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| 17:57 Uhr

Naturschutzverband BUND in Altenau
Seltene Tiere siedeln in dem Kiesabbaugebiet bei Mühlberg

Das im Vergleich zu Elbekies kleine Kieswerk von Berger Rohstoffe am Ortsrand von Altenau. Im Bild die Aufbereitung der Kiese und Sande.
Das im Vergleich zu Elbekies kleine Kieswerk von Berger Rohstoffe am Ortsrand von Altenau. Im Bild die Aufbereitung der Kiese und Sande. FOTO: LR / Manfred Feller
Altenau. Abseits der Bürgerprobleme: Naturschutzverband BUND berät Berger Rohstoffe in Altenau in Sachen Flora und Fauna. Von Manfred Feller

Käfer zählen, Fledermäuse sichten, Vogelarten erfassen, Insektenhotels aufhängen – angesicht des großflächigen Kiesabbaus um Altenau und Mühlberg durch zwei Unternehmen hat die Gegend ganz andere Sorgen, als vorrangig die Vielfalt von Flora und Fauna ständig im Blick zu haben. Zum Beispiel Lärm- und Staubbelästigung, Lastwagentransporte, die staubige Sandhalde, das Beeinflussen des Grundwasserspiegels, ausgetrocknete Dorfteiche und noch viel mehr.

Das Unternehmen Berger Rohstoffe GmbH bei Altenau sieht sich dennoch in der Pflicht, sich auch im Naturschutz zu engagieren. Um zu klären, ob die bisherigen Aktivitäten richtig sind und was noch getan werden kann, war am Mittwoch der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), ein anerkannter Naturschutzverband, auf das Werksgelände eingeladen worden. Axel Heinzel-Berndt, Naturschutzreferent beim Landesverband Brandenburg mit Sitz in Potsdam, begrüßt das neuerliche Engagement des Unternehmens und sagt weitere Unterstützung zu.

Auf den ersten Blick scheint das Betriebsgelände ein staubiger, unwirtlicher Ort für Pflanzen und Tiere zu sein. Die extreme Trockenheit der vergangenen Monate hat die Bedingungen noch verschärft. Doch die Trocken- und Brachflächen sowie die Wasserfläche sind nach Auskunft von Matthias Neidhardt, Technischer Bereichsleiter Rohstoffe bei der Berger Rohstoffe GmbH aus Passau, ein erstaunlicher Lebensraum. „Viele Tiere sind gerade deswegen hier“, sagt er.

Eine Kartierung aller Pfanzen- und Tierarten habe Bemerkenswertes ergeben. Einige Beispiele: Es wurden mehr als 60 Brutvogelarten, auch seltene, registriert. Es gibt eine große Uferschwalbenkolonie und zehn Fledermausarten sowie mehr als 60 Laufkäferarten. Darunter sei eine Art gewesen, die als ausgestorben galt.

Blick von der umstrittenen Sandhalde auf das aktive Abbaufeld West. Dahinter das Areal des Ostfeldes, dessen Aufschluss avisiert ist. Matthias Neidhardt, (2. v. r.), Technischer Bereichsleiter Rohstoffe bei der Berger Rohstoffe GmbH, erläutert Axel Heinzel-Berndt (2. v. l.) vom BUND Brandenburg das Abbaugebiet bei Altenau. Links: Werkleiter Dirk Weber.
Blick von der umstrittenen Sandhalde auf das aktive Abbaufeld West. Dahinter das Areal des Ostfeldes, dessen Aufschluss avisiert ist. Matthias Neidhardt, (2. v. r.), Technischer Bereichsleiter Rohstoffe bei der Berger Rohstoffe GmbH, erläutert Axel Heinzel-Berndt (2. v. l.) vom BUND Brandenburg das Abbaugebiet bei Altenau. Links: Werkleiter Dirk Weber. FOTO: LR / Manfred Feller

Es ist zu spüren, das sich die Verantwortlichen informiert haben und mehr als Grundkenntnisse besitzen. „Wir wollen unseren kleinen Naturkosmos aktiv gestalten. Uns ist es nicht egal, was mit der Natur passiert“, versichert Werkleiter Dirk Weber. Als Mühlberger lebt er selbst Tür an Tür mit dem Kiesabbau.

Axel Heinzel-Berndt vom BUND ist klar, dass grundsätzlich an der genehmigten Kiesförderung nicht zu rütteln ist. Er möchte jedoch das Beste daraus für Tiere und Pflanzen herausholen. „Kiesabbau ist nicht grundsätzlich schlecht, weil Biotope aus zweiter Hand entstehen“, sieht er auch die wirtschaftlichen Belange. Sande und Kiese werden dringend gebraucht. Nur eben sei der Raum Mühlberg als von der Landesplanung ausgewiesene Kiesvorrangfläche aufgrund der Ausdehnung der Fördergebiete besonders belastet. „Wer die Natur zerstört, muss dies auch wieder gutmachen“, sagt der Naturschutzreferent. Hinsichtlich Rekultivierung und Artenschutz passiere in dem Gebiet auch was. „Wir wollen eine langfristige Zusammenarbeit mit dem BUND“, ergänzt Matthias Neidhardt. Er und Werkleiter Dirk Weber laden Schule und Kitas zu gemeinsamen Projekten ein.

Ein offenes Thema ist die gewaltige Sandhalde. Diese steht auf einer etwa zwei Hektar großen Fläche und ragt 24 Meter in die Höhe. 15 Meter waren genehmigt. Doch der Vorgängerbetrieb habe sich nicht daran gehalten. Im Jahr 2006, so Matthias Neidhardt, habe Berger Rohstoffe das Kieswerk übernommen und strebe nun eine Lösung an. Das kostenintensive Abtragen der Halde mit mobiler Erdbautechnik und das Verfüllen des entstandenen Gewässers sei beantragt. Möglich seien auch ein Teilabtrag oder das Belassen der Halde als Aussichtspunkt in der ansonsten flachen Landschaft. Für Letzteres hätten sich bei einer nicht repräsentativen Befragung etwa zwei Drittel der Altenauer ausgesprochen. Andere wollen den teils staubigen, teils bewachsenen Hügel verschwinden sehen. Das Bergamt entscheide auch mit Blick auf die dort angesiedelten Tiere und Pflanzen. Kommt die Halde weg, sei ein Ersatzbiotop zu schaffen.

Der Einfluss des Kiesabbaus auf das Grundwasser stelle ein hydrologisches Modell dar, dass das Unternehmen in Auftrag gegeben hatte. Es gebe leichte Veränderungen, jedoch seien die Ortschaften nicht betroffen. Das Bergamt habe ein Gegengutachten veranlasst.

Alles Gute ist nie beisammen: Dieses Insektenhotel, eines von insgesamt zehn auf dem Berger-Betriebsgelände, hängt an einem Walnussbaum, der aufgrund der Trockenheit bereits seine Blätter abgeworfen hat, während die Früchte noch gar nicht reif sind. Neben den Insektenhotels hat das Unternehmen auch zehn Greifvogelsitzstangen aufgestellt. Dies sei ein Anfang, heißt es.
Alles Gute ist nie beisammen: Dieses Insektenhotel, eines von insgesamt zehn auf dem Berger-Betriebsgelände, hängt an einem Walnussbaum, der aufgrund der Trockenheit bereits seine Blätter abgeworfen hat, während die Früchte noch gar nicht reif sind. Neben den Insektenhotels hat das Unternehmen auch zehn Greifvogelsitzstangen aufgestellt. Dies sei ein Anfang, heißt es. FOTO: LR / Manfred Feller