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| 10:49 Uhr

Naturpark Niederlausitzer Heidelandschaft
Wer wird die neue Naturparkgemeinde?

 Lugaus Ortsvorsteher Klaus Rippe (r.) erläutert in aller Kürze das Kneipp-Projekt, das die Bache, den Graben im Dorf, weiter aufwerten wird.
Lugaus Ortsvorsteher Klaus Rippe (r.) erläutert in aller Kürze das Kneipp-Projekt, das die Bache, den Graben im Dorf, weiter aufwerten wird. FOTO: LR / Frank Claus
Hat es jemals schon so große Kontraste bei der Bereisung des Naturpark-Kuratoriums gegeben? Auf der einen Seite ist da das idyllische, 435 Einwohner zählende Lugau – auf der anderen die einstige Industriegemeinde Plessa mit knapp 2100 Einwohnern. Von Frank Claus

Es war ein Wunsch, bevor die Jury am Mittwochnachmittag zusammentrat. Egal, wie die Entscheidung ausfällt, der Unterlegene darf nicht aufstecken, muss sich im nächsten Jahr sofort neu bewerben. Denn beide hätten es verdient, Naturparkgemeinde zu werden.

Dass es in Lugau einen Verein gibt, der Lugau lebt! heißt, sagt eigentlich alles. Was für eine quirlige Einwohnerschaft, wie viele dorfeigene Initiativen, wie viel Herz und Heimatgefühl! Ortsvorsteher Klaus Rippe hat beim Empfang des Naturpark-Kuratoriums auch gar nicht viele Worte gemacht, hat diejenigen reden lassen, die für Dorfentwicklungen verantwortlich zeichnen. Und das alles musste gelingen, weil die Steppkes der Kita Spatzennest in ihrem Liedchen sangen: „Es wird ein schöner Tag, weil jeder jeden mag.“ Freilich, wenn es auch das in Lugau nicht gibt – was der Zusammenhalt im Ort bewegt, ist sichtbar. Da ist vor allem die Umweltgruppe, die ihre Handschrift hinterlassen hat. Mit zahlreichen gepflanzten Bäumen, mit einer gerade entstehenden Bienenwiese, mit dem Naturpfad entlang der Bache. Die Gestaltung des Grabens, der sich naturnah durch den Ort schlängelt, ist einfach zauberhaft. Und nun wollen die Lugauer dem mit einem Kneipp-Projekt noch die Krone aufsetzen.

Oder aber die alte Wassermühle, die dank vieler Helfer vorm Verfall gerettet worden ist. Da helfen die Kameraden der Feuerwehr, ist die Kirchengemeinde rührig, das „Landei“ immer noch der Treffpunkt. Lugau lebt! Und das mit einer stattlichen Latte von Feiern.

 An der Kirche in Lugau Peter Dittrich als Mönch, hier mit Jürgen Wolbring.
An der Kirche in Lugau Peter Dittrich als Mönch, hier mit Jürgen Wolbring. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau / Frank Claus

Ganz anders das Bild in Plessa. Schon der Lärmpegel ist deutlich höher. Auf der B 169 donnert ein Lkw nach dem anderen mitten durch den Ort. Sieht so eine Naturparkgemeinde aus? Schnell wird klar, Plessa ist einer der Orte im Landkreis, die seit der Wende den größten Wandel durchmachen.  Von der Industriegemeinde, geprägt durch die Kohle, hin zu einem Ort mit vielen kleinen, bemerkenswerten Entwicklungen. Wer weiß schon, dass es in Plessa 1957 die erste Obstbaugenossenschaft gab, dass dort 1200 Apfel-, 7000 Sauerkirsch-, 3200 Süßkirsch- und 400 Birnenbäume wuchsen? Wer kennt die einst vom Bergbau geschundenen Landschaften, die als offene Kippen noch zu sehen sind, die aufgeforstet wurden oder die sich die Natur wieder zurückgeholt hat? 26 Vereine gibt es im Ort. Die Angler haben die meisten Mitglieder, gefolgt vom Karnevalverein, der Plessa weit über Kreisgrenzen hinaus bekannt macht. Ist es nicht wunderbar, dass nach Jahren der tiefen Einschnitte – fast 1000 Arbeitsplätze gingen verloren – jetzt wieder die Kitas aus den Nähten platzen, weil sich die Einwohner wohlfühlen in ihrem Dorf?

 In Plessa führt Gästeführerin Carola Meißner durch die Gemeinde und berichtet vom schweren „Neuanfang“ nach der Wende.
In Plessa führt Gästeführerin Carola Meißner durch die Gemeinde und berichtet vom schweren „Neuanfang“ nach der Wende. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau / Frank Claus

Ortsvorsteher Gottfried Heinicke kommt ins Schwärmen, wenn er vom Engagement der Einwohner spricht. „Wir sind zwar sicher alle bissl dickköpfig, aber wenn gerufen wird und ein Projekt umgesetzt werden soll, sind ganz viele da.“ Bei Christine und Wolfgang Alkier leuchten heute noch die Augen, wenn sie an die imposante IBA-Abschlussveranstaltung denken.

 Die Schaltzentrale im ehemaligen Kraftwerk Plessa - eine einstige Industriegemeinde wandelt inzwischen ihr Antlitz.
Die Schaltzentrale im ehemaligen Kraftwerk Plessa - eine einstige Industriegemeinde wandelt inzwischen ihr Antlitz. FOTO: Medienhaus Lausitzer Rundschau / Frank Claus

Amtsdirektor Göran Schrey: „Bei uns wächst wieder eine Pflanze im Ort. Mit dem Naturparkwettbewerb wollen wir Einwohner und Vereine noch näher zusammenbringen. Wir würden liebend gern das Naturparkfest ausrichten.“

Und so hat das Kuratorium an diesem Mittwoch zwei ganz unterschiedliche Gemeinden kennengelernt, in denen eins gemein ist: Heimatliebe und Naturverbundenheit. Wer Naturparkgemeinde wird, das wird erst zum Naturparkfest zu Pfingsten in Kraupa bekanntgegeben.