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Mutig, kraftvoll und schnell

Plessa.. BMX-Rennen – nur ein Sport für harte Jungs? Weit gefehlt. Unter dem schützenden Helm kommt ein hübsches Mädchengesicht zum Vorschein: Steffi Marth, groß, blonde lange Haare, strahlende Augen, Schülerin am Elsterschloss-Gymnasium. Seit 1997 fährt sie BMX-Rennen, ist begeistert von diesem Sport, bei dem vor allem Mut, Technik, Kraft und Ausdauer gefragt sind. Von Annette Siemer

Wie kommt man auf so eine Idee? Ihre Klassenkameradin Bianka Weinhold, die Tochter des Plessaer Hauptamtsleiters hatte die Mädels in der Klasse mit dem BMX-Bazillus angesteckt. Die anderen sind längst wieder abgesprungen, bei Steffi Marth ist daraus eine sportliche Leidenschaft geworden.
Angefangen hatte alles 1993, mehr oder weniger zufällig. Für die Sanierung des alten Plessaer Schwimmbades war kein Geld da, es wurde abgerissen. „Da haben wir uns gefragt, was wir aus dem Gelände machen könnten“ , sagt Hans-Joachim Weinhold. Ein BMX-Rennen im Fernsehen und die Erinnerung an eine lange Radrenntradition in Plessa gaben den Anstoß für eine neue Idee: eine BMX-Bahn in Plessa. Mit Hilfe einer ABM wurde sie Stück für Stück gebaut und der Radsportverein Plessa gegründet. Hans-Joachim Weinhold ist der Vereinsvorsitzende.
„Als Mädel ist man bei diesem Sport schon etwas Besonderes“ , sagt die 17-Jährige. Und dann ist da dieses erhebende Gefühl. Erst die Aufregung vor dem Start und hinterher die Freude, wenn alles geklappt hat. Doch so ein Rennen ist Schwerstarbeit. Wenn die BMX-Fahrer die steilen Hügel der Rennbahn förmlich rauf- und runterspringen, kann man nur ahnen, welche ungeheure Anstrengung dahinter steckt. „Wenn auf das Startkommando das Gatter fällt, dann kommt es das erste Mal schon auf die Technik an“ , erzählt Steffi. Schon allein das Vorderrad hochziehen, erfordert viel Training und Muskelkraft in den Oberschenkeln. Kraft, Schnelligkeit, Ausdauer und Technik, auf diese Mischung komme es an. All das scheint Steffi bravourös zu beherrschen.
Die sportlichen Erfolge jedenfalls sprechen für sich: Viermal fuhr sie bei den Deutschen Meisterschaften mit. Zweimal wurde sie Vierte, einmal Sechste und 2001 wurde sie sogar Vizemeisterin. Seit letztem Jahr fährt Steffi Marth auch internationale Rennen. Im bayrischen Esselbach kam sie auf Platz 6. „Das ist schon ein anderes Kaliber“ , sagt sie. Besonders stolz ist sie jedoch darauf, dass sie seit diesem Jahr als einzige Ostdeutsche ins Nationalteam aufgenommen wurde. Vor den Meisterschaften erhält das Team ein Extra-Training, Ernährungsberatung inclusive. „Das ist schon eine Ehre, wenn da plötzlich einer ankommt, der sich ganz wichtig anhört und sagt, dass er mich im Team haben möchte“ , sagt die junge Sportlerin, die bereits ein neues Ziel vor Augen hat: Nächstes Jahr bei der Weltmeisterschaft mit dabei sein. Zuvor nimmt sie im Juli an den Europameisterschaften im französischen Vallet teil. Momentan fährt fährt Steffi Marth noch bei den Junioren, nächstes Jahr dann bei der Elite.
BMX-Rennen fahren ist ein aufwendiges Hobby. Fast täglich trainiert Steffi eine Stunde lang auf der Bahn, dann schwingt sie sich aufs Rennrad und tut etwas für die Kondition. Da bleibt für etwas anderes kaum noch Zeit - außer für Snowboard fahren. Die Begeisterung der Eltern für das Hobby ihrer Tochter war anfangs nicht überschwänglich, schließlich müssen sie überall hin mit. Inzwischen ist das anders. Ein Bus wurde gekauft, ein Wohnwagen angeschafft und so geht es auf Tour zu den Rennstrecken dieser Welt. Wir sind alle eine Familie, jeder kennt jeden, schwärmt sie.
Von diesem Sport ist auch Hans-Joachim Weinhold bis heute begeistert - und das, obwohl ihm ein Beinbruch den Einstieg in die Seniorenklasse vermasselte. „Trotzdem lässt das einen nicht mehr los“ , sagt er. „Es gehört eine große Portion Mut dazu. Wenn man sieht wie die Junioren und die Elite fahren, dann läuft es einem kalt den Rücken runter.“ Dass so etwas nicht ohne Blessuren abgeht, liegt auf der Hand. „Ich bin schon mehrfach gestürzt“ , sagt Steffi Marth. „Das reicht von Schürfwunden bis zum gebrochenen Arm.“
Während die 17-Jährige von der Weltmeisterschaft träumt, hat Hans-Joachim Weinhold auch ein besonderen Ziel vor Augen: 2005, wenn der Verein sein zehnjähriges Jubiläum feiert, will er in Plessa einen Bundesligalauf ausrichten.