feurigen Damen und landet im Kohlebergbau, wo die Gruben immer weibliche Namen trugen. Auch wenn für manch Männer die heilige Quelle ein Bier ist, in diesem Falle werden Geheimnisse der Zisterzensiermönche gelüftet. Der Spur des verschollenen Gefieders folgen in den nächsten Tagen schon ganz viele Besucher. Die zwei Touren ins Reich des Auerhahns sind ausgebucht.

„Genau das ist der Effekt, den wir uns noch viel mehr wünschen“, sagt Lars Thielemann. „Die Ausstellung aufsuchen und sich ganz viele Anregungen holen, um später draußen das Wunder Natur wirklich zu spüren und zu entdecken.“ Natürlich wird es weiterhin Flyer geben, aber fast alles, was man wissen muss, gibt es auch gratis aufs Smartphone gebeamt.

Katrin Heinrich und Ilona Ertle können es kaum erwarten. „Das ist eine völlig neue Qualität“, freuen sie sich über ihr eigens, künftiges Reich und über das Umfeld, in dem sie jetzt ausstellen. „Museum und Tourismusverband neben uns – das ist eine Wucht.“ Am liebsten würden sie schon losplappern – von den Höhepunkten, die es da zur Eröffnung im Dreierverbund geben soll. Aber kaum zu fassen: Frauen können schweigen. Dabei sind es gleich drei. Susanne Dobs, die Chefin des Tourismusverbandes, Babette Weber, die Frontfrau im Museumsverbund und eben Katrin Heinrich, die Frau an der Spitze des Naturparkbesucherzentrums – sie alle wollen in wenigen Tagen einen gemeinsamen Aufschlag hinlegen, der sich gewaschen hat.

Da hält sich dann sogar Mann zurück. Lars Thielemann berichtet noch, dass die 600 000 Euro zur Umsetzung des Projektes vom Bundes-Modellvorhaben Land(auf)Schwung stammen und die Sparkassenstiftung „Zukunft Elbe-Elster-Land“ unterstützt hat. Und er versichert: Das Besucherzentrum in Bad Liebenwerda bleibt erhalten und kann nach Vorbestellung auch weiter von Gruppen besucht werden.

Themenwechsel: Dr. Benjamin Schellenberger-Costa ist der Mann, der bedeutende Fauna-Flora-Habitatgebiete im Naturpark nun soweit klassifizieren soll, dass sie bis 2020 dauerhaften Status als europäisches Schutzgebiet erhalten. Da müssen Gespräche mit Flächeneigentümern geführt werden, Betretungsrichtlinien erarbeitet und Bewirtschaftungsfolgen besprochen werden. Da müssen Arten nochmals klassifiziert werden. Acht Gebiete sind im Naturpark festgelegt. Es ist ein Pfund, das belegt, dass im Elbe-Elster-Land in vielen Ecken die Natur intakt ist.

Katrin Heinrich öffnet ein „Fenster“ in den Naturpark. 16 virtuelle Spuren sind angelegt – Spurwechsel jederzeit möglich.
Katrin Heinrich öffnet ein „Fenster“ in den Naturpark. 16 virtuelle Spuren sind angelegt – Spurwechsel jederzeit möglich. FOTO: Frank Claus / LR