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| 18:08 Uhr

Aus dem Gerichtssaal
Mitten in der Nacht steht der ehemalige Geliebte am Bett

Aus dem Gericht 2c
Aus dem Gericht 2c FOTO: Janetzko, Katrin / LR
Bad Liebenwerda. Andreas W. hat in seinem Leben nichts auf die Reihe bekommen. Drogen und Straftaten pflastern seinen Weg. Weil er in die Wohnung seiner Ex-Freundin eingestiegen ist, wird er erneut zu einer Haftstrafe verurteilt. Von Manfred Feller

Andreas W., wortgewandt und vorlaut selbst gegenüber dem Gericht, hat aus seinen Vorstrafen nichts gelernt. Wegen vier Schachteln Zigaretten und einer Flasche Saft soll er für sechs Monate erneut ins Gefängnis einziehen. Zur Verhandlung wird er bereits in Handschellen vorgeführt. Er hatte eine Strafe nicht bezahlt und musste in Vollstreckungshaft.

Dem 25-jährigen aus Bad Liebenwerda wird vorgeworfen, am 13. Januar 2017 mithilfe von Werkzeug in die Wohnung seiner ehemaligen Freundin eingebrochen zu sein. Der aus Kasachstan stammende und seit etwa zehn Jahren in Deutschland lebende junge Mann bestreitet dies vehement. Für ihn ist das Ganze eine Verschwörung.

Andreas W. hat nach Aussage seiner ehemaligen Freundin, die als Zeugin aussagt, etwa ein halbes Jahr bei ihr gewohnt. Sie bot ihm ein Dach über dem Kopf und verpflegte ihn. Auf rund 500 Euro schätzt sie die Schulden, die ihr Ex bei ihr hat.

Der angeklagte Wohnungseinbruchsdiebstahl sei nicht der erste unerlaubte Einstieg gewesen. Die 31-jährige Kauffrau schildert, dass er Wochen zuvor mitten in der Nacht plötzlich vor ihrem Bett stand. Auf die Frage, wie er hereingekommen sei, habe er geantwortet: „Ich habe Spezialwerkzeug.“ Es sei eine Kleinigkeit, in die Wohnung zu kommen. Er zeigte ihr einen manipulierten Schraubenzieher. Auch den zweiten Einbruch habe er ihr später gestanden. Es folgte die Anzeige bei der Polizei.

Andreas W. bestreitet dies. „Gibt es Einbruchsspuren im Schloss?“, fragt er in den Gerichtssaal. Laut dem Gericht habe die Polizei seinerzeit nicht mal eine Beschädigung am Schloss entdeckt.

An jenem Morgen im Januar verlässt die Zeugin gegen 5.30 Uhr ihre Wohnung auf dem Weg zur Arbeit. Die Tür schließe sie generell ab. Zum Mittagessen bei der Mutter fragte diese, warum sie ihre Wohnungstür nicht verschlossen habe. Die Mutter hatte der Tochter am Vormittag ein paar Einkäufe vorbeigebracht. Beide gingen in die Wohnung und stellten fest, dass Zigaretten fehlen. „Mein erster Gedanke: Er war wieder drin“, sagt die junge Frau aus. Obwohl es Winter war, waren keine Schmutzfußspuren zu sehen.

Nach seiner Schulzeit hat Andreas W. eine Schweißerlehre wegen seines Drogenkonsums abgebrochen, wie er sagt. Aber im Gefängnis habe er als Mediator, als Vermittler gearbeitet. „Wenn Sie sich mit ihrem Mann streiten ...“, wird er gegenüber der Staatsanwältin unbedarft frech. „... dann werde ich Sie rufen“, antwortet diese unter allgemeinem Gelächter im Verhandlungssaal. Auch das Urteil nimmt er gleich vorweg: „Gegen Drogen ist Gefängnis nicht die Lösung.“ Bei seinem Vorstrafenregister jedoch fast unumgänglich. Seit 2009 ist er ein Straftäter - wegen mehrfachen Diebstahls, vorsätzlicher Körperverletzung, Bedrohung, Vergewaltigung, Nötigung und der Abgabe von Betäubungsmitteln.

Diesmal fordert die Staatsanwaltschaft fünf Monate Haft auf Bewährung. Die Zeuginnen seien glaubhaft. Andreas W. funkt unerlaubt und ungefragt dazwischen: „Zuallererst, Frau Staatsanwältin, habe ich erhebliche Zweifel an der Aussage.“ (seiner Ex-Freundin). Es gebe keine Beweise. Das Gericht urteilt unbeeindruckt: sechs Monate Gefängnis bei einer dreijährigen Bewährungszeit. Der Verurteilte, der sich versiert selbst verteidigt, hat Berufung eingelegt.