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| 17:45 Uhr

Gastronomie in der Krise
In Mühlberg quält der Hungerast

Sie machen sich Gedanken um Mühlbergs wenig gästefreundliche Gastronomie und wollen sie voranbringen (v. l.): die Stadtverordnete Constanze Lau-Lehmann, die Gästeführerin Katrin Brunk, Pater Alois vom Kloster, der Stadtverordnete Mathias Mülle und die Gästeführerin Rosemarie Bauer.
Sie machen sich Gedanken um Mühlbergs wenig gästefreundliche Gastronomie und wollen sie voranbringen (v. l.): die Stadtverordnete Constanze Lau-Lehmann, die Gästeführerin Katrin Brunk, Pater Alois vom Kloster, der Stadtverordnete Mathias Mülle und die Gästeführerin Rosemarie Bauer. FOTO: LR / Manfred Feller
Mühlberg. Die Gastronomie in der Elbe-Kleinstadt hat schon bessere Zeiten erlebt. Der Ärger bei Gästen ist groß, wenn sie hungrig bleiben oder weiterziehen müssen. Von Manfred Feller

„Nach Mühlberg brauchst du nicht zu fahren. Dort gibt es nichts zu essen.“ Gästeführerin Katrin Brunk kann und will diese Sätze von Besuchern der Elbestadt nicht mehr hören. Aber sie sind traurige Realität.

Tagesgäste, die die Kleinstadt an der Elbe oder das Kloster, das hervorragende Museum, Künstlerateliers und Galerie, Schloss Martinskirchen usw. besuchen, irren auf der Suche nach Essbarem nicht selten umher. Busladungen mit Touristen werden gar in Nachbarorte beiderseits der Landesgrenze geschickt.

Wichtige Einnahmen gehen verloren, weil es immer weniger gastronomische Einrichtungen und sehr unterschiedliche Öffnungszeiten und Schließtage gibt, die eine Orientierung fast unmöglich machen. Das kritisieren bei einer Vor-Ort-Runde mit der LR nicht nur die beiden Gästeführerinnen Katrin Brunk und Rosemarie Bauer, sondern auch die Stadtverordneten Constanze Lau-Lehmann und Mathias Mülle vom Kultur-, Sozial- und Tourismusausschuss. Das Thema Gastronomie in Mühlberg steht in dem Gremium immer mal wieder auf der Tagesordnung - seit Jahren ohne eine Lösung.

Dabei wäre diese nach Ansicht von Constanze Lau-Lehmann spätestens ab 2017 notwendig gewesen. Im Jubiläumsjahr der Reformation zählte allein das Museum in Mühlberg mehr als 8000 Besucher (2016 waren es fast 6000). Der Zustrom halte an. Die Abgeordnete hat auch andere Zahlen für 2017 zusammengetragen: 900 Schlafgäste in der Wasserwander-Raststation (jeweils ein bis drei Nächte), Bürgerhaus mit acht Konzerten und 500 Gästen und das sonntägliche Saloncafé mit zusammen 700 Gästen, etwa 600 Ausstellungsgäste im Atelier Böckelmann, 2500 Übernachtungen im Kloster mit deutlich steigender Tendenz und Gästeführungen mit 1800 Teilnehmern. „Wie man sieht, ist in Mühlberg tatsächlich was los“, stellt Constanze Lau-Lehmann fest.

„Anfangs sind wir als Touristiker belächelt worden. Es war der Wahnsinn, wie viele Menschen 2017 zu uns gekommen waren“, stellt Gästeführerin Rosemarie Bauer mit Blick auf die für eine Kleinstadt schon ganz guten Zahlen fest. Das Grundpotenzial für die Gastronomie sei also vorhanden. Die Realität sehe jedoch anders aus. „Bei großen Reisegruppen müssen wir Kopfstände machen, um diese zu versorgen. Das Museum braucht in den Gastbetrieben feste Öffnungszeiten, um Besucher lenken zu können. Besonders zur Mittagszeit“, sagt sie weiter.

Das Geld, was dabei herauskomme, reiche anscheinend nicht, um in der Stadt mehrere Betriebe mit annehmbaren Öffnungszeiten am Leben zu halten und Mitarbeiter zu bezahlen, die ohnehin rar sind, vermutet Constanze Lau-Lehmann. In anderen Touristenorten würden sich die Gastronomen besser abstimmen, damit zum Beispiel in schwachen Zeiten (wie im Winter) dennoch einer durchgehend öffnet, so Rosemarie Bauer. Oder Gastronomen teilen sich Mitarbeiter. Auf jeden Fall, da ist sich die Runde sicher, sollten auch unkonventionelle Lösungen diskutiert werden. Am besten an einem Stammtisch, initiiert von der Bürgermeisterin.

Diesen schließt Hannelore Brendel nicht aus. Die Branche habe es jedoch schwer. Zudem gebe es das Problem, dass ältere Gastronomen keine Nachfolger fänden.

Ein Lichtblick ist aus Sicht der beiden Abgeordneten und Gästeführerinnen das Kloster. „Wir haben gut zu tun mit den eigenen Gästen und kümmern uns in Ausnahmen auch um andere.“ Mehr gehe aus Sicht von Pater Alois nicht. Die Stadt habe das Potenzial, aber die Situation sei fast katastrophal. „Mühlberg darf sich nicht unter Wert verkaufen“, glaubt er an einen besseren Weg.