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| 16:43 Uhr

Kantor feiert Geburtstag
„Musik erfasst Herz und Seele“

Werner Mlasowsky in Aktion.
Werner Mlasowsky in Aktion. FOTO: Veit Rösler
Elsterwerda. Am 23. Dezember begeht Werner Mlasowsky seinen 80. Geburtstag. Sein Wirken als Kantor war prägend für Elsterwerda. Von Stephan Creuzburg

„Musik erfasst nicht nur das Herz, sondern auch die Seele“ – diesen Ausspruch, dass Musik quasi allumfassend sei, den hat Werner Mlasowsky in einem Brief an seine Kantorei getan, als er sich im Oktober 2009 mit einer Aufführung des Deutschen Requiem von Johannes Brahms“ als Kantor in Elsterwerda verabschiedete – nach 24 Jahren !

Musik – Herz und Seele, das ist das Credo des so verdienstvollen Kirchenmusikers bis heute.

Am 23. Dezmeber 1937 in Bautzen geboren, hat er bereits mit 8 Jahren im Kirchenchor gesungen und mit 13 Jahren erhielt er den ersten Klavierunterricht und dann mit 17 – sicher wegweisend – Orgelunterricht.

Sein Bruder Siegfried finanzierte ihm ein Studium der Kirchenmusik in Halle, das er 1962 mit dem A- Examen abschloss.

1993 begann er in Jessen als hauptamtlicher Kirchenmusiker, zusätzlich als Orgellehrer am Kirchlichen Seminar in Dahme.

Ein für sein Leben ganz wichtiges Ereignis war es, dass Dieter Voigt, der Kantor in Bad Liebenwerda, den Mlasowsky bei seinem Studium in Halle kennengelernt hatte, ihn 1966 einlud, beim Weihnachtsoratorium in Bad Liebenwerda mitzuwirken. Und dort lernte er seine Ingelore kennen und lieben. Er wurde Bürger von Bad Liebenwerda, um hier mit ihr eine Familie zu gründen.

Da musste erst einmal aus finanziellen Gründen die Kirchenmusik in die Nebentätigkeit weichen und Mlasowsky wechselte in die Möbelbranche. Auch das liebte und konnte er; Orgelbauer war sein erster Berufswunsch gewesen. Bis 2002 hat er in Wahrenbrück als Technologe und zuletzt als Produktionsleiter gearbeitet.

„Seiner“ Kirchenmusik ist er aber weiterhin treu geblieben. So war er als Kantor in Uebigau bis 1985 tätig und dann wechselte er im gleichen Jahr nach Elsterwerda, wo er im Gottesdienst am 15. November 2009 in den Ruhestand verabschiedet worden ist.

Die Nennung dieser Lebensstationen ist erst einmal nüchtern. Was steckt aber in diesen Jahren inhaltlich ?

Zu DDR- Zeiten war es vor allem die Kirchenmusik, die auf „dem flachen Land“ kulturprägend war und es bis heute ist. Dabei hat die Stadt Elsterwerda dem Jubilar unendlich viel zu verdanken! Neben der Musik in den Gottesdiensten waren es doch die in jedem Jahr großen Konzerte, die aus Nah und Fern strömende Besucher zu einer Zuhörergemeinde werden ließen.

Warum? Neben ganz hervorragender Qualität sind es eben Herz und Seele gewesen, die Mlasowsky den Zuhörern und, das wurde immer wieder deutlich, den Mitwirkenden quasi einflößte und sie zu Höchstleistungen anspornte.

Diese hör- und sichtbare Begeisterung – man wollte doch „unseren“ Kantor keinesfalls enttäuschen – war Grundlage für solch hervorragende Ergebnisse. Was haben vor allem die Choristen nach einem wiederum erfolgreichem Aufführungsabend für Mlasowsky regelrecht geschwärmt. Das schöne Miteinander zwischen Chor und Kantor, von seiner Frau ganz wesentlich unterstützt, „gewürzt“ mit Chorfahrten und anderen Ereignissen, trug da sehr dazu bei.

Die 30 Jahre Kantorarbeit in Elsterwerda waren geprägt von weit über einhundert Aufführungen und Konzerten. Wer erinnert sich nicht gern an das erste von Mlasowsky geleitete Weihnachtsoratorium 1986, das Zeichen setzte. Nur 1989 musste das Emotionale dieses Oratoriums, so empfand es nicht nur der Verfasser dieser Zeilen, den politischen Ereignissen jener Wochen weichen.

Die politische Wende verhalf dann einer jeden Kantorei im Osten Deutschlands aus der bis dahin vorhandenen gewissen Nische herauszutreten. Ganz lose seien, um die Produktivität Mlasowskys zu würdigen, den „Messias“ im November 1994 zu nennen oder die Weihnachtsoratorien 1993 und 1995, wo es Mlasowsky gelungen war, ganz hervorragende Solisten wie Elisabeth Wilke oder Marcus Ullmann zu gewinnen, die beide sogar auch international bedeutend sind. 1999 „Die Schöpfung“ mit über 100 Chorsängern und 2003 der „Elias“ mit über 130 Sängerinnen und Sängern, bei der es eine große Leistung war, sie wie eine Stimme erklingen zu lassen.

So könnte man die Nennung der Ereignisse weiter fortsetzen, die allesamt in vielerlei Hinsicht – emotional, christlich, kulturpolitisch und gesellschaftlich – helfen, Lebensqualität zu fördern.

Bei allen diesen Leistungen und Erfolgen ist der Jubilar stets bescheiden geblieben. Er hat als geduldiger und manchmal auch strenger Einstudierer und Dirigent nie vor, sondern immer hinter dem Werk gestanden, eine charakterliche Eigenschaft, die bei Mitwirkenden und der Zuhörergemeinde große Sympathie als Künstler und als Mensch auslöst.

„Singet dem Herrn ein neues Lied“ – diese Motette von Bach ist für Mlasowky fraglos wegweisend. Die Leidenschaft für die Musik konnte natürlich mit der offiziellen Beendigung seiner Kantorentätigkeit nicht erlöschen. Die schon genannte Verbundenheit mit so vielen mitwirkenden Choristen hat es ihm leicht gemacht, 2009 ein „Vokalensemble des Elbe-Elster-Kreises“ zu gründen. Man kann nur dankbar sein, dass die gute Gesundheit des Jubilars es erlaubt, seine Liebe und Leidenschaft für das Singen den Zuhörern auch weiterhin schöne kulturelle Erlebnisse zu schenken.

Mögen die bisher 53 stattgefundenen Konzerte, das sei ein ganz großer Geburtstagswunsch, bei gesundem Herzen und kraftvoller Seele auch nach dem 80. Geburtstag sich um viele weitere fortsetzen! Herzlichen Glückwunsch!