ANZEIGE
ANZEIGE
ANZEIGE
| 01:02 Uhr

Mut zum Zocken

Elsterwerda.. Alles kann sich von Minute zu Minute ändern – beim Planspiel Börse wie im großen Wertpapierhandel. Breezer2005 will gewinnen – sie gehen in die 13. Klasse vom Elsterschloss-Gymnasium. Das mache den Reiz des Spieles aus. Ihr Nahziel: Schulsieger werden. Und dennoch erscheint dies etwas bescheiden: Denn Breezer2005 lag zur Spielmitte am Dienstag kreisweit auf dem zweiten Platz, in Brandenburg auf Platz acht. Nur die „Fulminatoren“ vom Melanchthon-Gymnasium Herzberg haben im Kreis bisher mehr Geld erspielt. Von Christina Dirlich

53 577,45 Euro standen bei Breezer am Montagnachmittag im Depot. Doch die Kurse fallen. Dienstag verbuchten die Nachwuchsbörsenmakler 53 521 Euro. Noch bricht keine Panik aus, denn die Gruppe bleibt im Kreis auf Platz zwei. „Einmal sind wir an einem Tag auf Rang 33 abgerutscht, da habe ich schon die Krise gekriegt“ , erzählt Karsten Dietrich. Zusammen mit Katrin Eger, Olivia Steinitz, Marco Lentzsch und Stephanie Kirsch bastelt er am Erfolg für Elsterwerda. Alle sind 18 Jahre alt und besuchen die Klasse 13 am Elsterschloss-Gymnasium. Als sich der Dax erholte, stiegen auch die Kurse der Aktien wieder, in die Breezer investiert hatte. Die Börse, ein ewiges Auf und Ab.

Im dritten Jahr dabei
Im dritten Jahr ist Breezer jetzt beim Planspiel dabei. Mit den Erfahrungen steigt auch die Erfolgsquote. 50 000 Euro hat jede Teilnehmergruppe - virtuell - zur Verfügung. „Im ersten Jahr haben wir von vielen Anbietern jeweils wenige Aktien gekauft, damit konnte man keinen großen Verlust, aber eben auch keinen großen Gewinn machen“ , sagt Karsten Dietrich. Platz 21 war's am Ende.
Dieses Jahr kauften die Gymnasiasten aus Elsterwerda wenige Aktien mit hohem Wert. „Wir sind diesmal spät in das Spiel eingestiegen, eine Woche nach dem Beginn, weil wir die Bundestagswahl in Dresden noch abwarten wollten“ , erklärt Karsten Dietrich. Viele kauften Aktien von Firmen, die Solartechnik herstellen. Doch weil absehbar war, dass die Grünen nicht weiter regieren würden, investierte Breezer nicht und entkam so dem zeitweiligen Abwärtstrend der Solar-Wertpapiere. Ein einziges Mal haben sie im Verlauf dieses Spiels verkauft.
Aktuell halten die Gymnasiasten vier verschiedene Aktien. Für 20 000 Euro haben sie Papiere eines Computerherstellers gekauft und dazu in drei verschiedene Aktionen für je 10 000 Euro investiert. Mehrmals täglich schauen die Mitglieder der Gruppe im Internet, wie der Handel verläuft. Die Teilnehmer des Planspiels haben nur zweimal am Tag - um 11 und um 17 Uhr - die Möglichkeit, zu kaufen oder zu verkaufen. „Wenn man beispielsweise mittags auch handeln könnte, könnte man sehen, wie sich der Wert entwickelt und nachmittags noch reagieren“ , meint Karsten Dietrich.
„Mut braucht man“ , sagt Katrin Eger. „Man muss ein Risiko eingehen“ , meint Karsten Dietrich. „Und Vertrauen in die Mitspieler haben“ , fügt Marco Lentzsch an. In der Gruppe besprechen sie, wie sie weiter handeln wollen. Den ganzen Tag lang müsste man sich zur Entwicklung an der Börse informieren, meint Karsten Dietrich. Medium Nummer eins ist dafür das Internet. Hier stehen Analystenberichte auf speziellen Seiten. „Wenn man nicht selber analysieren kann, muss man sich an die Berichte halten. Aber man sollte verschiedene miteinander vergleichen“ , sagt Karsten Dietrich. Bei ihnen ist das Börsenspiel nicht Teil des Unterrichts. Sie nehmen in Eigeninitiative teil und benötigen so auch keine Unterstützung durch einen Lehrer. „Am Oberstufenzentrum haben wir Urkunden vom Planspiel gesehen und daraufhin bei einer Lehrerin gefragt, was das ist“ , erzählt Stephanie Kirsch. Danach nahmen sie vor drei Jahren zum ersten Mal teil. Seitdem tritt Breezer immer in derselben Konstellation an.

Ziel: Schulsieger werden
„Am Anfang lag der Reiz darin, zu sehen, wie man mit Aktien handelt“ , sagt Katrin Eger. Heute dagegen wollen die fünf unbedingt Schulsieger werden. Das zweite Elsterschloss-Team liegt derzeit auf Platz vier. Zehn sind insgesamt angetreten. „Jetzt ist das Ziel alles oder nichts, das ist zocken“ , meint Karsten Dietrich. Dabei blieben die 50 000 Euro doch ein virtuelles Kapital. „Würde ich 50 000 Euro anlegen, würde ich sicherere Aktien oder Fonds wählen“ , gibt der 18-Jährige zu. So aber könne man mehr ausprobieren.
Ob sie auch privat an der Börse spekulieren würden? „Das haben wir auch schon überlegt, uns fehlt aber das nötige Startkapital“ , sagt Karsten Dietrich. Ab 10 000 Euro lohne sich der Einsatz, meint er.
Bis zum 13. Dezember wird Breezer2005 weiter zocken. Dann endet das Börsenspiel 2005. Welchen Platz sie erreicht haben, erfahren die Elsterwerdaer erst auf der Abschlussveranstaltung für den Kreis. Und erst dann wird sich die Anspannung legen. Bis Anfang Januar müssen sich die Gymnasiasten also noch gedulden.