ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 17:49 Uhr

Elbe-Elster
Nach Brand in Prieschka: Ehepaar steht vor zerstörtem Heim

 Marion und Roland Naumann vor ihrem nach dem Brand nunmehr über viele Monate unbewohnbaren Haus. Zu den wenigen persönlichen Dingen, die sie gerettet haben, gehören zum Glück Alben mit unersetzbaren Familienfotos. Die beiden Töchter des Ehepaares, hier Kristin Prätzel, unterstützen ihre Eltern nach Kräften, obwohl sie jeweils schwanger sind.
Marion und Roland Naumann vor ihrem nach dem Brand nunmehr über viele Monate unbewohnbaren Haus. Zu den wenigen persönlichen Dingen, die sie gerettet haben, gehören zum Glück Alben mit unersetzbaren Familienfotos. Die beiden Töchter des Ehepaares, hier Kristin Prätzel, unterstützen ihre Eltern nach Kräften, obwohl sie jeweils schwanger sind. FOTO: LR / Manfred Feller
Prieschka. Auch zweieinhalb Wochen nach dem Brand kämpft das Ehepaar aus Prieschka mit den psychischen Folgen. In dem Haus muss fast alles neu aufgebaut und eingerichtet werden. Von Manfred Feller

Die erste Meldung der Feuerwehr nach dem Hausbrand am Nachmittag des 2. Februar in der Liebenwerdaer Straße in Prieschka klang schlimm, trug jedoch einen Hoffnungsschimmer: Das wütende Feuer im Keller konnte demnach zügig gelöscht und ein Übergreifen der Flammen auf die Wohnetage verhindert werden. Doch als sich der Rauch gelegt hatte, wurde das ganze Ausmaß sichtbar. Kein Raum war mehr nutzbar. Fast alles muss raus und auf den Müll. Im Keller ist alles schwarz und verkohlt.

Eigentümerin Marion Naumann kann das Unglück auch Tage danach nicht fassen. Zeitweise steht sie wie abwesend vor den Trümmern ihrer 1982 errichteten Wohnexistenz. Die Stimmung schwankt zwischen Wiederaufbauwillen und Resignation beim kleinsten Rückschlag, beschreibt es ihre Tochter Kristin Prätzel. Sie lebt im benachbarten Zobersdorf. Mit ihrer Schwester, beide schwanger, unternehmen sie, was in ihren Kräften steht, um den Eltern zu helfen. Sie wissen viele Unterstützer an ihrer Seite.

So tragisch das Brandereignis war, es hätte noch viel schlimmer kommen können. „Wenn das in der Nacht passiert wäre, dann wäre alles vorbei ...“, möchte Kristin Prätzel ihren Gedanken nicht weiter verfolgen. Vor dem Ausbruch des Feuers habe sich ihr Vater Roland (63), er ist Kraftfahrer und steht vor dem beruflichen Ruhestand, in dem wohnlich eingerichteten Keller zur Ruhe gelegt. Er sei dann aufgestanden und nach oben gegangen.

 Marion Naumann im zerstörten Keller ihres Wohnhauses, wo das Feuer ausgebrochen war. Aus den unteren Räumen konnte nur das Auto gerettet werden.
Marion Naumann im zerstörten Keller ihres Wohnhauses, wo das Feuer ausgebrochen war. Aus den unteren Räumen konnte nur das Auto gerettet werden. FOTO: LR / Manfred Feller

„Gegen 14 Uhr haben wir gehört, wie es im Keller mehrmals laut geknallt hat“, berichtet Marion Naumann. Später stellt sich heraus, dass dies Sprayflaschen und Gaskartuschen waren. „Durch die Tür zum Keller haben wir gesehen, dass es lichterloh brennt“, sagt die 62-Jährige. Bei ihr macht sich Panik breit, weil Rauch bereits in die Wohnung aufsteigt. Die Feuerwehr wird gerufen. „Die war nach fünf Minuten da“, schätzt Marion Naumann. Sie lobt deren koordiniertes, schnelles Handeln. Die Ursache, so habe die Polizei ermittelt, sei ein Kabelbrand im Keller gewesen.

Während die Rettungskräfte auf dem Weg sind, will Ehemann Roland noch retten, was vielleicht noch zu retten ist. Er schafft es unter Lebensgefahr, wenigstens das Auto aus der Kellergarage in Sicherheit zu bringen. Frau und Mann haben Rauchgas eingeatmet. Während sie für eine Nacht ins Krankenhaus gebracht wird, übernachtet er mit leichten Brandverletzungen auf eigenen Wunsch bei seiner Tochter in Oschätzchen. Schon am nächsten Tag können sie in eine von der Stadt Bad Liebenwerda besorgte Ferienwohnung ziehen, die von der Versicherung befristet bezahlt wird.

Das heißt, bei allem Unglück und psychischer Belastung muss das Haus so schnell wie möglich wieder bewohnbar gemacht werden. „Spätestens Weihnachten soll alles fertig sein“, hofft Kristin Prätzel. Nachdem einige wenige Habseligkeiten wie noch verwendbare Bekleidung, Geschirr und persönliche Erinnerungsstücke gesichert worden sind, rücken Ausräum- und Reinigungsfirma an. Die obere Etage sei bereits frei. Die Schlafzimmermöbel und die relativ neue Einbauküche werden extern gereinigt. Mehr an Möbeln bleibt nicht.

 Die Flammen haben im Keller alles vernichtet.
Die Flammen haben im Keller alles vernichtet. FOTO: LR / Manfred Feller

Derzeit wird alles Verbrannte aus dem Keller entsorgt. Dann muss im ganzen Haus alles von den Wänden runter. Die Fußböden sind bis auf den Beton freizumachen. Anschließend müssen die Ruß- und Brandspuren im ganzen Haus fachgerecht beseitigt werden. Am Ende bleibe im Prinzip ein Rohbau stehen. Im Keller seien zudem alle Ver- und Entsorgungsleitungen einschließlich der Gasheizung zu erneuern. Das Ehepaar hofft, dass es nach und nach alle Gewerke pünktlich bekommt.

Beräumung, Reinigung und Wiederaufbau werden viel Geld verschlingen. Die Naumanns gehen davon aus, dass das Geld aus Hausrat- und Gebäudeversicherung sowie die Ersparnisse keineswegs ausreichen werden, um alles aufzubauen, sich annehmbar einzurichten und auszustatten. So ist Alleinverdiener Roland Naumann von Nachbarn eingekleidet worden, weil viele seiner Sachen verbrannt seien.

Auch sonst hätten Familie, Freunde und Nachbarn geholfen – mit Unterstellmöglichkeiten, Strom, Verpflegung auf der Brandbaustelle und seelischer Unterstützung. Marion Naumann nennt Herrn Uhlemann sowie die Familien Markus, Karbaum, Tredup und Engelmann. Ortsvorsteher Sandro Lindner informiert im Infoblatt des Dorfes über die dramatische Lage.

Gebraucht werde in erster Linie finanzielle Hilfe. Kristin Prätzel hat ein Extrakonto eingerichtet (Kontakt per E-Mail: hausbrand-prieschka@gmx.de). Die ersten Spenden seien bereits eingegangen.

 Auch draußen am Haus gibt es Brand- und Rußschäden.
Auch draußen am Haus gibt es Brand- und Rußschäden. FOTO: LR / Manfred Feller