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Neu bauen oder Geld versenken?

Der Sozialausschuss besichtigt das Regenbogenhaus.
Der Sozialausschuss besichtigt das Regenbogenhaus. FOTO: Frank Claus
Bad Liebenwerda. Seit 48 Jahren gehen im Jugendfreizeitraum Regenbogenhaus in Bad Liebenwerda Kinder und Jugendliche ein und aus. Während die wechselnden Nutzer stets jung sind, hat das Gebäude längst kräftige Alterserscheinungen und kann den Ansprüchen nur noch schwer gerecht werden. Frank Claus

Guido Schieritz, neben Leiterin Franka Heide, längst so etwas wie "festes Mobiliar" im Regenbogenhaus, redet gar nicht um den heißen Brei. "Ich muss mir überlegen, ob ich eher Licht oder Steckdosen brauche. Beides zugleich geht nicht. Meist haben wir bislang bei diesen Außentemperaturen um die 18 Grad in den Räumen gehabt. Jetzt ist die Heizung ertüchtigt, nun schaffen wir auch 22 Grad. Die Fassade zeigt Risse, Türen und Toiletten stammen aus Gründertagen, in einem Raum ist Putz von der Decke gefallen", erklärt er den Mitgliedern des Sozialausschusses und legt nach: "Fachfirmen wollen von uns inzwischen einen Haftungsausschluss, bevor sie überhaupt mit Reparaturarbeiten beginnen."

Zuvor hat er den Abgeordneten, berufenen Bürgern und Gästen das Leistungs- und Angebotsspektrum in einem Video gezeigt und bekräftigt: "Wir sind und bleiben ein engagiertes Team."

Es ist nicht so, dass die Situation der Stadtverwaltung nicht bekannt ist. Um zu klären, wie der Regenbogen künftig facettenreich weiter schimmern kann, wurde eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Ergebnis: Um auf Höhe der Zeit zu bleiben, ist ein Gebäude mit etwa 1000 Quadratmeter Nutzfläche nötig (jetzt 700). Also: Sanieren, anbauen im Bestand, neu am Standort oder völlig neu an anderer Stelle bauen? Die Kostenspanne bewegt sich von 800 000 Euro für die Sanierung bis zum Neubau an neuem Ort für 2,5 Millionen Euro.

Die Abgeordneten kommen nach dem Rundgang durchs Haus schnell zu dem Entschluss: Sanieren im Bestand ist versenktes Geld. Das Haus kann die Anforderungen, auch unter dem Aspekt, den Regenbogen zu einem Generationengebäude zu entwickeln, nicht mehr erfüllen.

Bürgermeister Thomas Richter (CDU) sieht sich bestätigt. "Wir wissen um die vorzügliche Arbeit in diesem Haus, doch mehr geht jetzt einfach nicht mehr. Wir müssen schon jetzt aufpassen, alle behördlichen Bestimmungen einzuhalten."

Die Abgeordneten können sich einen Architekturwettbewerb vorstellen, in dessen Ergebnis geklärt werden soll, ob Teile des Gebäudes nachgenutzt oder ganz neu gebaut werden sollten. Und auch wenn die Optimalvariante mit einem Volumen von 2, 5 Millionen teuer klinge, plädieren die Abgeordneten dafür, keine Notlösungen zu bauen. Die Verwaltung solle der Stadtverordnetenversammlung Vorschläge unterbreiten, die auch aufzeigen, welche Fördermittel eingeworben werden könnten.

Zum Thema:
Das Regenbogenhaus ist der Nachfolger der 1969 in Betrieb genommenen Station Junger Naturforscher und Techniker. Zuvor gab es bereits einen Vorläufer seit 1955 in der Riesaer Straße. Die Kurstadtregion (Bad Liebenwerda, Mühlberg, Falkenberg und Uebigau-Wahrenbrück) plant die Weiterentwicklung zum Generationenhaus.