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| 17:43 Uhr

Bremsen, sehen, hören
Fachleute testen Mensch und Maschine

 Auf dem Parkplatz am Elstercenter in Elsterwerda: Kfz-Mechatroniker Guido Kappel bei den letzten Prüfungen am Mittelklassewagen von Elvira Nöltge aus Lausitz. Vom empfohlenen Reifentausch abgesehen, hinterlasse der Wagen optisch und technisch einen hervorragenden Eindruck.
Auf dem Parkplatz am Elstercenter in Elsterwerda: Kfz-Mechatroniker Guido Kappel bei den letzten Prüfungen am Mittelklassewagen von Elvira Nöltge aus Lausitz. Vom empfohlenen Reifentausch abgesehen, hinterlasse der Wagen optisch und technisch einen hervorragenden Eindruck. FOTO: LR / Manfred Feller
Elsterwerda. Damit es auf den Straßen in Elbe-Elster weniger kracht: Automobilclub, Polizei, Seh- und Hörspezialisten prüfen in Elsterwerda Kraftfahrer und deren Gefährte und sind ein ums andere Mal überrascht. Von Manfred Feller

Manchmal stehen die ADAC-Techniker vor „Gurken“, sprich Autos, die zum Heulen sind. Doch die Besitzer möchten ihr heruntergekommenes Gefährt mit ein paar kostengünstigen Tipps noch irgendwie durch die nächste Hauptuntersuchung schleusen. Ganz anders in Herzberg und dieser Tage in Elsterwerda. „Die meisten Fahrzeuge waren in Ordnung“, lobt Kfz-Mechatroniker Guido Kappel aus Berlin die Fahrerinnen und Fahrer aus Elbe-Elster.

Freiwillig in der Autoschlange

Er und sein Kollege Daniel Druschke, Kfz-Meister aus dem Spreewald, haben vor dem Elstercenter in Elsterwerda in ihrem ADAC-Prüf- und Servicemobil vier Tage lang freiwillig vorgeführte Fahrzeuge mit moderner Technik und geschultem Blick unter die Lupe genommen. Bremsen- und Stoßdämpfercheck sowie die Spurschnellvermessung gab es für Clubmitglieder und den Bremsentest für alle kostenfrei. Die Resonanz sei sehr gut gewesen, ablesbar an der Warteschlange. „Wir haben täglich bis zu 30 Fahrzeuge auf die Rampe gefahren. Das war schon am Limit“, sagt ADAC-Techniker Guido Kappel.

In einem 17 Jahre alten Peugeot 307 mit 211 000 Kilometern Laufleistung bleibt die Motorkontrolleuchte an. Da sollten die Alarmglocken schrillen. Doch nicht bei jedem, weiß Guido Kappel. „Es gibt Leute, die kleben das Symbol einfach ab, damit sie es nicht mehr sehen“, schüttelt er den Kopf.

Mit DDR-Mark den ersten Clubbeitrag bezahlt

Besitzer Klaus-Dieter Hofmann aus Elsterwerda habe den vermeintlichen Fehler ohne Erfolg prüfen lassen. Bei einer bestimmten Geschwindigkeit gehe die Leuchte aus. Merkwürdig. Der 71-Jährige gehört im Osten zu den ältesten ADAC-Mitgliedern. „Den ersten Beitrag habe ich noch mit DDR-Geld bezahlt“, schmunzelt er – und nie eine Leistung in Anspruch genommen, obwohl er als Elektriker viel unterwegs war. „Ich habe in Paris gearbeitet und fahre nach wie vor in die Schweiz“, sagt er. Auf seinem Konto stehen mehr als 50 Jahre unfallfreies Fahren.

 Präventions-Polizeibeamtin Manuela Pfennig prüft die Reaktionsfähigkeit der vornehmlich älteren Freiwilligen beim abrupten Abbremsen eines Fahrzeuges.
Präventions-Polizeibeamtin Manuela Pfennig prüft die Reaktionsfähigkeit der vornehmlich älteren Freiwilligen beim abrupten Abbremsen eines Fahrzeuges. FOTO: LR / Manfred Feller

Für Daniel aus Rheinland-Pfalz, der ehemalige Lauchhammeraner ist in der alten Heimat zu Besuch, ist sein VW Passat nicht mehr als ein Gebrauchsgegenstand. „Sicherheit ja, der Rest ist mir egal“, sagt er zum bestandenen Schnellcheck. Er werde höchstens die eine durchdringende Roststelle an der Fahrertür behandeln, mehr nicht. 30 000 bis 40 000 Kilometer lege er im Jahr zurück – bisher ohne einen Unfall.

Auffallend viele Ältere kommen mit ihrem Auto vorgefahren. Seit dem Renteneintritt sind nicht wenige von ihnen immer seltener unterwegs. „Wir sehen Autos, die 15 bis 20 Jahre alt sind, aber nicht einmal 100 000 Kilometer gelaufen sind“, weiß Guido Kappel. Die Kurzstrecken zum Einkaufen und Arzt sorgen, weil der Motor selten richtig warm wird, für gefährliches Kondenswasser in der Auspuffanlage und im Öl. Und die Bremsscheiben müssen ausgetauscht werden – nicht, weil sie verschlissen, sondern vom Rost stark angegriffen sind – durch vorausschauendes Fahren (was natürlich richtig ist) und zaghaftes Bremsen. Die Tipps des Fachmannes: Ab und an eine längere Strecke fahren, wo erlaubt, Gas geben, und wo ungefährlich, ordentlich auf die „Eisen“ treten!

Eine Folge geringer Laufleistungen seien auch sieben Jahre alte und ältere Reifen. Diese hätten zwar oft noch genügend Profil, seien aber schon porös. „Das haben wir bei jedem dritten Auto festgestellt“, sagt Guido Kappel.

Rädertausch muss sein

Am gepflegten Ford Mondeo von Elvira Nöltge aus Lausitz, sie pendelt täglich zur Arbeit nach Torgau, hat er nur eines auszusetzen: Wie sie fahren immer mehr Besitzer mit Ganzjahresreifen, um sich den Sommer-Winter-Wechsel zu sparen. Während sich die Reifen auf der Antriebsachse abfahren, sei im Profil der Reifen der mitlaufenden Achse eine Sägezahnbildung festzustellen. Dies sorge auch für lautere Abrollgeräusche. Deshalb: dennoch jedes Jahr Rädertausch!

Den „Daumen hoch“ gibt es für den erst fünf Jahre jungen VW Polo von Rentner Axel Lehmann. Die bisherigen 70 000 Kilometer haben dem Auto nichts angetan. Die weitesten Touren führen den ehemaligen Elektromonteur aus Stolzenhain nach wie vor bis zur Nordsee.

Während des mehrtägigen ADAC-Prüfchecks wird auch ein Mobilitätstag angeboten. Bei Manuela Pfennig von der Prävention der Polizei unterziehen sich die Freiwilligen einem Reaktionstest. Die vornehmlich Älteren schneiden beim flotten Tritt auf die Bremse ganz passabel ab.

Mit Uraltbrille auf der Nase

Wie bei den Autoreifen, so kommt auch bei der Sehhilfe der sparsame Südbrandenburger durch. Beim kostenfreien Sehtest fallen Fielmann-Augenoptiker Lars Goldermann schon mal Brillen in die Hand, die zehn Jahre und älter sind. Da können Sehschwäche und ­Glasstärke nicht mehr zusammenpassen. „Das ist wie beim Zahnarzt: Jedes Jahr einmal zur Kontrolle kommen! Was das Auge nicht erkennen kann, muss das Gehirn verarbeiten“, warnt er vor einer Überforderung.

Ebenso wichtig ist das Gehör im Straßenverkehr. Die Erfahrung von Kundenberaterin Simone Müller von Amplifon: Nicht wenige scheuen den Gedanken an ein Hörgerät, obwohl dieses heute kaum noch sichtbar sei. Auch Jüngere, die oft Dauerlärm ausgesetzt sind, nicht zuletzt durch Kopfhörer, sollten sich testen lassen. Denn: Im Straßenverkehr müssen alle Sinne scharf sein.