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| 02:37 Uhr

Mühlberg deutlich bekannter

Martina Pöschl, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum Mühlberg 1547.
Martina Pöschl, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum Mühlberg 1547. FOTO: Frank Claus
Mühlberg. Das Museum Mühlberg 1547 ist der brandenburgische Akteur der Reformationsgeschichte. Spürt man das auch in der Elbestadt? Die RUNDSCHAU bat Martina Pöschl, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Museum, um Antworten.

Wie sehr hat das neue Museum Mühlberg bereichert?
Pöschl: Die Stadt Mühlberg taucht in zahlreichen Veröffentlichungen und Broschüren, besonders im Zusammenhang mit dem Luther-Pass, der ja in Elbe-Elster initiiert wurde, auf. Die Stadt wird auf vielen Messen vermarktet. Erfolgreich, wie erst kürzlicher wieder ein Besuch des rbb-Fernsehens zeigte. Das mediale Interesse für die Stadt war, so glaube ich, von den Hochwasser-Ereignissen abgesehen, noch nie so groß. Wir spüren eine große Wahrnehmung von außen - vor allem auch überregional. Die Beherberger in der Stadt erklären, dass sie viel besser als in den vergangenen Jahren ausgebucht sind. Im Stadtgebiet sind jetzt viele Touristen anzutreffen.

Konkret: Wie haben sich die Gästezahlen im Museum entwickelt?
Pöschl: Wir verzeichnen eine stetige Steigerung, vor allem ab April dieses Jahres. Waren es im April 2016 noch 580 Gäste zählten wir in diesem Jahr 850. Im Mai 2016 waren es 560, diesmal 920. Und im Juni fällt die Steigerung am kräftigsten aus: 470 im Vorjahr stehen jetzt 1150 entgegen. Wir haben also erstmals die 1000-Besucher-Marke in einem Monat geknackt. Noch eine erfreuliche Tendenz setzt sich fort: Auf einen Besucher aus dem Landkreis kommen drei Touristen vor allem aus Berlin, Brandenburg und Sachsen. Das bedeutet, dass wir bekannter werden und dass diese Gäste über Mund-zu-Mund-Propaganda zusätzliche Werbeträger werden. Aber wir freuen uns auch über Besuchergruppen aus ganz Deutschland und dem Ausland. In dieser Woche werden wir erstmals eine Reisegruppe aus Ungarn begrüßen.

Wo im Museum verweilen die Gäste am längsten, wozu wird am meisten nachgefragt?
Pöschl: Der Medientisch weckt das größte Interesse, aber auch der Raum "Sieger und Verlierer" der Reformation. Die Gäste sagen uns immer wieder, dass sie vor allem vom Wirken des Raumes beeindruckt sind. Zu den freigelegten Wandmalereien gibt es ebenso stetig Nachfragen. Und natürlich wollen die Gäste wissen, ob Luther in Mühlberg war. Die allgemeine Haus- und Museumsgeschichte interessiert und es kommen auch immer wieder Fragen zu den Hochwasser-Ereignissen in Mühlberg.

Aus welchen Ländern kommen die Besucher? Welche prominenten Gäste waren schon da?
Pöschl: Wir haben bereits Niederländer, Belgier, Engländer, Schweizer, Amerikaner, Spanier, Franzosen, Australier, Neuseeländer und Polen begrüßt. Einen Großteil davon auch wegen der Ausstellung zum Kriegsgefangenenlager. Prominente Gäste waren Bundes-Kulturministerin Johanna Wanka, Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, der auf einem Familienausflug in Mühlberg Station machte. Brandenburgs Kulturministerin Sabine Kunst, der Kulturattaché aus Taiwan, der spanische Botschafter und Journalisten aus ganz Deutschland haben uns ebenfalls besucht.

Wie ist das Verhältnis Rad-/Auto- und Bustouristen in etwa?
Pöschl: Der größte Teil, etwa 60 Prozent, kommt mit dem Auto. Busse kommen vor allem aus dem Berliner Raum. Ein eher geringer Teil sind Radfahrer, und die kommen meist nur in die Touristinformation. Aber gerade letzte Gruppe scheint täglich größer zu werden. Ich bin mal auf die Ferien gespannt.

Welche Erfahrungen sammeln Sie mit der Museumslinie?
Pöschl: Wir bemerken mehr Gäste am Wochenende aus Berlin, aber befragen natürlich nicht jeden Gast. Nutzer nehmen das Angebot, nun am Wochenende vom Bahnhof Falkenberg aus zu uns fahren zu können, dankbar entgegen. Übrigens auch in Verbindung mit dem Pfarrgarten Saxdorf. Viele Gäste wissen aber von diesem Service noch nicht und sind positiv von diesem Angebot überrascht. Vielleicht müsste in Berlin, Leipzig und Cottbus dazu noch mal intensiver geworben werden.

Womit konfrontieren Sie die Gäste, wenn es um Mühlberg insgesamt geht?
Pöschl: Die Stadt wird als etwas verträumt, aber schön empfunden. Leider kommt dann meist immer gleich das Problem der unzureichenden gastronomischen Versorgung, vor allem am Montag. Auch an diesem Tag sind Touristen im Ort. Touristen ärgern sich, wenn sie an Lokalen dann Schilder vorfinden, auf denen steht: geschlossene Gesellschaft, wegen Krankheit geschlossen, heute schon ab 17 Uhr geschlossen. Wir schicken Gäste in die Lokale, weil wir von Änderungen der Geschäftszeiten nichts wissen und bekommen dann die Besucher geladen und frustriert zurück. Am Wochenende ist in Mühlberg kein Café geöffnet. Unser kleines Museumscafé wird dankbar angenommen. Aber wir können natürlich nicht die Leistung und das Angebot eines Cafés erbringen. Dass Sie das zum Thema von LR vor Ort machen wollen, ist gut, vielleicht finden wir ja eine Lösung, um das Problem gemeinsam zu entschärfen.

Was empfehlen Sie den Gästen, die einmal in Mühlberg weilen?
Pöschl: Wir empfehlen einen Stadtrundgang mit einem entsprechenden Flyer, natürlich die Besichtigung der Klosterkirche mit dem modern sanierten Kreuzgang. Und wir werben für unsere schöne Natur. Alle sollten vom Schlossteich aus einen Blick auf unsere elegante Brücke werfen. Natürlich nutzen wir den Luther-Pass, um auf die anderen Reformationsstätten aufmerksam zu machen und natürlich werben wir für die Museen und Orte im Museumsverbund Elbe-Elster. Aufgrund des Luther-Passes verbinden die Gäste den Aufenthalt in Mühlberg mit Besuchen in Wittenberg und Torgau. Zaghaft läuft dabei die Kooperationsvereinbarung mit dem Schloss Hartenfels und dem Lutherhaus Wittenberg an. Hier gibt es Ermäßigungen in den jeweiligen Häusern beim Vorlegen der Eintrittskarten. Ich bin sehr froh, dass die Anzahl der sogenannten Luther-Pass-Stempeljäger gering ist. Wer zu uns kommt, will auch das Museum erleben.

Blättern Sie für uns mal bitte in Ihrem Gästebuch?
Pöschl: Gern. Hier einige Auszüge von Eintragungen: "Eine beeindruckende Ausstellung in einem beeindruckenden Gebäude." (Berlin) +++ "Bin sehr beeindruckt, ein großer Wurf." (Jüterbog) +++ "Gratulation zu der sehr gelungenen Ausstellung." (Altenburg) +++ "Alles wunderbar." (Dresden) +++ "Großartige Präsentation." (Berlin) +++ "Das Museum ist ein Kleinod." (Dresden) +++ "Ein absolut gelungenes Werk." (Karlsruhe) +++ "Das Museum ist das beste seiner Art, von denen, die ich bisher gesehen habe. Meine Gratulation für die Macher". (Berlin) +++ "Sehr froh, hier gewesen zu sein." (Wittenberg) +++ "Ein Schmuckstück für ganz Brandenburg!" (Potsdam) +++ "Ein wirkliches Kleinod wurde in Mühlberg geschaffen!" (Leipzig) +++ "Man kann der Stadt Mühlberg zu diesem Museum nur gratulieren." (Halle) +++ "Vielen Dank für Kaffee und Lutherbrot." (Wuppertal) +++ "Must have seen." (Namibia) +++ "A wonderful museum." (Tasmanien). +++ "Welch schöne Überraschung, im kleinen Mühlberg ein solch informatives Museum vorzufinden." (Weimar) +++ "Sehr freundliche und sachkundige geduldige Information an Shop und Kasse." (Cottbus) +++ "Mit Kaffee und Apfelschorle geht es weiter nach Meißen. Sehr, sehr freundliches Personal." (Dresden) +++ "Die Gruppe der Marburger Geographischen Gesellschaft ist ganz begeistert von der Qualität und dem Informationsgehalt des Museums sowie von der überaus charmanten Einführung." (Marburg)

Mit Martina Pöschl

sprach Frank Claus.