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| 15:59 Uhr

Naturschutzgebiet Forsthaus Prösa
Mensch lässt Tiere und Pflanzen in Ruhe

In der Zukunft werden nicht alle Wege im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft so gepflegt und freigeschnitten, dass sie problemlos von den beliebten Kremsern und von Radwanderern nutzbar sein werden. Im Gegenteil: Der Natur soll noch mehr Raum überlassen werden.
In der Zukunft werden nicht alle Wege im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft so gepflegt und freigeschnitten, dass sie problemlos von den beliebten Kremsern und von Radwanderern nutzbar sein werden. Im Gegenteil: Der Natur soll noch mehr Raum überlassen werden. FOTO: Veit Rösler
Elsterwerda. Im Naturschutzgebiet (NSG) Forsthaus Prösa gibt es immer weniger ordnende Eingriffe des Menschen. Das finden nicht alle gut, die dort unterwegs sind. Von Manfred Feller

Auswärtige Radwanderer, die sich verfahren, zuwachsende Nebenstrecken, Zweige im Gesicht und teilweise immer schlechtere Wege, auf denen die Kremsergäste ordentlich durchgeschüttelt werden. Besser wird es nicht für die stillen Genießer von Flora und Fauna in dem mit 484 Quadratkilometern ausgedehnten Naturpark Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft zwischen Wahrenbrück im Westen, Elsterwerda im Süden, Lauchhammer im Westen und Doberlug-Kirchhain im Norden. Die natürlichen Flächen mit Wald, Gewässern, Heide und Mooren machen etwa die Hälfte des riesigen Gebietes aus. Die anderen 50 Prozent sind landwirtschaftliche Flächen, Siedlungen, Straßen und Wege.

Noch weniger ist die ordnende Menschenhand in dem einen zusammenhängenden Naturschutzgebiet (NSG) Forsthaus Prösa gefragt. Es liegt zentral im Naturpark und ist menschenleer. Dörfer wie Hohenleipisch, Friedersdorf, Theisa, Dobra und Kraupa liegen am Rand und behindern die natürliche Entwicklung nicht.

Dass sich in dem Gebiet Tiere und Pflanzen, darunter viele geschützte, ungestört entwickeln können, dafür sorgt auf 3313 Hektar (siehe Grafik) seit dem Jahr 2011 die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU). Deren Tochter DBU Naturerbe GmbH ist Eigentümerin.

Die jährlich wiederkehrende Kritik, dass immer weniger Wege mit Muskel- und Pferdekraft befahrbar sind, weil das gedeihende Grün zunehmend Raum gewinnt, dringt auch bis zur Eigentümerin vor. „Hier handelt es sich um Flächen des Nationalen Naturerbes, wo sich eine natürliche Entwicklung vollziehen soll“, sagt Andreas Petzel von der DBU Naturerbe GmbH. Das heißt: Die Offenlandpflege in der Heide erfolge. Beim Wald hingegen wolle man sich aus der Nutzung verabschieden. Totholz, nach den Stürmen noch viel mehr, bleibe liegen. Dadurch versperrte kleine Waldwege werden nicht in jedem Fall wieder geöffnet. Diese wachsen vielmehr zu. Mit der Naturparkverwaltung werde abgestimmt, welche Wege für den Brandschutz, die heimischen Naturfreunde und die Touristen offen bleiben und mehr oder weniger stark gepflegt werden. Dafür stünde jedes Jahr nur wenig Geld zur Verfügung. „Der Grünschnitt erfolgt zum Beispiel nur entlang der Hauptwege. Allerdings ist die Natur oft schneller. Unser Ziel ist die extensive Nutzung“, benennt Andreas Petzel die Entwicklungsrichtung.

Die 3313 Hektar große Naturerbefläche der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mitten im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft wird von vielen kleinen Waldwegen durchzogen. Davon werden mit der Zeit einige vom Grün überwuchert. Den Besuchern zu Fuß, auf dem Rad, im Kremser und auf dem Pferderücken bleiben einige Wege erhalten.
Die 3313 Hektar große Naturerbefläche der Deutschen Bundesstiftung Umwelt mitten im Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft wird von vielen kleinen Waldwegen durchzogen. Davon werden mit der Zeit einige vom Grün überwuchert. Den Besuchern zu Fuß, auf dem Rad, im Kremser und auf dem Pferderücken bleiben einige Wege erhalten. FOTO: DBU Naturerbe GmbH

Über alle Eigentümer im Naturpark hinweg wünscht sich nicht nur Landwirt und Kutscher Gregor Buffink aus Hohenleipisch, dass wenigstens die Hauptwege immer in einem befahrbaren Zustand bleiben. Denn die ruhigen Kremserfahrten erfreuen sich einer anhaltend hohen Beliebtheit. Die Gäste kommen aus vielen Teilen Deutschlands oft gezielt hierher.

Wer rechts oder links der beschilderten Hauptwege abbiegt, der ist als ortsunkundiger Radfahrer schnell verloren. Das weiß Wirtin Anja Kausch aus Hohenleipisch nur zu gut. Von ihrer Heidepension aus unternehmen die Touristen gern Touren und wissen irgendwann mitten in der Natur nach langen Irrfahrten nicht mehr weiter. Auch würden Kilometerangaben fehlen. „Unsere Gäste vergleichen mit ähnlichen Gegenden. Im Internet spricht sich das Negative schnell herum“, wünscht sie sich mit Blick auf die herrliche Natur eine positivere Resonanz.

„Wir tun das Mögliche“, entgegnet Naturparkleiter Lars Thielemann. Vor der Saison werde kontrolliert und würden Schilder ersetzt. Wer sich an die Wegweiser halte, verfahre sich auch nicht.

Dies wird umso wichtiger, da die Natur in Zukunft noch mehr sich selbst überlassen werden soll – im Naturpark und besonders auf den Tausenden Hektar des NSG Forsthaus Prösa. Denn dort hatte zwischen 1961 und 1989 das Militär tiefgreifende Spuren hinterlassen. Die geschundene Landschaft hat sich wieder erholt.