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Negativzins sorgt für Unmut bei der Volksbank Elsterland

Einstimmig votierten die Mitglieder Vertreterversammlung später für die Annahme des Jahreswirtschaftsberichtes 2016.
Einstimmig votierten die Mitglieder Vertreterversammlung später für die Annahme des Jahreswirtschaftsberichtes 2016. FOTO: Sven Gückel/svg1
Jessen. Genossenschaftsbanken wie die Volksbank Elsterland eG, die Filialen in den Landkreisen Elbe-Elster und Wittenberg unterhält, setzen auf die Stärke und Mitarbeit ihrer Kunden. Im Bereich der Volksbank Elsterland sind es derzeit 4417 Mitglieder, die von der Idee einer regionalen Kreditgesellschaft überzeugt sind. svg1

Aus ihrer Mitte heraus wählen sie regelmäßig eine Vertreterversammlung. Diese befand in Jessen über den Bericht des Vorstandes zur Jahresauswertung 2016.

Als 2009 die Bankenkrise weltweit die Sparer mit voller Wucht traf, war der allgemeine Aufschrei nach Bändigung der Geldinstitute groß. Die Bundesregierung reagierte mit einem Gesetz zur Bankenregulierung. Dessen Folgen betrafen aber nicht nur die Verursacher der Krise, sondern auch kleine Regionalbanken und Genossenschaftsbanken, die sich nichts zuschulden kommen ließen. Das Arbeiten sei ihnen fortan erschwert worden.

Auch der von der Europäischen Zentralbank (EZB) 2016 verkündete Minuskredit setzt ihnen arg zu. "Ich bezweifle nach wie vor, dass die Idee des Negativzinses eine gute war. Echte Reformen würden uns helfen und klare Rahmenbedingungen, etwa für die Länder Südeuropas", betonte deshalb Volksbank- Elsterland-Vorstand Walter J. Meyer in seinem Jahresbericht. Die Einnahmen der Banken schrumpften dadurch weiter. Aktuell, so Meyer, läge der Rückgang bei der Rentabilität bei 25 Prozent. So lange als möglich, führte er fort, wolle die Volksbank vermeiden, diesen Negativzins auf die Kunden umzulegen. Zugleich verwies Meyer darauf, dass die Zinslosigkeit der Geldanlage sich auch negativ auf die Altersvorsorge Tausender Menschen auswirke.

Ungeachtet der schwierigen Rahmenbedingungen konnte die Volksbank Elsterland im vergangenen Jahr 142 neue Mitglieder gewinnen und das Kundengesamtvolumen von 301 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 310,1 Millionen Euro in 2016 erhöhen. Eine Steigerung um 2,8 Prozent. Zudem wuchs die Bilanzsumme um 2,6 Prozent auf 198,6 Millionen Euro.

Seit Jahren betrachten sich vor allem die Genossenschaftsbanken als Stütze des Mittelstandes, den sie mit Krediten finanzieren. Somit erfreute es Walter Meyer zusätzlich, dass auch die Kundenkredite um 6,6 Prozent auf 53,9 Millionen Euro anstiegen. Von diesen profitierten seiner Aussage nach aber nicht nur Unternehmen, sondern auch private Kunden. Hausbau, Ausbaumaßnahmen sowie energetische Leistungen standen hierbei im Fokus der Vergabe.

Erfreulich ist laut Meyer auch, dass die Mitglieder ihrer Bank und deren 54 Mitarbeitern mit der Erhöhung der Geldeinlagen weiteres Vertrauen schenkten. Die Einlagen stiegen um 2,3 Prozent auf 167,2 Millionen Euro. Gut fiel darüber hinaus die Sozialbilanz der Bank aus. Auch 2016 wurden mehrere Tausend Euro an Vereine und gemeinnützige Organisationen übergeben, um deren gesellschaftliche Arbeit zu unterstützen.

Keine Risikogeschäfte, statt dessen eine solide Arbeit unter geordneten Finanzen soll die Devise der Volksbank bleiben. "In der allgemeinen Bankenlandschaft sind wir etwas Besonderes, und das wollen wir auch bleiben", hob Aufsichtsratschef Burkhard Schlahsa hervor.

Auch für 2017 erwartet die Volksbank Elsterland weitere Belastungen aufgrund des Negativzinses, prognostiziert aber einen Jahresüberschuss, wenn auch leicht rückläufig. Für 2016 werden die Mitglieder mit einer Dividende in Höhe von zwei Prozent am erwirtschafteten Bilanzgewinn bedacht.

Geprüft wurde der Abschlussbericht der Volksbank Elsterland durch den Genossenschaftsrat. Der bescheinigte dem Institut eine solide und korrekte Arbeit. Zum Abschluss der Vertreterversammlung votierten alle Anwesenden für die Entlastung des Vorstandes.