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Mühlberg hat Aussicht auf EU-Kulturerbe-Siegel

Mühlberg. Mühlberg könnte künftig im gleichen Atemzug wie die Akropolis in Athen, der Papstpalast von Avignon, der historische Stadtkern von Riga und die Danziger Werft genannt werden. Das ist kein verspäteter Aprilscherz. Dem Elbestädtchen bietet sich die einmalige Chance, mit dem historischen Ereignis der Schlacht bei Mühlberg in die Riege jener Stätten aufgenommen zu werden, die mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet werden. Von Antje Posern

Der Weg dahin ist allerdings von einer ganzen Reihe von Aufgaben gepflastert, die es noch zu meistern gilt. Das größte Hindernis ist gegenwärtig ein finanzielles. Wesentliche Voraussetzung für die Verleihung des Europäischen Kulturerbe-Siegels ist die Umsetzung des schon seit gut drei Jahren in der Schublade liegenden Museumskonzeptes, das inzwischen mit Blick auf das Siegel noch einmal gründlich überarbeitet wurde. Für die Sanierung und die konzeptionelle Überarbeitung des Mühlberger Stadtmuseums sind etwa 900 000 Euro veranschlagt. Eine Fördermöglichkeit besteht für 67 Prozent dieser Investitionssumme.

Sahen sich die Abgeordneten im geschlossenen Teil der jüngsten Stadtverordnetensitzung angesichts der desolaten Haushaltssituation außerstande, den Eigenanteil aufzubringen, soll das Thema nun doch nicht ganz auf Eis gelegt werden. Wenn sich am kommenden Mittwoch der Hauptausschuss trifft, soll erneut über die eigentlich vor einem Jahr schon mal beschlossene Umsetzung des Museumskonzeptes in Verbindung mit der nun einmaligen Chance auf das Europäische Kulturerbe-Siegel diskutiert werden. Das verabredeten der amtierende Landrat Peter Hans (CDU) und die Mühlberger Bürgermeisterin Hannelore Brendel (parteilos) in dieser Woche. Der Kreis werde behilflich sein, wenn es darum geht, weitere Fördermöglichkeiten zu erschließen, sagte Peter Hans zu. Klar sei jedoch, dass die Verantwortung bei der Stadt liegt, auch wenn das Ergebnis ganz sicher auf die gesamte Region ausstrahlen würde.

Die Zeit drängt. „Wir brauchen bis Anfang Mai einen verbindlichen Förderantrag“, sagt Dr. Uwe Koch, verantwortlicher Referatsleiter im Brandenburger Kultusministerium. Und fügt optimistisch an: „Ich gehe davon aus, dass sich die Abgeordneten bis Ende April gut informieren und sich der positiven Chance, die mit dem Kulturerbe-Siegel verbunden ist, bewusst sind.“

Deutschland wird für dieses europaweite Prädikat Stätten der Reformationsgeschichte und des Eisernen Vorhangs vorschlagen. Zu ersteren soll Mühlberg gehören. Der historische Austragungsort der Schlacht bei Mühlberg sei auch auf der Grundlage des Parlamentsbeschlusses vor einem Jahr zur Umsetzung der Museumskonzeption ausgewählt worden, so Dr. Koch. Die Profilierung des Museums sei eine wichtige Voraussetzung. Neben dem historischen Ort müsse eine attraktive und aktive Geschichtsvermittlung stattfinden, erläutert er ein wesentliches Auswahlkriterium. Andererseits käme Mühlberg in den Genuss einer europaweiten kulturtouristischen Besucherinformation und Werbung.

In den vergangenen Jahren wurde immens in die Sanierung der historischen Innenstadt und des ehemaligen Klosters Marienstern investiert. Die Aufwertung des Stadtmuseums in enger Verbindung mit dem Europäischen Kulturerbe-Siegel wäre eine wichtige inhaltliche Attraktion für die Stadt, argumentiert auch Dr. Susanne Köstering, Geschäftsführerin des Deutschen Museumsverbandes. An der Hülle der aus dem 16. Jahrhunderts stammenden Probstei, in der sich seit 1926 das Stadtmuseum befindet, wurde einiges getan. Im Inneren des Gebäudes präsentiert sich dem Besucher dagegen ein trauriges Bild von nassen Wänden und desolaten Zimmerdecken. Das Förderprogramm laufe 2013 aus, so Dr. Köstering. Der Museumsverband habe eigens mit Blick auf das in Aussicht gestellte Kulturerbe-Siegel die Konzeption noch einmal gründlich überarbeitet, eine inhaltliche Neuausrichtung mit dem Schwerpunkt der Schlacht bei Mühlberg empfohlen und mit einer Reihe von Umsetzungsmöglichkeiten untersetzt.